Den Wunschgegner gibt es ohnehin nicht, aber im internationalen Spitzenfußball existieren Mannschaften, denen ein Klub nicht unbedingt schon in der K.o.-Frühphase eines Bewerbs begegnen will. In diesem Fall trifft diese Annahme auf beide Kontrahenten zu, denn im Play-off der Champions League, quasi ein „falsches“ Sechzehntelfinale, stehen einander an diesem Dienstag und am Mittwoch der nächsten Woche Manchester City und Real Madrid gegenüber.

Das Team von Pep Guardiola ist im Verlauf dieser Saison unversehens, aber mit einer erstaunlichen Konsequenz in die Defensive geraten. Nicht einmal mehr ein Drittligist erstarrt vor dem noch vor nicht allzu langer Zeit fast unantastbaren englischen Serienmeister. Leyton Orient führte im FA-Cup, ehe erst ein geniales Tor von Kevin De Bruyne den haushohen Favoriten eine Runde weiter beförderte. Der Kapitän war erst spät eingewechselt worden.

Real-Abwehr ist dezimiert

Ob es ein Vorteil ist, dass sich die City-Stars am Wochenende schonen durften, weil Guardiola vielen Spielern zweiter Wahl eine Chance gab, wird sich erst weisen. Das Weiße Ballett jedenfalls tanzt im Top-Level-Rhythmus. Beim 1:1 im Derby gegen Atletico erwies sich Real als das klar bessere Team, es haperte lediglich bei der Chancenauswertung. Im Etihad Stadion von Manchester ist jedoch trotz der permanenten Strauchel-Einheiten beim Gegner damit zu rechnen, dass dieser versuchen wird, die Real-Abwehr herauszufordern, und die ist personell sehr ausgedünnt.  David Alaba kommt wegen einer Adduktorenverletzung für beide Duelle nicht infrage, der Österreicher hat seit seinem Comeback nach mehr als einem Jahr vier Spiele bestritten. Auch Dani Carvajal, Eder Militão, Antonio Rüdiger und Lucas Vazquez fallen aus. Trainer Carlo Ancelotti wird jedoch eine Lösungsvariante parat haben.

Manchester City kämpft unterdessen weiter, vor allem mit sich selbst. Wo früher die spielerische Leichtigkeit regierte, herrscht jetzt vielfach Ratlosigkeit, das betrifft auch Chef Pep Guardiola, der sich seit Monaten das kahle Haupt rauft und am Montag vor versammelter Presse ein Geständnis ablegte: „Wir sind in dieser Saison ziemlich tief gefallen.“ Den Nachteil, das Rückspiel im Bernabeu-Stadion bestreiten zu müssen, nimmt der Katalane mit professionellem Fußballverständnis zur Kenntnis. „Wir waren in der Vorrunde nicht gut, daher haben wir uns das auch nicht verdient.“ Den Glauben an die Fähigkeiten seiner Spieler hat Guardiola allerdings nicht verloren. Er meint das gewisse Etwas. „Unser Team verfügt über was Besonderes, und ich hoffe, das kann die Mannschaft unter Beweis stellen.“

Real baut auf seine Offensive, die gegen Atletico vor allem in der zweiten Hälfte groß aufspielte. Kylian Mbappe agiert seit Wochen in Topform, traf zum Ausgleich und hält in der Liga mittlerweile bei 16 Treffern. Vinicius Junior kann, wenn er sich halbwegs an die Anweisungen von Ancelotti hält, ebenfalls Spiele entscheiden, und Jude Bellingham komplettiert die Weltklasse.

Gefordert ist am Dienstag auch Borussia Dortmund mit Marcel Sabitzer im Hinspiel bei Sporting Lissabon. Für Neo-Trainer Niko Kovac geht es nach der Bundesliga-Pleite gegen Stuttgart (1:2) um das erste Erfolgserlebnis.