AUTO-OMBUDSMANNGeblendet von den neuen Xenon-Leuchten

Auch im Abblendmodus entfalten moderne Autoscheinwerfer enorme Leuchtkraft, die viele als gefährdend empfinden. Für nicht genehmigte Leuchten drohen hohe Strafen.

Nicht genehmigte Scheinwerfer können teuer kommen: Der Strafrahmen reicht bis zu 5000 Euro
Nicht genehmigte Scheinwerfer können teuer kommen: Der Strafrahmen reicht bis zu 5000 Euro © Illustration: Sinisa Pismestrovic
 

"Sind die guten alten gelben Autoscheinwerfer eigentlich noch erlaubt?“, fragte ein Leser den Ombudsmann. Der Mann ärgert sich darüber, dass die „neuen, modernen weißen Abblendlichter so enorm blenden, dass sie eine Gefahr für die Verkehrssicherheit darstellen“.

Er als ehemaliger Berufskraftfahrer und zahlreiche seiner Bekannten würden die heute üblichen Xenon-Leuchten als grell und störend empfinden. „Wird das nicht kontrolliert, die können doch niemals der gültigen Norm entsprechen!“, mutmaßte der Mann.

Nachtrüsten ist nicht erlaubt

Die Hoffnung darauf, dass das sanfte gelbe Licht auf unseren Straßen wieder Einzug halten könnte, muss die Verkehrsjuristin beim ÖAMTC leider gleich zerstören: „Gelbe Abblendscheinwerfer sind nur dann erlaubt, wenn die Typengenehmigung des Fahrzeugs vor dem 1. 8. 1997 erfolgte und dieses mit gelben Scheinwerfern genehmigt wurde. Ein Nachrüsten ist nicht erlaubt“, erklärt Gabriele Zöscher.

Die heute gebräuchlichen Scheinwerfer müssten genauen Richtlinien entsprechen, dennoch gebe es immer wieder Fahrzeuge, bei denen man das Gefühl habe, dass die Scheinwerfer blenden, räumt die Juristin ein.

Die Leuchtweite muss regelbar sein

Die Verkehrsjuristin Gabriele Zöscher erklärt, welche Richtlinien für die unterschiedlichen Scheinwerfertypen berücksichtigt werden müssen.
Scheinwerfer müssen nach der Richtlinie 76/761 EWG (auch ECE-R8 Richtlinie für Halogenscheinwerfer, ECE-R98 für Xenonscheinwerfer sowie ECE-R128 für LED Scheinwerfer) gefertigt werden, damit diese eine Typengenehmigung erhalten.
Außerdem müssen alle Fahrzeuge mit Typengenehmigung nach dem 1. 8. 1997 oder einer Erstzulassung nach dem 1. 8. 1998 mit einer automatischen oder vom Lenkerplatz aus zu betätigenden Leuchtweitenregulierung im Sinne der Richtlinie 76/756 EWG versehen sein.
Bei Scheinwerfern mit Gasentladungslichtquellen (Xenon) oder LED Scheinwerfern für Abblendlicht muss diese Leuchtweitenregulierung automatisch (je nach Beladungszustand) erfolgen. Auch muss bei Scheinwerfern mit Gasentladungslichtquellen (Xenon) oder LED Scheinwerfern für Abblendlicht mit einer Lichtstärke größer 2000 lm (Lumen) eine Scheinwerferreinigungsanlage nach der ECE-R45 Regelung verbaut sein.
Auch Anbauvorschriften für Beleuchtungseinrichtungen sind in dieser Richtlinie festgehalten. Alle Erzeuger müssen ihre Fahrzeuge nach diesen Richtlinien fertigen.

Die Ursachen dafür sind vielfältig.
1) falsch eingestellte Scheinwerfer: Es gibt für jeden Scheinwerfer, egal ob herkömmlicher Halogen-, Xenon- oder LED-Scheinwerfer eine Grundeinstellung der Scheinwerferhöhe; diese muss eingehalten werden; eine defekte Leuchtweitenregulierung.
2) falsch (verdreht) eingebaute Scheinwerferlampen.
3) unzulässig eingebaute Scheinwerferlampen: Jeder Scheinwerfertyp ist für ein bestimmtes Leuchtmittel (Scheinwerferlampe) typengenehmigt. Leider komme es vor, dass in Halogenscheinwerfern Scheinwerferlampen eingebaut werden, welche für diesen Scheinwerfer keine Zulassung haben.
4) rechtlich nicht zulässige Nachrüstung von Xenonscheinwerfern oder LED Scheinwerfern ohne automatische Leuchtweitenregulierung und ohne Scheinwerferreinigungsanlage.

Strafen drohen

„Falls man nicht genehmigte Scheinwerfer montiert hat, riskiert man bei einer technischen Kontrolle durch die Polizei eine Verwaltungsstrafe. Der Rahmen reicht bis zu 5000 Euro“, warnt Zöscher. Wird man bei einer Verkehrskontrolle als „Blender“ auffällig, muss man die Genehmigungen vorlegen.

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