Zwei neue ImportsDas KAC-System verfügt über Optionen mit Ausblick

Nach Stürmer Matt Fraser hat sich der KAC nun Verteidiger Paul Postma geangelt. Zwei Imports, die aber das Rotjacken-Konstrukt, das auf heimische Stammkräfte abzielt, nicht erschüttern kann. Was die beiden Transfers des KAC bedeuten, und was nicht - eine Analyse.

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ICE HOCKEY - NHL, Wild vs Jets
Neo-KAC-Stürmer Paul Postma im Zweikampf mit Thomas Vanek © (c) GEPA pictures/ USA Today
 

Es benötigt mehrere Jahre, um etwas zu entwickeln, um etwas aufzubauen. Glaubwürdig ist man nicht von einem Tag auf den anderen. So erschüttert es auch nicht, wenn der KAC binnen 48 Stunden zweimal den Transfermarkt bemüht. Matt Fraser (Unterschrift erfolgte bereits vor gut zwei Wochen) und eben Paul Postma ergänzen ab sofort den Kader der Rotjacken. Die beiden Kanadier stammen aus Red Deer bei Edmonton, einer 100.000-Einwohner-Stadt der Provinz Alberta, wo übrigens die Österreicher unter normalen Umständen bei der U20-WM angetreten wären. Nun wird diese als Bubble in Edmonton ausgetragen.

Postma, ein 31-jähriger, rechtsschießender Verteidiger, kann eine vielversprechende Vita vorweisen. NHL, AHL, KHL und zuletzt bei Lugano in der Schweiz lauten seine Stationen, wo er maßgeblich und prägend in das Spiel des gepflegten Pucksports eingegriffen hatte. "Wir waren uns zeitweise unschlüssig, wen wir holen. Einen harten Abräumer oder einen Spielmacher? Postma ist ein bisschen alles von allem. In den gesichteten Videos hat er viel Powerplay gespielt", erzählt KAC-Geschäftsführer Oliver Pilloni. Ob Rechtsschütze ein Kriterium gewesen ist? "Ehrlich gesagt nein. Für Trainer Petri Matikainen war dies nicht der entscheidende Aspekt." Sondern, dass Postma viel Qualität, aber keine Unruhe in die Kabine bringt.

Während Postma als dringend benötigte Verstärkung bezeichnet wird, tituliert Pilloni seinen neuen Stürmer Fraser mehr als glücklichen Zufall. Der Stürmer mit Torjäger-Fähigkeiten stand bei einigen DEL-Klubs hoch im Kurs. Allerdings hätte sich Fraser noch gedulden müssen. Der KAC jedoch schnappte schnell zu und hofft auch eine entsprechende Entwicklung (körperlich wie spielerisch) bis 2022.

Hohe Belastung

Der Kader des KAC weist demnach sieben Imports auf. Um mittlerweile drei mehr, als Pillonis Ausgangsposition im Sommer (drei plus ein Torhüter). Von einem Schwenk in der hausinternen Personalpolitik, sich eventuell wieder stärker den Imports zuzuwenden, kann jedoch keine Rede sein. Bei den bisherigen Begegnungen pendelte sich die Anzahl der Kaderpunkte auf durchschnittliche 39,8 von erlaubten 60 ein. Matikainen kann nichts vorgeworfen werden. Trotz Auf und Abs schenkt er jungen Spielern das Vertrauen. Doch die außerordentlich hohe Belastung für Junge könnte sich aufgrund des dichten Spielplans in den nächsten Wochen zum Problem entwickeln.

Fakt ist ohnehin, dass das Bekenntnis zu heimischen Spielern nicht nur in der Kampfmannschaft erfolgt. Sie spiegelt es nur besser wider. Der KAC investiert nicht nur in Imports, sondern speziell in den eigenen Nachwuchs, wo das Fundament gelegt wird. Heuer hat Corona zwar alles gebremst. Doch das Engagement von Markus Peintner lässt erahnen, welche Ziele in den nächsten Jahren verfolgt werden (siehe Thimo Nickl, Marco Kasper & Co.). Der Nachwuchs-Trainerstab befindet sich auf einer Linie - die Basis, um in der Ausbildung neue Ideen umzusetzen.

Und bei David Fischer (wurde zuletzt von Frederik Eriksson vertreten) scheint sich der Genesungsprozess weiterhin zu verzögern. Seine mindestens 25-Minuten-Eiszeit auf die anderen Schultern zusätzlich zu verteilen, wirkt manchmal als zu schwere Last. Mit Clemens Unterweger droht ein Powerplay-Verteidiger länger auszufallen. Maier wurde von Corona und Verletzungen gebremst, muss einen dreiwöchigen Trainingsrückstand aufholen. Insofern sollte Postma in diesem Punkt weiterhelfen können.

Sicherheit und Erfahrung

Die Transferaktivitäten der Klagenfurter wirken derzeit deutlich gelassener, nie überhastet. Und möglicherweise sogar weitsichtiger. Egal, ob bei Rok Ticar, Blaz Gregorc, Eriksson galt immer lediglich als temporäre Lösung, Matt Fraser und vielleicht auch Postma - es wurde Wert darauf gelegt, über solide Optionen für die Zukunft zu verfügen. Hat der KAC seine Transfer-Philosophie über den Haufen geworfen? Keineswegs. Der rot-weiß-rote Anteil ist nirgends in der Liga größer. Wird der Kader jedoch zunehmend ausgedünnt, sinkt die Qualität, Junge werden verheizt und die Entwicklung gerät ins Stocken. Trumpf bleibt beim KAC weiterhin ein heimischer Kaderstamm, Talente erhalten ohnehin genügend Eiszeit. Sicherheit und Erfahrung lautet das Erfolgsgeheimnis.

Ohne außergewöhnliche oder aufsehenerregende Vorstellungen wurden zehn Punkte in den letzten fünf Spielen gesammelt. Dank zuverlässiger Torhütern und taktischer Disziplin. Doch beim KAC vielleicht das Wichtigste, um erfolgreich zu sein: Keine Aufreger, keine Nebengeräusche, und schon gar keine Intrigen. All das passiert eben nicht von einem Tag auf den anderen.

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