Sieben Mal hintereinander Weltmeister in der Formel 1. Das hat es bisher noch nie gegeben. Wie kann man da überhaupt noch die Motivation aufrecht halten. Wird nicht auch Gewinnen irgendeinmal langweilig?

TOTO WOLFF: Nein, das wird nie langweilig. Gerade in der Corona-Pandemie ist es so schön, alle Leute an den Rennstrecken zu sehen. Immer wieder beobachten zu dürfen, wie wir alle an einem Strang ziehen. Wir sind eine so eingeschworene Mannschaft, die immer versucht, auf ein neues Level zu kommen. Und das haben wir nun wieder geschafft. Darauf ist man stolz. Immer wieder aufs Neue. Und deshalb verlieren wir auch nie unsere Motivation und unsere Freude am Job.

Wann wird Lewis Hamilton nun seinen Vertrag verlängern. Bei der Pressekonferenz im Imola hinterließ er doch viele offene Fragen, sprach davon, dass er vielleicht in einem Jahr gar nicht mehr hier sein würde. Blüht uns da eine handfeste Überraschung?

Es kann so viel passieren. Ich hoffe nur, dass es keine Überraschung gibt. Natürlich darf man sich nie sicher sein. So wie Niki Lauda in den 70er-Jahren. Als er in Montreal über Nacht den Entschluss fasste, von heute auf morgen nicht mehr fahren zu wollen. Aber ich denke, Lewis und Mercedes haben den gemeinsamen Weg noch nicht beendet. Wir haben gerade in der Corona-Zeit so wenig Zeit gefunden, wirklich über alle Vertragskriterien zu besprechen. Vor allem wenn man so fokussiert ist auf das, was auf den Rennstrecken passiert und am Ende den Erfolg bringt. Uns verbindet sehr viel, wir ähneln uns in vielen Dingen. Wir werden die Zeit gegen Ende des Jahres finden, um alles zu klären. Da bliebt doch noch ein Spielraum für eine gemeinsame Zukunft.

Garantiert?

Nein, eine Garantie hat man nie. Es kann immer etwas dazwischen kommen. Nichts ist sicher, solange es keine Unterschriften auf dem Vertrag gibt. Wir werden einmal abwarten, bis Lewis auch den Fahrertitel gewonnen hat. Das könnte in der Türkei der Fall sein. Dann wird wohl eine Entscheidung getroffen werden. Und ich bin da schon sehr zuversichtlich.

Mercedes war ja schon einmal auf dem linken Fuß erwischt worden, als Nico Rosberg gleich nach dem Titelgewinn seinen Rücktritt bekannt gab. Kann das nicht wieder passieren?

Vielleicht bin ich der ausschlaggebende Faktor, dass alle abhauen (schmunzelt). Nein, ich bin viel gewohnt, ich rechne oft mit dem Ungewöhnlichsten. Aber heute glaube ich nicht daran, dass es so eine Situation wie damals mit Nico wieder geben könnte.

Sie hätten in diesem Fall aber einen Plan B?

Nun, einen Plan B gibt es. Darüber sage ich aber nichts. Es würden nur einige Leute in der Formel 1 überrascht sein, wenn Lewis nicht bei Mercedes bleibt und Plan B folgt (lacht).

Und ihre persönliche Zukunft bei Mercedes ist auch nicht geklärt? Da gibt es einige Spekulationen.

Spekuliert wird immer. Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass ich noch ein bisschen bei Mercedes bleibe. Ich bin ja in der privilegierten Situation, Teilhaber des Teams zu sein. Daran wird sich nicht so schnell etwas ändern. Wir haben über meine Zukunft bei Mercedes gesprochen, welche Rollen ich übernehmen könnte. Zuerst müsste ein Nachfolger für mich gefunden werden. Das passiert auch nicht von heute auf morgen.

Niki Lauda ist auch noch bei Euch? Auch bei der Feier im Fahrerlager von Imola, nach dem erneuten Gewinn der Konstrukteurs-WM, als sie das alte, rote Parmalat-Kapperl von Niki Lauda getragen haben.

Niki ist immer bei uns. Nach wie vor. Ich kann mir gut vorstellen, was er da gesagt hätte: Super gemacht, Burschen. Und wie gehen wir die nächsten Tage an, wie machen wir weiter. Er war es, der die Bomben bei Pressegesprächen fallen ließ. Das war seine Rolle.

Red Bull Racing verliert Ende 2021 seinen Motorenpartner. Honda zieht sich zurück. Das Team möchte weiter mit Honda-Motoren fahren, verlangt aber, dass dazu das Reglement eingefroren bleibt. Denn einen neuen Motor entwickeln, könnte Red Bull nicht. Können sie sich mit der Forderung von Red Bull anfreunden, auch wenn die Formel 1 immer mehr Richtung CO2-neutralen Kraftstoff tendiert? Dazu müssen aber irgendwann einmal neue Motoren gebaut werden?

Ich glaube, dass wir den Schwung in diese neue Richtung sicher nicht verlieren dürfen. Ein neues Reglement wird dazu irgendwann notwendig sein, keine Frage. Das ist derzeit einmal für 2026 geplant. Vielleicht können wir das aber auch vorziehen, auf 2025. Wir können mit den derzeitigen Hybrid-Motoren noch sehr viel bewegen in Richtung der neuen Welt. Eine komplette Neuausrichtung wird sich nicht vermeiden lassen. Einfrieren ging da ohnehin nur für ein Jahr. Ferrari und Renault haben aber ihren Standpunkt ohnehin bereits klar gemacht, dass sie dem Ansinnen von Red Bull nicht zustimmen wollen.