Fast ging er wortwörtlich in Rauch auf, der 200. Grand-Prix-Sieg von McLaren in der Formel 1. In einem packenden Duell um den Sieg verteidigte sich Lando Norris auf alten Reifen gegen seinen heranstürmenden Teamkollegen Oscar Piastri. Der WM-Führende aus Australien versuchte alles, holte auf und setzte in der vorletzten Runde zum vermeintlich entscheidenden Manöver an. In Kurve eins versuchte es Piastri innen – und verbremste sich so stark, dass der Reifen blockierte und Rauch aufstieg. Haarscharf schrammte McLaren an einem Debakel vorbei, Norris konnte ausweichen und sicherte den 200er ab. „Ich bin kaputt“, schnaufte der Rennsieger. „Das war hart, wirklich hart.“
Dabei sah es zu Beginn überhaupt nicht nach einem Jubeltag für den Zweiten der Fahrer-Weltmeisterschaft aus. Norris verpatzte den Start, fiel auf Platz fünf zurück und entschied sich aufgrund der aussichtslosen Situation für die Ein-Stopp-Strategie. Ein Glücksgriff, der dem britischen Shootingstar den Sieg bescherte. In der WM verkürzte er den Rückstand auf gerade einmal neun Punkte vor der vierwöchigen Sommerpause. „Wir hatten diese Strategie nicht wirklich geplant, aber es war nach ein paar Runden die einzige Option. Es war schon ein Risiko, aber am Ende die perfekte Entscheidung.“
Enges Duell um den Titel
Weitaus weniger perfekt verlief der Sonntag für Piastri, der zwar nach dem Start an Pole-Mann Charles Leclerc dranblieb, aber mit zwei Boxenstopps viel Zeit verlor. „Als ich gesehen habe, dass Lando auf einen Stopp geht, wusste ich, dass ich ihn nur noch auf der Strecke überholen kann. Ich habe extrem gepusht und alles gegeben, aber leider den Kürzeren gezogen“, resümierte der 24-Jährige aus Melbourne mit versteinerter Miene. Nach der Beinahe-Kollision erinnerte ihn seine Box daran, „wie wir Rennen fahren“, weshalb der Australier im letzten Umlauf nicht noch einmal versuchte, an seinem Teamkollegen vorbeizugehen. „Es war wirklich knapp“, scherzte auch McLaren-CEO Zak Brown. „Glücklicherweise haben es sich die Fahrer selbst auf der Strecke ausgemacht.“
Mit seinem neunten Grand-Prix-Sieg im Gepäck bewies der oftmals in der Kritik stehende Norris mentale Stärke. In den Urlaub geht es jetzt mit ordentlich Aufwind. „Unser Duell ist so eng, dass es wirklich schwierig ist zu sagen, wer gerade das Momentum hat. Wir fahren hart gegeneinander, aber es macht richtig Spaß.“
Leclerc im Pech
Weniger Spaß auf dem Hungaroring hatte Charles Leclerc, der am Samstag noch sensationell zur Pole Position gefahren war. Zwar erwischte der Monegasse einen guten Start und war auf dem Medium-Reifen mitunter der Schnellste auf der Strecke, die Zwei-Stopp-Strategie inklusive der langsamen harten Reifen zerstörte aber das Rennen des Ferrari-Stars. „Das ist so unglaublich frustrierend“, funkte er bereits im Rennen an seine Box. „Wir sind absolut nicht mehr konkurrenzfähig. Hättet ihr auf mich gehört, dann hätten wir die Dinge anders geregelt.“
Doppelt bitter: Durch die verpatzte Strategie hatte Leclerc nicht nur keine Chancen im Kampf um den Sieg, sondern wurde sogar noch von Mercedes-Ass George Russell geschnappt. Für den Briten ging es als Dritter mit zur Siegerehrung, während der Monegasse wutentbrannt verschwand. Innerhalb von nur 24 Stunden schwenkte die Gefühlslage bei der Scuderia von Feierlaune zu Katerstimmung – erst recht mit dem enttäuschenden zwölften Platz von Lewis Hamilton.