Manchmal fühlt sich Gewinnen wie eine Wissenschaft an. Wenn es nicht läuft, wird über dieses debattiert, über jenes philosophiert. Und man verirrt sich in Statistiken, Taktiken und irgendwelchen Details. Petri Matikainen kennt beide Seiten – beim KAC überwiegt die Goldene: Zwei Meistertitel errang er mit den Rotjacken. Wenn er sich erinnert, beginnen seine Augen zu strahlen. „Es war eine großartige Zeit, die beste meiner Karriere“, betont der 58-jährige Finne und fügt hinzu: „Mit einigen meiner damaligen Spieler habe ich noch Kontakt, wir sind Freunde geworden.“
Fünf Jahre lang galt er in Klagenfurt aber nicht unbedingt als Spielerversteher: „Natürlich war ich fordernd, aber auch so stolz, was wir erreicht hatten – nicht nur wegen der zwei Meistertitel. Wir haben einen Kern erschaffen, dem Klub eine Identität verpasst. Es waren so viele großartige Menschen dort.“ Umso mehr fühlt er mit, wie schwierig die aktuelle Situation in der Finalserie ist. Aus der Ferne habe er die drei bisherigen Finalpartien verfolgt.
Aber nicht in der Schweiz, wo er zuletzt lebte (Biel trennte sich von ihm im ersten Jahr seines Zwei-Jahres-Vertrages). „Ich habe dort eine Auszeit vom Eishockey genommen, habe eine Pause gebraucht.“ Zuletzt ließ er sich von einem Kurzzeit-Engagement bei Kärpät Oulu überreden, um mit seinen berühmt-berüchtigten Motivationsansprachen den Abstieg zu verhindern. „Es hat geklappt“, meint Matikainen grinsend, und kann sich nun vorstellen, als Liiga-Coach einen Job anzunehmen.
Zurück zum KAC: Wie Matikainen die Situation einschätzt? „Das 0:3 ist hart. Aber es ist eine mentale Geschichte, das hat nichts mit Qualität oder Taktik zu tun“, bekräftigt er. „Es geht um Teamspirit. Wenn der nicht vorhanden ist, verliert man im Play-off 0:4. Maximal in einer Partie kann man sich noch drüberretten. Aber wenn der Teamspirit nicht stimmt, hat man keine Chance.“ Und zu Salzburg: „Sie verfolgen eine extrem aktive Linie. Hoffentlich bringt der KAC die Maschine zum Laufen. Aber ich befürchte, es wird schwer, die Serie zu drehen“, meint Matikainen, der in Finnland oft auf seine Zeit in Klagenfurt angesprochen wird.
Zuletzt von Ex-KAC-Stürmer Siim Liivik, der ihn als Kärpät-Coach im finnischen TV interviewt hatte. „Vor der ersten Frage haben wir über den KAC gesprochen. Das war schön.“ Seinen Abgang in Klagenfurt sieht er nach langer Zeit relativ trocken und lacht: „Ich war lange dort. Und irgendwann hat man genug von einem Trainer wie mir.“