In der Ära von Andreas Schicker und Christian Ilzer wurden beim SK Sturm Grenzen verschoben und neue Maßstäbe gesetzt. Das jahrelange Dauerthema Frühjahrsmüdigkeit wurde jedoch auch unter dem Erfolgsduo nicht letztgültig ausgeräumt. Denn das erste Bundesliga-Match nach dem Jahreswechsel ist wahrlich keine schwarz-weiße Paradedisziplin. Wenigstens 2023 präsentierte sich Sturm hellwach und gewann gegen Rapid.

Aber sonst? Auch unter Ilzer gab es weiters „nur“ drei Unentschieden. In den Saisonen davor präsentierte sich Sturm Jahr für Jahr viel zu oft im Tiefschlaf, egal welcher Trainer gerade am Werk war. Die Negativserie datierte zurück bis ins Jahr 2012, als der nunmehrige Cheftrainer Jürgen Säumel beim 1:0-Sieg gegen Mattersburg im zentralen Mittelfeld auflief. Der Auftakt ins Bundesliga-Jahr 2025 ist bereits Sturms viertes Pflichtspiel nach den beiden Champions-League-Auftritten gegen Atalanta und Leipzig, sowie dem Cup-Aus gegen Austria Wien. Ein Sieg bei der Revanche gegen die „Veilchen“ ist das logische Ziel.

Systemadaption ohne Tochi Chukwuani?

Damit eine etwaige Frühjahrsmüdigkeit erst gar kein Thema sein kann, wurden die Mankos aus dem „Hinspiel“ aufgearbeitet. „Wir haben das Spiel genau analysiert und glauben zu wissen, wo wir ansetzen müssen“, sagt Säumel und möchte von seinem Team bessere Lösungen und mehr Entschlossenheit im Angriffsdrittel samt besserer Boxbesetzung sehen, zudem sollen bei Standardsituationen wesentlich mehr Gefahrenmomente erzeugt werden.

Auch eine Adaption des Systems ist eine Option. Tochi Chukwuani ist gesperrt, weshalb die Abkehr von der Doppelsechs im Raum steht. Selbige packte Säumel speziell in der Königsklasse gerne zu Gunsten erhöhter Kompaktheit aus. Otar Kiteishvili könne sowohl auf der Doppelsechs, als auch auf der Zehn nominiert werden. „Wir wollen im Strafraum präsenter sein und wieder mehr Torgefahr ausstrahlen. Deswegen ist es ein Thema, dass wir mit zwei Spitzen spielen werden“, verrät Säumel.

Sturms Stürmersituation wiederum ist ein Thema, welches das Umfeld derzeit bewegt und teils emotionale Debatten mit sich bringt. Goalgetter Mika Biereth ist weg, dafür sind die Zweifel bezüglich Torriecher der im Kader stehenden Angreifer omnipräsent. Dies betrifft sowohl Seedy Jatta und Amady Camara, als auch Neuzugang Fally Mayulu. Dazu gesellt sich Eigengewächs Leon Grgic, der in der Stürmer-Hackordnung zuletzt den vierten Rang einnahm.

Zu früh für Zweifel an Stürmern

„Wir haben gute Stürmer in unseren Reihen“, stellt Säumel klar und erinnert an die Qualität der bisherigen Gegner Atalanta, Leipzig und Austria. Deswegen betrachtet Säumel diese Kritik als „viel zu früh. Ich sehe das relativ entspannt, weil ich absolut an die Fähigkeiten unserer Stürmer glaube. Und es geht nicht nur um die Stürmer, wir haben auch im Mittelfeld und in der Abwehr Spieler, die torgefährlich sind.“

Spannend wird, ob Grgic mehr Einsatzminuten in der Kampfmannschaft bekommt. Zuletzt gab es Gerüchte, dass der 19-Jährige den Verein noch in diesem Winter verlassen möchte. In den großen Ligen ist das Transferfenster bereits zu. Mit dem HNK Rijeka soll jedoch auch ein Verein aus Kroatien konkretes Interesse bekunden, wo noch bis 17. Februar Spieler unter Vertrag genommen werden dürfen. Geht es nach Säumel, wird ein solcher Transfer nicht zustande kommen. „Ich wünsche mir, dass Leon bei Sturm bleibt“, stellt der 40-Jährige klar und betont gleichzeitig: „Ich verstehe auch die Aufregung nicht ganz. Wir haben im Frühjahr ja noch nicht einmal ein Bundesliga-Spiel gespielt. Er ist ein Spieler mit Potenzial, den ich schätze und auch schon lange kenne, der aber auch seine Themen hat. Das weiß er und daran arbeitet er im Training.“

Emran Soglo muss noch Trainingsrückstand aufholen

Hart trainieren für erste Einsatzminuten muss indes Emran Soglo. Der Linksverteidiger ist gegen die Austria noch kein Thema. Säumel: „Ein spannender Spieler mit sehr viel Potenzial. Aber es wird noch dauern, bis er im Spieltagskader dabei sein kann, weil er noch Trainingsrückstand hat.“