Kläglich gescheitert gegen den Außenseiter aus Norwegen: Inter Mailand ist am Dienstag nur ein Dreivierteljahr nach dem Einzug ins Endspiel in den Play-offs zum Achtelfinale der Fußball-Königsklasse sensationell an Bodö/Glimt zerschellt. „Die Champions League endet mit einer Blamage“, titelte die italienische Sportzeitung Gazzetta dello Sport. „Sie waren besser als wir“, gab Italiens Teamspieler Nicolo Barella zu.

Mit 1:2 im heimischen Giuseppe-Meazza-Stadion und 1:3 in Norwegen war das Aus für Inter sogar ziemlich deutlich. 64 Prozent Ballbesitz und 32:7 Schüsse zugunsten der Hausherren blieben im Rückspiel ein leerer statistischer Wert, die Gäste – mit neun Norwegern in der Startelf – lauerten eiskalt auf ihre Möglichkeiten. „Bodö ist eine Klapperschlange, die sich ducken und dann blitzschnell zuschlagen kann“, resümierte die Gazzetta. Der Spielplan von Inter, das die Serie A mit zehn Punkten Vorsprung auf den ersten Verfolger AC Milan komfortabel anführt, hingegen sei „vorhersehbar“.

Serie A droht Desaster

Die CL-Blamage könnte für den italienischen Fußball weitere herbe Rückschläge bringen. Neben Inter stehen auch Atalanta Bergamo (0:2 bei Borussia Dortmund) und Juventus Turin (2:5 bei Galatasaray) in den Play-offs vor dem Aus. Meister SSC Napoli konnte sich erst gar nicht für die K.o.-Runde qualifizieren. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, dass keine Mannschaft aus der stolzen Serie A im Achtelfinale der Königsklasse stehen wird – es wäre eine Premiere.

Auch in der WM-Qualifikation war Norwegen mit zwei klaren Erfolgen dem Weltmeister von 2006 überlegen. Die Squadra Azzurra muss in die Play-offs, während Erling Haaland und Co. ihren Startplatz sicher haben. „Mamma mia! Jetzt haben Italiener Albträume von Norwegen“, jubelte die norwegische Zeitung „Aftenposten“ nach dem nächsten Coup.

„Unglaublich“: Mancity und Lissabon winken

Ganz anders dagegen die Situation bei Bodö/Glimt. Als die Truppe aus dem Norden Norwegens Ende August des vergangenen Jahres in den CL-Play-offs Sturm Graz nach einem 5:0-Heimsieg bzw. einer 1:2-Niederlage in Klagenfurt ausgeschaltet hatte, dachten selbst die größten Optimisten wohl nicht ans Achtelfinale. Nun darf man sich auf Manchester City oder Sporting Lissabon in der Runde der besten 16 freuen. Die Auslosung findet am Freitag (12.00 Uhr) in Nyon (Schweiz) statt.

„Es klingt unglaublich, aber wir sind dabei“, jubelte Torschütze Jens Petter Hauge. „Es ist fantastisch, was wir erreicht haben. Es ist wirklich großartig.“ Der Offensivspieler lief in der Saison 2020/21 ausgerechnet für Inters Lokalrivalen Milan auf. Danach folgte der Sprung zu Eintracht Frankfurt, ehe er im Jänner 2025 nach mehreren Leihgeschäften zu Bodö/Glimt wechselte. Noch ist man aber nicht fertig. „Wir verschieben die Party, mal schauen, wie lange es dauert, aber irgendwann wird es eine Party geben“, sagte Verteidiger Fredrik Björkan nüchtern.

Starke Bilanz gegen Top-Teams

Völlig aus dem Nichts kommt der sensationelle Lauf der Norweger allerdings nicht. Seit dem 25. November vergangenen Jahres hat Bodö/Glimt in der Champions League nicht nur kein Spiel mehr verloren. Der Club aus dem gerade gut 50.000 Einwohner zählenden Bodö - weniger als Fans in die Stadien der meisten internationalen Gegner passen - gewann vier der vergangenen fünf Partien. Nach dem 2:2 in der Gruppenphase gegen Borussia Dortmund folgten ein 3:1 daheim gegen Manchester City, ein 2:1 bei Atletico Madrid, das 3:1 im Play-off-Hinspiel gegen Inter und in Mailand nun das 2:1.