Ein Saisonauftakt nimmt in vielen Sportarten eine Sonderstellung ein. Der Medienrummel ist größer, das Event wird auf eine spezielle Art zelebriert, diverse Prominente finden sich auf den Rängen ein oder Musik- und Tanzshows garnieren das Sportliche. All dies mag auf die erste Station der österreichischen Rallye-Meisterschaft nur bedingt zutreffen, doch dafür glänzt die Jännerrallye im Mühlviertel mit einer Besonderheit. Aufgrund der winterlichen äußeren Bedingungen, wird die meiste Zeit auf Schnee und Eis gefahren, was die 19 Sonderprüfungen über fast 180 Kilometer zur besonderen Herausforderung macht. Mittendrin im Schneetreiben der Motoren ist auch wieder ein Kärntner. Jürgen Rausch kämpft als Beifahrer an der Seite von Michael Lengauer um dessen zweite Titelverteidigung in Folge und will dabei in die Fußstapfen seines Vorgängers Erik Fürst treten, der dem Oberösterreicher zu seinen letzten beiden Erfolgen im Freistädter Winter verholfen hatte. „Wir werden es auf jeden Fall wieder versuchen“, schmunzelt Rausch. „Aber es wird heuer noch schwieriger, denn die Konkurrenz ist wahnsinnig stark. Mit Hermann Neubauer ist bei diesen Verhältnissen immer zu rechnen und Simon Wagner ist sowieso in der Form seines Lebens.“ Der Wolfsberger übertreibt hier keineswegs. Wagner hat letztes Jahr die Gesamtwertung mit fünf Siegen bei sechs Stationen überlegen für sich entscheiden können.
Die Tücken des Winters
Lokalmatador Lengauer ist mit den Bedingungen bestens vertraut und weiß um die zusätzlichen Schwierigkeiten im Verhältnis zu den Sommerstationen. „Man muss die Bodenverhältnisse gut lesen. Durch die wechselnde Witterung kann sich der Untergrund fast stündlich ändern. Besonders tückisch kann es werden, wenn eine Eisschicht unter der Schneefahrbahn liegt, dann ist es nochmal rutschiger. Für manche Prüfungen müssen wir auch Spikereifen aufziehen“, erläutert der 32-Jährige Grünbacher, der im Leben abseits des Motorsports als Lokführer tätig ist. „Schlüssel zum Erfolg ist, den Grip in jeder Situation richtig einzuschätzen. Das ist mir in den letzten Jahren ganz gut gelungen.“ Trotz der winterlichen Witterung ist das Tempo nur unwesentlich niedriger als bei den Sommerevents. Lengauer zählt dabei weiterhin auf seinen Skoda Fabia RS Rally, mit welchem er im Vorjahr Vizestaatsmeister geworden ist.
Erste Teilnahme seit sechs Jahren
Für Rausch ist es die erste Teilnahme an der Jännerrallye seit 2020. Damals half der 48-Jährige noch Günther Knobloch durch die Prüfungen. Auch auf den Beifahrer kommen im Schnee wichtige Aufgaben zu. „Ich muss den Schrieb ergänzen, wo Eis und Schnee gekommen sind. Je genauer die Beschreibung, desto mehr ist dem Fahrer geholfen.“ Rausch freut sich auch auf die mediale Aufmerksamkeit, die dem Event im Mühlviertel zuteil wird. „Es werden fast alle Prüfungen entweder im Stream oder auf ORF Sport Plus übertragen. Das erhöht zwar den Druck, aber es freut mich, dass der Rallyesport stetig an Popularität gewinnt.