Sich einer Wahl zu stellen, bedeutet für den Betroffenen immer ein wenig Nervenkitzel. Wenngleich amtierende Amtsinhaber einen Startvorteil genießen. Um seine Wiederwahl muss sich ÖEHV-Präsident Klaus Hartmann nicht sorgen, auch aus banalem Grund: Es gibt keinen Gegenkandidaten. Und somit scheint es, dass es bei der Generalversammlung des Österreichischen Eishockey-Verbandes (ÖEHV) keine große Spannung aufkommt.
Doch ganz so reibungslos und friktionsfrei dürfte es doch nicht ablaufen. Hinter den Kulissen herrscht Aufregung. Spätestens nach einer Aussendung des Verbandes an die heimischen Klubs, wonach der ÖEHV kurzerhand alle Sommer-Teamcamps der Burschen abgesagt hat – in den Altersklassen U14, U15, U16, U18 sowie U20. „Aufgrund von budgetären Herausforderungen“, wie es im Schreiben lautet, das der Kleinen Zeitung vorliegt. In einer Aussendung heißt es: „Hinzu kommt, dass Auszahlungen von Förderungen und Prämien, wie bspw. jene der IIHF für den 10. Platz bei der WM 2024, zum Teil erst in einigen Monaten erfolgen.“
Aufgelöste Stiftung
Das sorgt bei einigen Landesverbänden für Verwunderung. Wurde doch vor zwei Jahren die „ÖEHV-Stiftung“ aufgelöst, was dem Verband einen Millionenbetrag beschert haben soll. Von etwas weniger als 1,5 Millionen Euro ist die Rede. Die Stiftung war ursprünglich als eiserne Reserve gedacht, hätte Nachwuchsprojekten zugutekommen sollen. Jetzt, nachdem dieses Geld „kein Mascherl“ mehr hat, wird befürchtet, dass der Verband versucht, damit finanzielle Engpässe in anderen Bereichen auszugleichen. Offen ist, ob noch bzw. wie viel des Geldes aus der Stiftung noch übrig ist.
Zudem wurden die Nachwuchscamps nie zu 100 Prozent vom Verband übernommen. „Wir haben einen Unkostenbeitrag geleistet, was ja in Ordnung ist“, erzählt ein Elternteil. „Aber wenn man in fünf Altersgruppen zu je 30 Spielern pro Teilnehmer 300 bis 400 Euro einkassiert, kommt man auf eine stolze Summe. Da muss es dem ÖEHV finanziell ziemlich schlecht gehen“, wird in Eishockey-Kreisen spekuliert. Für Unmut sorgt die Tatsache, dass offensichtlich nur beim Nachwuchs der Sparstift angesetzt wurde.
Frauen-Förderung vergessen
Dazu spielt es dem Präsidium um Hartmann nicht unbedingt in die Karten, dass es verabsäumt worden sein soll, um die Bundesförderung für Frauensport (“Dreamteams-Förderung“) anzusuchen. Insider sprechen von einem sechsstelligen Betrag. Allerdings hat der ÖEHV den Förderbetrag fürs Frauen-Eishockey bereits vorgestreckt, würde damit auf den Kosten sitzen bleiben. Auf Anfrage wollte der ÖEHV zu dieser Causa keine Stellungnahme abgeben. Fakt ist: Dies würde den unerwarteten finanziellen Engpass, dem der ÖEHV ausgesetzt ist, wohl erklären. Einige befürchten, dass mit Anhebung der Lizenzierungsgebühren das entstandene Loch gestopft wird.
Ein Nadelöhr konnte jedoch bereits im Vorfeld entschärft werden. Für das Eishockey-Datensystem, das laut Kooperationsvertrag auch den Betrieb der ICE Hockey League sichert, wird zukünftig der Schweizer Anbieter RED+ beauftragt (anstelle der Firma „Data-in-Motion“). Die Software muss Statistik, Verwaltung, Lizenzierung, Nationalteam-Einberufung, Transfers und Finanzen abbilden.