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FrauenfußballTieber: "Mädchen sollen lange mit Buben trainieren"

Elisabeth Tieber wird die neue Referentin für Frauenfußball im Steirischen Fußballverband. Sie spricht über ihre Ideen, Ziele und Unterschiede zwischen Frauen- und Männerfußball.

Elisabeth Tieber wird Referentin für Frauenfußball
Elisabeth Tieber wird Referentin für Frauenfußball © Clemens Ticar
 

Sie werden ab 2. Februar Ihr Amt als Referentin für Frauenfußball im Steirischen Fußballverband antreten. Was wird Ihre Aufgabe sein?
Elisabeth Tieber: Konkret wird es darum gehen, den Mädchen- und Frauenfußball in der Steiermark im Blick zu haben und entsprechend zu fördern – in der Breite und der Spitze.

Was sind da Maßnahmen, die Sie im Kopf haben?
Ich würde gerne zu allen Vereinen fahren, in denen es Mädchen oder Frauen gibt, um klarzustellen, dass es im Landesverband eine neue Ansprechpartnerin gibt. Gemeinsam mit den Vereinen wird dann ausgearbeitet, wie man noch mehr Mädchen zum Fußball bringen kann. Ich werde dafür auch Kontakt zu Schulen halten, denn ohne Schulen geht es nicht. Ein Punkt wird auch sein, dass wir im Sommer explizit Trainerinnen ausbilden.

Werden Sie selbst auch auf dem Trainingsplatz stehen? Viele Mädchen werden noch nie mit einer Nationalteamspielerin trainiert haben.
Wenn es die Zeit erlaubt, würde ich gerne bei Trainings vorbeischauen, vor allem möchte ich aber auch bei Spielen dabei sein. Ich werde aber nicht nur auf dem Fußballplatz stehen. Ich möchte auch selbst die Trainerinnenausbildung machen. Wenn es sich heuer nicht ausgeht, dann nächstes Jahr.

Aber nicht in Ihrer Funktion als Referentin für Frauenfußball.
Genau. In dieser Funktion möchte ich mehr Mädchen und Frauen zum Fußball bringen und jene, die bereits dabei sind, halten. Es ist nämlich wichtig, große Talente zu fördern, aber auch Mädchen, die nie im Nationalteam spielen werden, zu halten. Ich halte es für essenziell, dass Mädchen so lange wie möglich mit Burschen trainieren.

Das müssen Sie bitte erklären.
Es ist so, dass Burschen im Zweikampf anders hingehen als Mädchen. Da kann man sich viel abschauen. Außerdem ist es schwer vorstellbar, 15 talentierte Mädchen in einem Ort zu haben. Zwei talentierte Mädchen und 13 gute Burschen, das ist aber vorstellbar. In einer besseren Mannschaft lernt man mehr.

Sturm Graz und der Landesverband planen gemeinsam eine Akademie für Mädchen. Ein Konzept ist bereits eingereicht. Was darf man sich davon erwarten?
Wir wollen sehr gute Spielerinnen herausbringen, die dann später im Nationalteam spielen.

In den Nachwuchsnationalteams spielen viele Spielerinnen von Sturm Graz.
Stimmt. Sturm macht das gut. Sie holen sich die größten Talente, setzen sie in der zweiten Mannschaft ein und später dann in der Bundesliga.

Und dann wechseln die Frauen nach Deutschland.
Zurzeit ist das noch so. Der Fußball in Österreich ist weit hinter jenem in Deutschland.

Wo müsste man ansetzen?
Ein großer Aspekt ist Geld.

Wenn Vereine Geld hätten, was wäre zu tun?
Die Vereine müssten früher ansetzen, nicht erst in der Kampfmannschaft. Schon früh müssten gute Trainer eingesetzt werden. Dafür ist in Österreich die Popularität aber zu gering.

Sie haben einmal gesagt, dass man Frauen- und Männerfußball nicht vergleichen kann.
Ein Mann wird immer schneller sein, immer mehr Gewicht heben können. Ein Profi-Männerspiel wird immer besser sein als ein Profi-Frauenspiel.

Sollte man das potenziellen Zuschauern von Anfang an klarmachen?
Vielleicht, ja. Andererseits erkennen Zuschauer ohne viel Berührung zu Männerfußball den Unterschied gar nicht. Ich kann das nicht konkret beantworten.

Männliche Trainer von Frauenmannschaften haben mir einmal gesagt, dass es schwerer wäre, Frauen zu trainieren. Können Sie sich das vorstellen?
Auf jeden Fall. Wenn bei Männern Konflikte auftreten, dann fliegen einmal die Fetzn, danach wird ein Bier getrunken und die Sache ist erledigt. Bei Frauen können Konflikte über Monate eine Rolle spielen. Frauen und Männer zu trainieren, ist etwas ganz Unterschiedliches, da würde ich zustimmen.

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