Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

Exklusiv-InterviewSchröcksnadel: "Ich bin der Ritter, der vorausgeht"

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel im Exklusiv-Interview – über Macht, Hierarchien, Geld und die Problemzonen bei den Springern.

Super-G-Olympiasieger Matthias Mayer und ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel jubeln über die Alpin-Erfolge
Super-G-Olympiasieger Matthias Mayer und ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel jubeln über die Alpin-Erfolge © APA/HELMUT FOHRINGER
 

Wie fällt Ihre Bilanz dieser Spiele aus?
Peter Schröcksnadel: Der Sport hat mir super gefallen, das Klima gar nicht: eiskalt, windig, staubig. Organisiert war es super, auch die Pisten waren bis auf den Slalomhang sehr gut.

Das mit dem ungewohnten Schnee für unsere Alpinen hören wir seit 15 Jahren.
Schröcksnadel: Das Problem ist, dass wir darauf nicht trainieren können. Wenn der Weltcup beginnt und es auch bei uns Schnee gibt, dann sind wir dort nicht vor Ort. Darauf könne sich halt mache Fahrer und manche Skimarken besser einstellen, manche weniger. Das ist keine Ausrede, sondern eine Feststellung.

Bis auf die Damen-Abfahrt waren die Alpinen aber auf dem Punkt oder?
Schröcksnadel: Sechs bis acht Medaillen waren die Vorgabe, die ist erfüllt. Es sind zwar nur sechs geworden, aber dafür mehrere in Gold.

Die Problemzone sind dafür die Nordischen, sehen Sie das auch so?
Schröcksnadel: Nicht die Nordischen, sondern die Springer. Die Kombinierer waren mit zwei Medaillen über dem Plan. Da sind die Deutschen derzeit so weit weg, die sind praktisch unschlagbar. Auch die Biathleten waren gut, mit der Medaille war nach den Ergebnissen im Weltcup nicht zu rechnen. Nur im Springen waren wir weit weg, und zwar bei Damen und Herren.

Trotzdem haben Sie zu Wochenbeginn eine Jobgarantie für Heinz Kuttin abgegeben?
Schröcksnadel: Ich hab keine Jobgarantie abgegeben! Man hat mich gefragt, ob wir ihn rausschmeißen und ich habe gesagt, dass wir das sicher nicht tun.

Wird er Cheftrainer bleiben?
Schröcksnadel: Ich diskutiere das jetzt nicht, sondern frühestens nach der Saison. Das heißt aber nicht, dass er eine Jobgarantie hat. Wir sind aber nicht beim Fußball, wo man ständig die Trainer wechselt.

Ich diskutiere das jetzt nicht, sondern frühestens nach der Saison. Das heißt aber nicht, dass er eine Jobgarantie hat. Wir sind aber nicht beim Fußball, wo man ständig die Trainer wechselt.

Schröcksnadel über Skisprung-Trainer Heinz Kuttin


Was sagen Sie zu den offen ausgebrochenen Differenzen im Springerteam?
Schröcksnadel: Wer sich auskennt, weiß, dass es die schon seit Sotschi 2014 gibt. Diese Differenzen sind prolongiert worden, das hat auf die Mannschaft keinen guten Einfluss. Die Kombinierer, die mannschaftlich nicht so gut sind wie die Springer, stehen zusammen und machen eine Medaille. Das ist bei den Springern sicher nicht der Fall.

Aber es ist doch nicht normal, dass ein Athlet kritisiert, die falsche Technik zu haben?
Schröcksnadel: Das ist ein völliger Blödsinn! Ein Athlet kann nicht kritisieren, was der Trainer tut. Er kann mit ihm diskutieren, was für ihn gut ist, ja. Ich nehme an, das hat Gregor Schlierenzauer gesagt? Es hindert ihn ja niemand daran, eine andere Technik zu springen! In allen Sportarten sieht man, dass die wirklich Guten etwas anderes tun als die meisten. Das muss man auch zulassen.

Haut der Präsident in solchen Konflikten einmal auf den Tisch?
Schröcksnadel: Das mache ich selten. Ich habe ein wichtiges Prinzip: Du darfst einem Trainer nicht dreinreden. Du kannst ihn kündigen, wenn es nicht passt, aber nicht dreinreden. Sonst kann man ja gleich den Job selbst machen.

Sind wir also vor der Heim-WM 2019 in Seefeld gut aufgestellt?
Schröcksnadel: Ein Kraft oder ein Hayböck, die haben ja das Springen nicht verlernt. Aber der Nachwuchs ist ein Problem, weil das System nicht mehr so funktioniert. In Slowenien, in Planica, da haben sie das, was wir brauchen: Die haben acht Schanzen, die haben Infrastruktur. Und wir haben gar nichts. Oder Norwegen: In jedem Kaff gibt es dort kleine Schanzen. Bei uns zerfällt eine Schanze in Mutters. In Absam, wo so viele gute Springer her kamen, gibt es gar keine Schanze mehr.

Was kann man da tun?
Schröcksnadel: Der ÖSV kann keine Infrastruktur bauen. Der ÖFB baut ja auch nicht in jedem Dorf einen Fußballplatz. Früher gab es mehr persönliche Initiativen. Warum kommen aus Göstling so viele gute Skifahrer? Weil es einen guten Klub gibt. Von diesen kleinen Zentren lebt man. Wer kommt heute schon als Skifahrer aus Lech, Zürs, St. Anton? Keiner – die kommen alle aus kleinen Orten.

Was ist der Unterschied zu den so erfolgreichen Norwegern?
Schröcksnadel: Dort wird Sport gelebt, bei uns nicht. Das fängt bei den Eltern an, es ist halt vielen zu mühsam, die Kinder zum Fußball, auf die Pisten oder sonst wohin zu bringen. Das ist Arbeit, Aufwand. Wir sind ein bequemes Land geworden.

Kommen die Förderungen im Sport richtig an?
Schröcksnadel: Wenn ich höre, dass man Jeanine Flock vier Monate vor Olympia einen Physiotherapeuten organisieren muss, dann muss ich sagen: Den braucht sie doch das ganze Jahr! Da ist schon bei uns nicht alles ausgewogen organisiert. Ich bin für die neue Struktur, die neue Sport Gmbh, auch wenn man sicher nachschärfen kann. Aber im Beirat sitzen alle drin, die was zu sagen haben. Man muss aber auch Ziele definieren. Wenn ich Medaillen haben will, dann muss ich es so formulieren. Will ich den Breitensport fördern, muss ich das auch sagen. Nur hinterher jammern und schimpfen, wenn es keine Medaillen gibt, geht nicht. Nehmen wir unsere Geschichte her…

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.