Aus dem FC Bayern schlau zu werden, ist ein kniffliges Unterfangen. Auf den ersten Blick sieht es beim deutschen Rekord-Fußballmeister ziemlich prächtig aus, denn in der Bundesliga herrscht er als Souverän. Acht Punkte ist er dick, der beruhigende Polster, der die Münchner vom Verfolger und Titelverteidiger Bayer Leverkusen abschirmt. Aber dann ist da noch die Champions League zu bedienen. Hier muss sich die Mannschaft von Vincent Kompany erst aus einem Ergebnis-Korsett herausschälen, um den Beweis anzutreten, auch auf internationaler Ebene in dieser Saison der fußballerischen Oberschicht anzugehören.
Die Resultate in der Liga-Phase können dem Selbstbild der Bayern nicht entsprechen. 0:1 gegen Aston Villa, gar 1:4 gegen Barcelona, 0:3 gegen Feyenoord Rotterdam, das ist keine artgerechte Auswärtsbilanz. Aber das Team hatte bei der Ziehung Glück und bekam nicht Manchester City, sondern Celtic Glasgow zugelost für das Play-off, das sich die Bayern gern erspart hätten. Spielerisch ist die Mannschaft um Harry Kane, Jamal Musiala, Joshua Kimmich und nicht zuletzt Konrad Laimer gewiss deutlich über die Hausherren zu stellen. Doch nicht alles ist so leicht bestimm- und lenkbar. So müssen sich die favorisierten Gäste auch dem unermesslichen gegnerischen Kampfgeist und einem außergewöhnlichen Publikum stellen. Schotten gelten grundsätzlich als beste Fans und der Celtic Park gehört gemäß einschlägigen Rankings zu den lautesten Stadien der Welt.
Auch sportlich hat Celtic in der laufenden Saison einiges vorzuweisen. Die Heimbilanz in der Scottish Premiership ist mit elf Siegen und einem 2:2 bei einem Torverhältnis von 40:2 mehr als nur eindrucksvoll, und auch in der Champions League blieben die Schotten mit drei Siegen und einem Remis zu Hause ungeschlagen. Allerdings hatten sie doch etwas Losglück, die großen Gegner blieben ihnen erspart, die einzige schwere Niederlage setzte es in Dortmund mit einem 1:7.
Ins Münchner Finale
Auf die Bayern kommen bedeutende Tage zu. Zwischen die beiden Champions-League-Partien gegen das Team von Trainer Brendan Rodgers zwängt sich am Samstag (18.30 Uhr) das womöglich meisterschaftsvorentscheidende Auswärtsspiel gegen Bayer Leverkusen. Gegen Celtic wird ein Weiterkommen jedenfalls als Pflicht erachtet. Schließlich wollen die Münchner dem Vorhaben, am 31. Mai das Endspiel im eigenen Stadion aktiv mitzuerleben, einen Schritt näherkommen.
Neben Konrad Laimer sind am Mittwoch weitere Österreicher in den Spieltag involviert. Stefan Posch könnte nach seinem geglückten Liga-Debüt mit dem 5:0 gegen Hellas Verona für Atalanta gegen Brügge auflaufen und Trainer Adi Hütter trifft mit AS Monaco auf Benfica Lissabon. Gernot Trauner fehlt hingegen Feyenoord Rotterdam gegen den AC Milan.