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ReportageEine kleine Gemeinde im Rampenlicht

Der Andrang und das mediale Interesse bei der Ruder-WM in Ottensheim sind enorm. Die millionenschwere Investition rechnet sich aber bereits jetzt.

© (c) GEPA pictures/ Andreas Pranter
 

Ottensheim liegt circa 20 Autominuten westlich von Linz an der Donau. In Österreich, erst recht in Europa, ist bzw. war die 5000-Seelen-Gemeinde ein mehr oder weniger unbeschriebenes Blatt. Als der Weltverband FISA 2015 die heurige Ruder-WM nach Oberösterreich vergab, war das Aufsehen groß. Zumal man sich in der Stichwahl gegen die Metropole Hamburg klar durchsetzen konnte.
Seitdem flossen nicht weniger als 8,8 Millionen Euro in den Ausbau des Areals und die Organisation der WM. Das Regattagebäude wurde adaptiert, ein Bootshaus mit fünf Hallen errichtet und die Regattastrecke, die ein Altarm der Donau ist, um 13.000 Quadratmeter erweitert. Eine hohe Investition, die sich aber auch rechnet. „Alleine die Nächtigungen der Athleten und Betreuer sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Bis zu 50.000 Zuschauer werden am Ende den Austragungsort besucht haben. Hochgerechnet ist das eine direkte Wertschöpfung von über 15 Millionen Euro“, rechnet Andreas Winkelhofer, Geschäftsführer des OÖ-Tourismus, vor.

Zum ersten Mal seit Wien 1991 findet eine Ruderweltmeisterschaft in Österreich statt, an der alle Bootsklassen teilnehmen. Aufgrund der Tatsache, dass in Ottensheim die so bedeutenden Quotenplätze für die Olympischen Spiele in Tokio vergeben werden, ist die Dimension der WM enorm. In Summe sind 2000 Athleten aus über 80 Nationen am Start. An die 200 Millionen Menschen verfolgen die Veranstaltung im TV, was natürlich auch den Werbewert der Region in die Höhe schnellen lässt.

Fakten zur Ruder-WM

Strecke: Linz-Ottensheim (OÖ)
Baukosten: fast 9 Mio. Euro
Teilnehmer: 2000 Athleten aus 80 Nationen, davon 28 österreichische Ruderer
Boote: 521
Zuschauer vor Ort: ca. 50.000
TV-Zuseher: ca. 200 Millionen
Medien: 400 Vertreter und 26 TV-Stationen
Volunteers: ca. 400
Wertschöpfung in der Region: 15 bis 20 Mio. Euro

Aus sportlicher Sicht blieb Österreich ausgerechnet bei seiner Heim-WM hinter den Erwartungen zurück. Der hochgesteckte Wunsch von ÖRV-Präsident Horst Nussbaumer, drei Plätze für Tokio 2020 zu holen, konnte nicht realisiert werden. Auch weil Medaillenfavoritin Magdalena Lobnig bereits im Halbfinale scheiterte. Die Völkermarkterin ist aber immerhin noch die einzige österreichische Athletin, die heute ein Olympiaticket für Tokio 2020 lösen kann. Im B-Finale reicht ihr ein Platz unter den Top drei. „Ich bin in diesem Rennen die Favoritin, dennoch weiß ich aus Erfahrung, dass alles passieren kann. Wichtig wird sein, ruhiger zu fahren als im Halbfinale und von Anfang an meinen Schlagrhythmus zu finden“, weiß die 29-Jährige.

Die Gesamtweltcupsiegerin von 2017 ist jetzt schon mit Abstand die erfolgreichste österreichische Ruderin und unterstreicht einmal mehr die jahrzehntelange Vormachtstellung der Kärntner Ruderer in Österreich. Bereits 1990 wurden Arnold Jonke und Christoph Zerbst Weltmeister im Doppelzweier und holten zwei Jahre später sensationell Silber bei den Spielen in Barcelona. Der Villacher Martin Kobau nahm im Leichtgewichts-Vierer an zwei Olympiaden teil und wurde 2001 Weltmeister. Jeweils Silber konnte Michaela Taupe-Traer bei zwei Europa- und einer Weltmeisterschaft holen.

Auch Horst Nussbaumer ist voll des Lobes ob der stetigen Entwicklung des Rudersports in Österreichs südlichstem Bundesland: „In Kärnten hat Rudern eine große Tradition. Die Vereine schaffen es immer wieder, die Jugend für unseren Sport zu begeistern. Es wird toll gearbeitet. Davon können sich andere Bundesländer gerne eine Scheibe abschneiden.“
Ganz vorbei ist der Traum von drei Olympiaplätzen übrigens noch nicht. Im Frühjahr finden noch sogenannte „Restquotenregatten“ statt. Die letzte Chance, sich doch noch für Tokio zu qualifizieren. Das könnte das  doch schwache Abschneiden bei der WM auch gleich wieder vergessen machen.

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