Der Aberglaube spielt im Eishockey eine übergeordnete Rolle. Selbst Superstars wie Sidney Crosby können sich dagegen nicht wehren. Und treibt damit Ausrüstungs-Giganten CCM, für den „Captain Canada“ als Rolemodel gilt, zur Verzweiflung. Der Kanadier will seine ausgefransten Ellbogen-Schützer, Brustpanzer oder Beinschützer nicht erneuern. Das gilt auch für seinen Halsschutz, den er bereits im Nachwuchs getragen hat. Über eine Geruchsbelästigung sehen seine Kollegen natürlich hinweg.

Wenn man das auf rot-weiß-rote Verhältnisse ummünzt, so konnte zumindest ein Bann gebrochen werden: Dass WM-Niederlagen gegen Frankreich gleichzeitig Abstiegssorgen bereiten. Solche konnten zuletzt in Prag 2024 abgewendet werden. Eine Serie zieht sich jedoch durch: Seit 2004 blieb Team Austria bei einer Weltmeisterschaft gegen die „L‘Equipe tricolore“ sieglos (2013: 1:3, 2015: 0:2, 2018: 2:5, 2023: 1:2).

WM-Spezial Folge 4: „Kanadischer Aberglaube und Absacker“

Die Ausgangslage sollte zuversichtlich stimmen. Beherzte Auftritte gegen Finnland und Schweden sowie der Sieg gegen die Slowakei haben das Selbstvertrauen der Österreicher gestärkt. Wenige Stunden nach Kanada wartet nun die erste „Schnitt-Partie“ und spiegelt damit den, sich unmittelbaren Kontrast während eines Turniers perfekt wider. „Die optimale Regeneration wird eine Herausforderung, um eine Top-Leistung abrufen zu können. Wir müssen uns gegen Frankreich das Härteste erwarten. Sie spielen seit Jahrzehnten bei WMs ähnlich. Diese Spiele entscheiden möglicherweise über ein Turnier, es wird sicher körperbetont“, weiß Kapitän Thomas Raffl. Bei den giftigen Franzosen stehen auf den ersten Blick vor allem der 40-jährige Veteran und Kapitän Pierre-Édouard Bellemare, Tim Bozon sowie mit NHL-Crack Alexandre Texier (meiste Eiszeit) die torgefährlichen Stürmer im Fokus.

Der neue Huet

Woran sich aber bereits Finnland oder die Slowakei beinahe ihre Zähne ausgebissen hatten, war Torhüter Antoine Keller (Fangquote: 93 Prozent). Der 20-Jährige wurde in der Schweiz bei Genf ausgebildet und 2023 von den Washington Capitals gedraftet. Bis dato im Liga-Alltag bei Lausanne noch nicht in Erscheinung getreten, könnte ausgerechnet diese WM als sein Sprungbrett dienen. Erinnerungen an Ex-Keeper und aktuellen Goalie-Coach Christobal Huet werden wach, der Österreich mit seinen Paraden zu oft schlaflose Nächte bereitet hatte.

Apropos Torhüter: Österreichs Nummer Eins Atte Tolvanen weilt nach wie vor in Helsinki. Der geplante Rückflug nach Stockholm am Mittwoch musste storniert werden, das Baby lässt sich Zeit. Seinen Platz füllt David Kickert perfekt aus, blieb in seinen bisherigen Auftritten fehlerlos. Clever aus österreichischer Sicht: Er (und auch Raffl) wurde gegen Kanada geschont, Florian Vorauer stand zwischen den Pfosten, um Kickert die nötige Konzentration für Frankreich zu überlassen. Diese wird auch nötig sein. Denn Aberglaube allein entscheidet noch keine Spiele.