"Das ist okay, darum geht es im Sport. Alex ist großartig für den Sport, für Washington und sein Land. Das ist wunderbar", sagte der in Washington anwesende Gretzky noch während des Matches. "Ich bin stolz auf ihn. Er ist etwas Besonderes", ergänzte der 64-Jährige. Owetschkin bezeichnete die Anwesenheit Gretzkys als "riesige Ehre" und war nach seinem 1.486 Spiel überglücklich. "Das ist etwas ganz Besonderes, ein historischer Moment", sagte Owetschkin, der sich freute, den Meilenstein "zu Hause, vor Familie, Freunden und Fans" geschafft zu haben. "Das bedeutet mir sehr viel." Am Sonntag (18.30 Uhr/MESZ) hat der Capitals-Torjäger im Auswärtsspiel gegen die New York Islanders die Gelegenheit, zum alleinigen Rekordhalter aufzusteigen.
Gegen die Blackhawks traf Owetschkin in der 47. Minute im Powerplay ins kurze Kreuzeck zur 4:3-Führung und wurde nach seinem 41. Saisontor von seinen Teamkollegen in einer Jubeltraube begraben. Die Heimfans in der Arena feierten den Angreifer mehrere Minuten frenetisch. Zuvor hatte er in der vierten Minute aus kurzer Distanz das erste Tor der Begegnung erzielt. Nach der Schlusssirene wurde Owetschkin unter Applaus gewürdigt, die Fans, darunter seine beiden Söhne, skandierten "Ovi, Ovi".
Zahlreiche Trophäen, Krönung mit dem Stanley Cup
Neunmal war Owetschkin bester Torschütze der Liga, in seiner besten Saison 2007/08 (65 Tore) erhielt er auch die Art Ross Trophy für den punktbesten Spieler (112). Jeweils dreimal wurde er mit der Hart Memorial Trophy und dem Ted Lindsay Award (jeweils bester Spieler der Liga/MVP) und einmal mit der Conn Smythe Trophy geehrt. Über der Auszeichnung zum besten Spieler im Play-off 2017/18 stand aber, dass er im Juni 2018 sein ganz großes Karriereziel erreichte und die Washington Capitals als Kapitän zum bis dato einzigen Stanley Cup führte.
Auch in den Rekordlisten steht der Name Owetschkin mehrmals ganz oben. Neunmal knackte er die 50-Tore-Marke, auch noch 2021/22 mit 36 Jahren und damit als bisher ältester Spieler. In 14 seiner 20 NHL-Saisonen hat er mindestens 40 Tore erzielt, an Powerplay-Treffern ist er mit 324 längst in einer eigenen Sphäre.
Fünfjahresvertrag für die Rekordjagd
Im Juli 2021 verlängerte Owetschkin bei den Capitals für 9,5 Mio. Dollar jährlich um fünf Jahre - und hatte fortan den wichtigsten der einst 61 Gretzky-Rekorde im Visier. „Deshalb wollte ich um fünf Jahre verlängern. Um eine Chance zu haben, The Great One einzuholen. Das wird schwierig, aber man weiß nie“, erklärte der damals 35-Jährige anlässlich seiner Vertragsunterzeichnung. Befürchtungen, dass er im für einen Sportler hohen Alter nicht mehr ganz an der Spitze mithalten könnte, widerlegte er seither eindrucksvoll und vollendete nun seine Mission.
Owetschkin war auch schon in Österreich zu bewundern. Als 18-Jähriger holte er bei der Weltmeisterschaft 2005 in Wien mit Russland die Bronzemedaille und war bester Scorer seines mit Stars gespickten Teams, unter anderem mit einem Tor beim 4:2-Sieg gegen Österreich. Dreimal gewann er später WM-Gold (2008, 2012, 2014), bei Olympia ging er mit der „Sbornaja“ aber immer leer aus. Im Unterschied zu seiner Mutter. Tatjana Owetschkina hat 1976 und 1980 mit der sowjetischen Mannschaft das olympische Basketball-Turnier gewonnen. Zu ihren Ehren trägt Owetschkin auch dieselbe Rückennummer 8. Von ihr und seinem Vater, einem ehemaligen Fußball-Profi, hatte er das sportliche Talent und die Liebe zum Sport geerbt.
Keine Distanzierung von Putin
Sportlich und als Teamkollege tadellos, geriet Owetschkin in den vergangenen Jahren in Nordamerika aber auch in die Kritik. Ihm wurde die Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin vorgeworfen, dass er sich nie von ihm distanziert und den Angriffskrieg auf die Ukraine nie verurteilt hat.
2017 hatte er das „Putin Team“ gegründet, das die Wiederwahl des Präsidenten ein Jahr später unterstützte. Der Bewegung schlossen sich nach Owetschkins Vorbild weitere prominente Sportler an. Zwar rief Owetschkin nach Beginn des russischen Angriffskriegs zaghaft zum Frieden auf. Kritik an Putin übte er aber nicht. Bis heute hängt ein gemeinsames Bild mit dem Kremlchef als Avatar auf dem Instagram-Account Owetschkins. Er zog sich auf seine rein sportliche Rolle zurück. „Wir müssen unseren Job machen und uns auf das eine Ding konzentrieren, das wir am besten können“, sagte er einst.