Die „Pflicht“ wurde mit dem 1:0-Sieg über Schottland erfüllt. Heute (18.15 Uhr, ORF 1 live) folgt im Rahmen der Nations League für Österreichs Fußballerinnen die „Kür“ in Deutschland. Zumindest mit Blick auf die Weltrangliste und auf die Statistik wäre ein Punktgewinn für die ÖFB-Auswahl in Nürnberg eine kleine Sensation. Die Deutschen liegen auf Rang drei im FIFA-Ranking, Österreich auf Platz 18. Zudem haben die Österreicherinnen von fünf Duellen mit Deutschland bisher jedes verloren. „Das ist jetzt natürlich eine andere Hausnummer als Schottland“, sagt Neo-Teamchef Alexander Schriebl. „Die Deutschen sind immer ein Titelfavorit, egal bei welchem Turnier sie dabei sind.“
Obwohl der Salzburger natürlich weiß, dass Deutschland zu den Topnationen gehört, sagt er: „Es gibt ein Feld an Nationen, die aufschließen möchten. Und da gehören wir dazu. In diesem Feld möchten wir zu den besseren gehören.“ Außerdem ortet der 46-Jährige durchaus Schwachstellen im Spiel der Deutschen. „Sie haben in den jüngsten fünf Partien neun Gegentreffer erhalten. Es gibt also Möglichkeiten, sie zu erwischen. Das wollen wir tun, obwohl wir wissen, dass es ein sehr schwieriges Spiel wird.“
Keine Tipps von Rangnick
Eine von zahlreichen Deutschland-Legionärinnen im ÖFB-Team ist Laura Feiersinger. Die Salzburgerin hat die erste Zeit mit dem neuen Coach als sehr positiv empfunden. „Der Dialekt macht schon viel aus“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. „Es war gleich ein gutes Gefühl da.“ Die Köln-Spielerin hat aktuell zwar keine Klubkollegin im DFB-Team, kennt die Spielerinnen aber dennoch gut. „Man hat in der Liga oft gegen die Teamspielerinnen gespielt, kennt sie. Dadurch, dass wir alle in der Liga so oft gegeneinander spielen und dass man sich so oft sieht, ist es ein freundschaftliches Verhältnis.“ Nichtsdestotrotz will man vor knapp 15.000 Fans in Nürnberg zum Stolperstein werden. „Auf dem Platz vergisst du die Freundschaften. Dafür hast du vorher und nachher Zeit.“
Während Österreich mit Sarah Zadrazil eine Unterschiedsspielerin verletzungsbedingt vorgeben muss (Schriebl: „Dafür hat man ja einen Kader, dass man auf Ausfälle reagieren kann“), fehlt bei Deutschland weiterhin Lena Oberdorf. „Sie kann Spiele entscheiden. Aber das können eh fast alle im deutschen Team“, sagt Feiersinger. Personell möchte sich Schriebl wie schon vor seinem Debüt nicht in die Karten schauen lassen, einmal mehr unterstreicht er den „hervorragenden Job, den alle Spielerinnen machen“. Männer-Teamchef Ralf Rangnick, mit dem Schriebl vor dem Nations-League-Auftakt bereits in Kontakt gestanden ist, wird übrigens „auch das heutige Spiel von uns verfolgen“. Tipps vom Deutschen gibt es aber keine.