Fast auf den Tag genau zwei Jahre sind es mittlerweile, die der SK Sturm auf einen Sieg gegen den WAC wartet. Heute (17 Uhr, Sky live) wagen die Steirer im Lavanttal den nächsten Versuch, nach fünf sieglosen Partien in Folge gegen die Kärntner endlich wieder zu gewinnen. Ob Spielmacher Otar Kiteishvili aktiv mitwirken kann, bleibt offen. „Das werden wir sehen. Ich habe schon einige Sachen im Training mitmachen können, ob es schon für das Spiel gegen den WAC reicht, weiß ich aber noch nicht“, sagt der Georgier, der bereits seit 2018 bei Sturm ist. Statistisch gesehen ist der in den beiden vergangenen Jahren jeweils zum besten Spieler der Bundesliga gekürte Offensivakteur selbst auf bestem Wege, seine beste Saison im Trikot der Schwarz-Weißen zu spielen. Mit bewerbsübergreifend zwölf Toren und vier Assists hält er bei 16 Scorerpunkten. In der Doublesaison waren es elf Tore und neun Vorlagen, im Vorjahr 13 Tore und fünf Assists. „Abgesehen von den Verletzungen fühle ich mich auch gut. Ich bin motiviert und möchte spielen“, sagt Kiteishvili. „Und wenn ich auf dem Platz stehe, möchte ich Tore schießen und etwas bewirken.“

In den vergangenen Wochen und Monaten scheute sich „König Otar“, wie er oft genannt wird, nicht, Probleme in dieser Saison, die einer Achterbahnfahrt gleicht, anzusprechen. „Aber mittlerweile fühle ich eine andere Energie. Wie wir trainieren, mit welcher Einstellung wir jeden Tag auf den Platz gehen. Das hat sich in den letzten Wochen schon verbessert.“ Wenngleich Kiteishvili weiß, „dass die Spiele nicht immer schön anzusehen sind. Wir sind natürlich leistungstechnisch noch nicht da, wo wir sein wollen. Aber wichtig sind jetzt einmal Ergebnisse, Punkte. Und wir wollen uns auch leistungstechnisch jeden Tag verbessern.“

Im vergangenen Heimspiel gegen Blau-Weiß Linz musste „Kite“ verletzungsbedingt zuschauen, sah dabei den spektakulären Lattentreffer seines georgischen Landsmannes Gizo Mamageishvili. „Ich hatte von der Tribüne perfekte Sicht. Ich war überrascht, dass er in dieser Situation so in den Ball gesprungen ist“, staunte Kiteishvili. „Er hat sich schnell eingelebt und man sieht im Training ja auch seine Fähigkeiten.“ Als kleinen Bruder sieht er Mamageishvili aber nicht. „Nein. Das würde mich ja nur alt machen“, sagt der bald 30-Jährige, der nach Stefan Hierländer jener Spieler ist, der am längsten beim Verein ist.

Bauchgefühl entschied für Graz-Verbleib

Acht Jahre beim selben Verein zu sein, noch dazu, wenn man wie Kiteishvili in der Vergangenheit zum besten Spieler der Liga avanciert, ist eine Seltenheit. „Damit habe ich damals, als ich 2018 gekommen bin, auch nicht gerechnet. Aber manchmal muss man einfach auf sein Gefühl hören. Ich wollte mit Sturm Titel gewinnen, das haben wir gemacht. Aber ich will auch weiterhin hier Titel gewinnen.“ Ansage im Meisterkampf? „Nein, ich bin nicht derjenige, der solche Ansagen macht. Aber wir haben zuletzt zwei Meistertitel in Folge gewonnen, die Tabelle spricht in dieser Saison ja auch für sich.“ Momentan liegt Sturm zwei Punkte hinter Spitzenreiter Salzburg. Zwei Runden sind vor Beginn der Meistergruppe noch zu absolvieren und das Spitzenduo ist seit Einführung der Ligareform jeweils in den Top Sechs dabei gewesen. Daher weiß auch Kiteishvili, wie die heiße Phase der Saison abläuft, speziell in der heurigen Saison: „Es wird von Anfang an wichtig sein, zu gewinnen. Es ist so eng, da kann man mit einem Sieg gleich zwei, drei Plätze nach oben springen, gleichzeitig mit einer Niederlage aber auch zwei, drei Plätze verlieren.“ Auch, wenn es der Wunsch wäre: „Es sind in der Meistergruppe nicht nur schöne Spiele, aber auch da musst du Punkte sammeln. Genau die können dann wichtig sein.“

Sobald Kiteishvili einsatzbereit ist – ob schon gegen den WAC oder erst im späteren Saisonverlauf – ist ihm sein Platz in der Startformation (fast) sicher. Zum Nachteil von Mamageishvili? „Diese Entscheidung muss der Trainer treffen. Aber ich bin sicher, Gizo und ich würden gut zusammenspielen. Je mehr Offensivspieler am Feld stehen, desto mehr Chancen kann man kreieren. Das ist es ja, was wir alle am Fußball lieben: Torchancen und Tore.“ Als Kritik am derzeitigen Spielsystem von Fabio Ingolitsch, das auf eine gefestigte Defensive ausgelegt ist, soll das nicht verstanden werden. Kiteishvili: „Nein, überhaupt nicht. Es ist immer das Wichtigste, keine Tore zu bekommen. Ich liebe es auch, wenn wir zu Null spielen. Auch wir Offensivspieler müssen verteidigen und in den entscheidenden Momenten dann nach vorne umschalten.“ Aus Sturm-Sicht sollte die Null idealerweise schon heute beim WAC wieder stehen und vorne – mit oder ohne Kiteishvili – getroffen werden. „Hoffentlich finden wir diesmal Wege, die Zeit der sieglosen Spiele gegen den WAC zu beenden“, sagt der Regisseur der Grazer.