Olympiasieger Franjo von Allmen schied aus und vergab seine Mini-Chance, seinen Landsmann in der Abfahrts-Weltcupwertung noch abzufangen. Odermatt wusste schon vor seiner Fahrt, dass ihm nach der großen Weltcupkugel zum dritten Mal en suite auch die kleine in der Abfahrt sicher ist. Raphael Haaser (+0,74) sorgte als Fünfter für sein bisher bestes Abfahrtsergebnis unmittelbar vor Daniel Hemetsberger (+0,95), womit die Österreicher auch mannschaftlich stark wie lange nicht waren.

"Ich habe einen ganz guten Lauf gehabt. Die Hundertstel waren auf meiner Seite, es hat vieles zusammengepasst", erklärte Kriechmayr im ORF-Interview. Er habe versucht, im Mittelteil eine sehr direkte Linie zu fahren. "Das ist ganz gut aufgegangen." Vor allem an jener Stelle, an der es Von Allmen und auch andere Fahrer erwischte, sei er enger gefahren.

Der Sieg ändere nichts an seiner noch nicht getroffenen Entscheidung, ob er doch noch eine Saison anhängt. "Ganz und gar nicht. Vor der Saison war ich mir sicher, dass ich nach dem Jahr den Hut draufhaue, zurzeit macht es mir sehr viel Spaß." Für den Super-G-Weltcup rechnet er sich nicht mehr viel aus, Kriechmayr liegt 158 Zähler hinter Odermatt, drei geplante Rennen vor Schluss. "Ich habe zu viele Super-G heuer verschenkt. Er war besser und hat einen großen Vorsprung. Die Chance ist sehr minimal. Ich gratuliere ihm zur Abfahrtskugel."

Kriechmayr hatte am 15. März 2023 in Soldeu für den bisher letzten ÖSV-Abfahrtssieg gesorgt. 23 Rennen war Rot-Weiß-Rot ohne Sieg in dieser Disziplin geblieben. Der Oberösterreicher hat einmal mehr bewiesen, wie wichtig er für das ÖSV-Team ist. Auf der Piste "L'Eclipse" hatte Kriechmayr 2022 beim Weltcup-Finale schon einmal einen Sieg gefeiert, ein Jahr später bei der WM 2023 auf dem gleichen Hang wurde er als Titelverteidiger nur Elfter.

Österreichs Abfahrtsteam hat damit auch die Überlegenheit der Schweizer, die bis auf Kitzbühel sämtliche Saisonabfahrten gewonnen hatten, durchbrochen. Kriechmayrs Sieg war auch erst der zweite Saison-Podestplatz für den ÖSV nach seinem zweiten Rang in Wengen.

Der fünfte Rang von Haaser war sein mit Abstand bestes Abfahrtsresultat (bisher ein 14. Platz). "Ich bin schon einige Jahre dran. Es ist ein Schritt, den ich in der Abfahrt immer machen wollte, ein großer in die richtige Richtung." Er müsse konstant weiterarbeiten und dies auch konstant zeigen.

Auch der sechstplatzierte Hemetsberger war mit seiner "ganz guten Fahrt" zufrieden. Nur die Einfahrt ins Steilstück sei ihm nicht so gelungen. "Ich habe alles reingehaut, es hat sich nicht so schlecht angespürt."

Odermatt war sehr zufrieden mit einem weiteren Podestplatz bei sehr schwierigen Bedingungen, wie der 28-Jährige sagte. "Es war sehr wechselhaft, oben war der Schnee kalt, aggressiv, wirklich winterlich, unten extrem warm und Frühlingsschnee", sagte der Schweizer. Es sei eine extrem lange Abfahrt. "Ich war noch nicht oft so müde am Ende der Saison."

Auch im Super-G könnte Odermatt die kleine Kugel dieses Wochenende fixieren, an dem noch zwei Rennen in Courchevel geplant sind. Die Wettervorhersagen sind allerdings sehr schlecht.