„Mittlerweile ist es sehr mühsam“, sagt VSV-Geschäftsführer Martin Winkler. „Die Leute suchen immer weniger den direkten Kontakt.“ Vielmehr tauchen sie ab in die Anonymität von Social Media. „Die Hemmschwelle ist weg. Es ist klar, dass der Sport ein hochemotionales Thema ist. Aber die Leute haben teils null Respekt vor der Privatsphäre und der Arbeit anderer Menschen.“ Die Kommentare auf Facebook sind oft unter der Gürtellinie und hasserfüllt. „Großteils kommentieren die Leute nur Überschriften, weil sie die Artikel gar nicht lesen.“ Was Winkler besonders ärgert: „Die schlimmsten Kommentare, die wir in der abgelaufenen Saison erhalten haben, stammen großteils von Fake-Profilen. Diese Menschen verstecken sich hinter anonymen Identitäten und haben nicht den Mumm, uns ihre Meinung direkt mitzuteilen.“
Winkler erzählt vom Dezember 2025, „als es eine regelrechte Kampagne gegen Herbert Hohenberger und mich gegeben hat, weil wir aus disziplinären Gründen einen Headcoach entlassen hatten. Vertraglich einigte man sich zum Schutz des Coaches auf Stillschweigen, was durch Postings von Halbwissen und Lügen auf Social-Media plötzlich in eine komplett andere Richtung ging. „Wir sind, beziehungsweise waren jederzeit zu persönlichen Gesprächen bereit, sind nach den Spielen auch immer greifbar. Wäre es nach den Kommentaren auf Facebook gegangen, hätten wir am besten auswandern sollen“, sagt Winkler lachend. „Das direkte Gespräch haben damals genau fünf Leute mit uns gesucht. Fünf!“
Natürlich belasten solche Situationen. „Nicht unbedingt einen selbst“, sagt Winkler. „Belastend sind solche Postings und Kommentare aber vor allem für unser Umfeld, die Partner, die Familie, die Kinder. Ich frage mich, ob den Leuten bewusst ist, was sie damit anrichten.“
„Die kriegen ja dafür gezahlt“
Ein gern gebrachtes Argument: „Die kriegen ja dafür gezahlt, die müssen das aushalten.“ Ist es wirklich so? „Natürlich verdienen wir Geld mit unserem Beruf“, erklärt Winkler. „Aber deshalb nehme ich mir nicht das Recht heraus, auf Social Media andere Leute zu diffamieren, die auch für ihre Arbeit Geld beziehen. Wir wissen, dass wir in der Öffentlichkeit stehen. Natürlich machen wir Fehler, so wie jeder. Unsere Fehler werden aber auf eine viel größere Waagschale gelegt.“
Der VSV erhielt viele Mails. „Leute schreiben uns ihre Anliegen. Natürlich kann jeder Kritik äußern, das ist gut so. Wir nehmen uns dieser an. Sogar, wenn sie unter der Gürtellinie gegen den Verein gerichtet ist“, sagt Winkler. „Wenn es aber gerade auf Facebook zu persönlichen Diffamierungen einzelner Personen kommt, ist für uns Schluss. Das tolerieren wir nicht. Diese Leute werden von uns blockiert.“
Winkler betitelt die Social-Media-Welt mit „himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt“ und verweist ergänzend auf die Rotjacken. „Der KAC hat eine unglaubliche Saison gespielt. Nun, nach dem Ausscheiden, liest du dir die Kommentare durch und glaubst, die sind abgestiegen. Wir sollten endlich weg von Diffamierungen und hin zu Konstruktivem kommen.“