Vor einem halben Jahr kämpfte sich Youba Diarra noch durch den Großstadtdschungel von New York, jetzt genießt er die ländliche Ruhe in der oststeirischen "Metropole" Hartberg. Von mehr als acht Millionen Mitbürgern in kürzester Zeit zu knapp 7000. Versuchte der 23-Jährige sich in der Millionenstadt mit dem Auto zum Trainingsgelände vorzukämpfen, genießt er nun ausgerechnet Ruhe und Schlaf. "Ich freue mich darüber, dass ich wieder in Hartberg bin. Mein Apartment ist nicht weit weg vom Gelände, ich bin in zehn Minuten zu Fuß hier, das ist perfekt", erklärt der Mittelfeldmotor der Hartberger.
Mit der Leihe Diarras haben die Steirer einen wahren Goldgriff gelandet. Er ist vertraut mit den Gegebenheiten vor Ort, hat die berühmte "Salzburg-Schule" durchlaufen und bekam auf der Position des Sechsers sofort Stammplatzgarantie. "Hartberg ist eine Art Familie für mich. Ich kenne noch viele Spieler von meiner Zeit vor vier Jahren. Das hat es leichter für mich gemacht." Von Sekunde eins an fühlte er sich pudelwohl in der Oststeiermark, das bewies er auch mit einer eindrucksvollen Leistung im Cup-Viertelfinale gegen Rapid. "Das war ein spezielles Spiel für mich und das erste seit zwei Jahren über 90 Minuten." Auch Trainer Kurt Russ und Obmann Erich Korherr haben nur Extralob für ihren Neuzugang übrig. "Menschlich wie spielerisch ist er ein absoluter Vorzeigeprofi", sind sich beide einig.
Denn in der jüngeren Vergangenheit hatte der Mann aus Mali gleich mit mehreren Verletzungen zu kämpfen. Zweimal Kreuzband, einmal Muskelfaserriss. Seit seinem Abgang aus Hartberg im Winter 2018 spielte Diarra bei Liefering, St. Pauli und den New York Red Bulls gerade einmal 632 Minuten. "Es war eine harte Zeit für mich, vor allem im Kopf. Du siehst andere Spieler, die im Stadion abliefern und musst dabei zusehen. Das ist nicht einfach." Darüber hinaus kamen auch sprachliche Schwierigkeiten dazu. Mittlerweile spricht der 23-Jährige nach einem Sprachkurs in Salzburg sehr gut Deutsch, "Englisch kann ich aber nicht. Das war in New York sehr schwierig für mich."
In den turbulenten Zeiten gab ihm vor allem seine Familie Halt. Diarra ist verheiratet mit seiner Frau Leila Ossena Nguefack. Seit wenigen Monaten ist er außerdem Vater eines kleinen Sohnes. Adoulaye Yahyah heißt der große Stolz der kleinen Familie. Gemeinsam wohnt das Trio im Hartberger Stadtzentrum. "In unserer Freizeit gehen wir oft spazieren oder sind zusammen in der Wohnung, sitzen vor dem Fernseher und genießen einfach unser Familienleben. Das ist wirklich sehr schön."