Der Aufreger im Rahmen der Vierschanzentournee ist noch gut in Erinnerung: Während es für die Männer für den Sieg in der Qualifikation 3000 Franken (3187 Euro) Preisgeld regnete, gab es für die Gewinnerin der Vorausscheidung bei der parallel laufenden „Two Nights Tour“ in Garmisch und Oberstdorf Duschgel, Shampoo und ein paar Handtücher. Die ungeschminkte Übersetzung: In Sachen Gleichberechtigung ist die FIS von einer Punktlandung noch meilenweit entfernt.

Auf diese finanzielle Schieflage haben nun auch ehemalige US-Skispringerinnen aufmerksam gemacht. So hat das Quartett Nina Lussi, Lindsey Van, Jessica Jerome und Tara Geraghty-Moats im Vorfeld des Weltcups in Lake Placid ein Crowdfunding initiiert, um ein deutliches Statement in Richtung gleicher Bezahlung zu setzen. „Hier geht es um mehr als nur Geld. Es geht um Respekt, Anerkennung und die Inspiration der nächsten Generation von Skispringerinnen. Lasst uns in Lake Placid Geschichte schreiben und eine starke Botschaft an die Welt senden: Es ist Zeit für dieselbe Bezahlung im Frauen-Skispringen“, warb Organisatorin Lussi auf der GoFundMe-Seite.

9082 Dollar kamen zusammen

Und das mit Erfolg: So wurden für die Weltcup-Premiere der Frauen im US-amerikanischen Skisprung-Mekka 9082 Dollar gesammelt. 3326 Dollar gab es für die norwegische Qualifikationssiegerin Eirin Maria Kvandal, die Gewinnerin der heutigen, zweiten Qualifikation wird dieselbe Summe erhalten. Der Rest des Geldes wird unter den Top 30 aufgeteilt.

FIS-Rennleiter Sandro Pertile ist die Problematik freilich bewusst (derzeit gibt es für einen Weltcupsieg bei den Männern 13.809 Euro, bei den Frauen 4567 Euro), allerdings kämpfen die Skispringerinnen im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen auch um mehr Aufmerksamkeit und dementsprechend auch um potente Sponsoren. Ein Grund, warum die FIS ab der Saison 2026/27 Frauen und Männer nur noch zur selben Zeit an denselben Weltcuporten auf Großschanzen springen lassen will. So soll sich der Sport als Gesamtpaket besser verkaufen.

Bis dahin ist bei den Skispringerinnen allerdings noch etwas Geduld gefragt – so wie auch bei ihrem ersten Wettkampf im US-Bundesstaat New York. Dort blies über die Adirondack Mountains ein dermaßen starker Wind, dass der Bewerb in Lake Placid nach 14 Athletinnen abgebrochen werden musste und erst in der Nacht auf heute neu gestartet wurde.