Italien hat eine 28-jährige Wartezeit bis zum Einzug in ein Frauen-EM-Halbfinale überstanden. „Das wurde mit Mühe und vielen Opfern erreicht“, sagte Giada Greggi nach dem dramatischen 2:1 gegen Norwegen. „Heute haben wir gezeigt, dass wir sehr gut sein können.“ Cristiana Girelli erlöste mit ihrem Kopfball-Treffer in der 90. Minute die Fußballnation.„Das ist nicht nur ein Sieg für uns, er gehört wirklich allen, dem gesamten italienischen Frauenfußball“, betonte die 35-Jährige.
„Wir hatten schwierige Jahre, wir haben gelitten, aber heute unter den besten Vier zu sein, ist eine große Befriedigung“, sagte Girelli am Donnerstagabend. Die Stürmerin von Juventus Turin, die für ihre Kopfballstärke bekannt sein müsste, war vor ihrem zweiten Tor von den Norwegerinnen sträflich alleine gelassen worden. Zuvor hatte Girelli Italien in der 50. Minute mit 1:0 in Führung gebracht. „Es sind diese Momente, die das Spiel entscheiden, und so war es heute leider auch“, sagte Norwegens Stürmerin Elisabeth Terland. „Ich denke, dass wir unsere großen Momente nicht genutzt haben, obwohl wir das Momentum genau so hatten.“
Girelli ist italienische Ikone
Ihr 61. Länderspieltor sei zugleich ihr wichtigstes gewesen, erklärte Girelli. Mit mehr als 100 Länderspielen ist die Kapitänin längst eine Ikone in ihrem Heimatland, macht auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam und fordert bessere Bedingungen für Fußballerinnen. Im November 2023 wurde Girelli in die italienische Hall of Fame des Fußballs aufgenommen.
„Das ist etwas, das mich und uns sehr stolz macht“, sagte Trainer Andrea Soncin der RAI. „Die Mädchen verdienen viel Anerkennung, weil sie etwas Außergewöhnliches geleistet haben. Es ist schön zu sehen, dass wir in die Geschichte eingegangen sind, jetzt sollten wir es in vollen Zügen genießen.“ Nach dem Schlusspfiff lief der 46-Jährige Hand in Hand mit den Spielerinnen zu den lautstarken italienischen Fans im Stade de Geneve. „Heute war es wirklich elektrisierend, von der Hymne bis zu den Feierlichkeiten, mit all den Menschen. Etwas Einzigartiges“, fügte er hinzu.
Trainer Soncin fand Draht zu Spielerinnen
„Er ist menschlich extrem wichtig, das haben wir seit den ersten Tagen seiner Ankunft wahrgenommen“, sprach Girelli über Soncin, der im September 2023 sein Amt angetreten hatte. „Ein einziger Blick reicht aus, um zu verstehen, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Von ihm geht immer eine positive Energie aus, und das stärkt unser Selbstvertrauen“.
2017 und 2022 waren die Italienerinnen bereits in der EM-Gruppenphase gescheitert. Nun heißt der Semifinalgegner entweder England oder Schweden. Als Italien zuletzt unter den Top vier Europas stand, erreichte die Elf auch ihr bis heute einziges EM-Endspiel: Nach einem 2:1 gegen Spanien hieß es im Endspiel von Oslo im Jahr 1997 dann aber 2:0 für Deutschland.