Lewis Hamilton hatte auf dem Red Bull Ring gegen Max Verstappen keine Chance. Und auch wenn der deutliche Zeitverlust des Weltmeisters in der Endphase des Rennens möglicherweise mit einer extremen Abstimmungs-Variante zusammenhing, die einen höheren Reifenverschleiß mit sich brachte: Grundsätzlich schien Red Bull in den letzten Rennen der schwarzen Silberpfeil-Konkurrenz immer mehr davon zu ziehen.

Nach der Niederlage beim Grand Prix der Steiermark gab Mercedes-Teamchef Toto Wolff dann auch offen zu: „Das Paket von Red Bull ist das schnellere, das muss man neidlos anerkennen.“ Und er betonte noch einmal, was er schon öfters einmal angedeutet hatte: „Wir müssen jetzt fighten, denn entwicklungstechnisch ist die Saison gelaufen.“

Der Fokus bei Mercedes liegt auf 2022

Der Fokus liegt ganz klar bereits auf 2022. Bis zur Sommerpause sollen höchstens noch ein paar Kleinigkeiten am Auto verändert werden, ein paar Teile, die bereits vor Wochen im Windkanal entwickelt wurden. Wolff bestätigte, dass in der Fabrik alle Ingenieure schon mit voller Kraft am 2022er Auto arbeiten. „Das ist natürlich keine einfache Entscheidung. Nächstes Jahr gibt es ein komplett neues Autokonzept. Da muss man die richtige Balance finden.“

Red Bull brachte dagegen auch für das Spielberg-Wochenende wieder einige Neuerungen. Im Freien Training probierten Verstappen und Perez verschiedene Frontflügel-Versionen durch. Auch ein neuer Unterboden mit modifiziertem Diffusor wurde an den RB16B geschraubt. Red-Bull-Koordinator Helmut Marko sieht die große Chance, endlich die Mercedes-Dominanz zu durchbrechen – und will sich die Chance nicht entgehen lassen. „Wir wollen nicht den gleichen Fehler machen wie BMW im Jahr 2008. Da hatte Kubica eine realistische Chance auf die Meisterschaft, aber der Businessplan hat besagt, dass man frühzeitig auf die nächste Saison umschwenkt.“

Lewis Hamilton ist nicht begeistert

„Diese Strategie muss man respektieren. Bis jetzt hat sie ja auch Erfolg“, sagt Wolff dazu. Aber es werde sich erst in ein paar Jahren zeigen, was die richtige Entscheidung war. Lewis Hamilton ist von der Mercedes-Haltung jedenfalls wenig begeistert, fürchtet, die Chance auf seinen achten WM-Titel zu verlieren, mit stumpfen Waffen zu kämpfen – und forderte mit deutlichen Worten neue Entwicklungen, neue Teile von seinem Team. Womit er bei Wolff auf Granit beißt: „Wir haben mit den Fahrern darüber gesprochen und einen rationalen Ansatz gefunden. Mögliche Upgrades würden uns jetzt nicht so viel bringen wie sie uns nächstes Jahr kosten würden. Red Bull wird auch nicht bis September neue Teile bringen, sonst werden sie nächstes Jahr zwei Sekunden hinten sein.“

Bei Mercedes hofft man, den Titelkampf auch ohne Upgrades so lange wie möglich offen zu halten. "Die Meisterschaft wird nicht nur durch das Hinzufügen von Aeroteilen entschieden. Irgendwann muss auch Red Bull die Entwicklung auf die nächste Saison verlagern. Dann wird es sehr wichtig werden, wie gut man das bestehende Paket optimiert. Ich bin mir sicher, dass wir weiter Poles und Siege holen werden. Die WM ist noch nicht verloren. Wir geben nicht auf.“

Helmut Marko für Österreich-GP zuversichtlich

Red-Bull-Teamchef Christian Horner ist sowieso noch nicht hundertprozentig überzeugt, dass bei seinen Rivalen wirklich nicht Neues mehr kommt. „Was Mercedes tut, ist ihr Ding. Wir konzentrieren uns auf uns selbst. Es ist aber schwer zu glauben, dass sie bis zum Saisonende kein einziges Teil mehr verändern werden, denn die Saison ist noch lang.“ Und er glaubt, dass man bei Red Bull durchaus in der Lage sei, einen guten Mittelweg zu finden: „Natürlich muss man einen guten Kompromiss zwischen der Entwicklung des aktuellen und des 2022er-Renners finden. Aber wenn das heißt, dass wir etwas härter arbeiten müssen, dann ist das ganze Team auch bereit dazu.“

Für Dr. Helmut Marko sieht die Strategie so aus: „Wir versuchen ständig, jedes Detail weiter zu verbessern. Wir wollen uns ein Polster erarbeiten und da, wo wir nicht siegen können, mindestens auf Platz zwei fahren." Für den Österreich-GP in der kommenden Woche ist er besonders zuversichtlich. Denn da bringt Pirelli Reifen, die jeweils eine Stufe weicher sind als beim GP der Steiermark. "Mit dem geringeren Verschleiß, den wir haben, sollten uns die weichen Reifen noch mal mehr entgegen kommen. Wir gehen davon aus, dass wir unsere Performance von diesmal auf jeden Fall wiederholen können.“