Kein McLaren am Podest, aber trotzdem groß in den Schlagzeilen: Die Kollision zwischen den Teamkollegen Lando Norris und Oscar Piastri im Finish des Formel-1-Grand-Prix von Kanada in Montreal hat am Sonntag für viel Aufsehen gesorgt. „Regel Nummer eins ist, nicht mit dem Teamkollegen zu kollidieren, genau das habe ich aber gemacht“, sagte Norris. Er bereue es sehr, dass er „seine Familie McLaren“ so im Stich gelassen und sich selbst zum Narren gemacht habe.
In der 67. Runde krachte es zwischen den beiden: Norris versuchte, sich an Piastri vorbeizuzwängen, verlor dabei aber seinen Frontflügel. „Er ist natürlich nicht glücklich über das, was passiert ist. Das wäre, wenn es andersrum gewesen wäre, nicht anders. Ich muss mich für mein Risiko entschuldigen, fühle mich schlecht“, erläuterte Norris nach seinem Ausscheiden am Circuit Gilles Villeneuve. Piastri (198) rettete einen vierten Platz ins Ziel und baute daher in der WM-Wertung nach Rennen Nummer zehn seinen Vorsprung auf Norris von zehn auf 22 Punkte aus.
„Lando ist ein guter Kerl“
Böses Blut gab es keines. „Ich denke nicht, dass da irgendein böser Gedanke dabei war. Das war einfach unglücklich. Lando ist ein sehr guter Kerl“, gab der Australier Piastri zu Protokoll. Teamchef Andrea Stella wies darauf hin, dass es nur eine Frage der Zeit gewesen sei, bis so ein Vorfall einmal passieren würde. Es sei das Ergebnis einer Fehleinschätzung gewesen, andererseits aber auch als Teil des Rennsports zu sehen. „Das wird uns nur stärker machen, was unseren internen Wettbewerb und die Art und Weise, wie wir Rennen fahren, betrifft“, sagte Stella.
Die europäischen Gazetten berichteten von dem Stallduell ausführlich. „McLarens Harmonie ging den Bach hinunter, oder in die Wand, in einem schwerfälligen Rennen in Montreal, das sie strategisch nicht verstanden haben“, schrieb die spanische „As“. Laut der „Mundo Deportivo“ zeigte der Brite, dass er „noch weit davon entfernt ist, Champion zu sein.“ Näher ran kam in der Gesamtwertung jedenfalls George Russell (136) nach dem ersten Mercedes-Saisonerfolg. Noch davor Dritter (155) ist der in Kanada zweitplatzierte Max Verstappen.
Aus einem nachträglichen Sieg des Niederländers wurde nichts, da ein Protest von Red Bull gegen Russell abgewiesen wurde. Der Rennstall des Tageszweiten hatte argumentiert, dass der Sieger in der Safety-Car-Phase in den letzten Runden unberechenbar gefahren sei und sich zudem unsportlich verhalten habe. Die Stewards sahen das, wie aus einer fünfeinhalb Stunden nach Rennende verlauteten Erklärung hervorgeht, nicht so.
Es war der zweite Red-Bull-Protest gegen Russell in den jüngsten fünf Rennen, auch jener im Mai in Miami war nicht von Erfolg gekrönt gewesen. Russell und Verstappen sind keine Freunde und in den Rennen schon öfter aneinandergeraten.