Da haben sich die Polen "anstatt sich einnehmen zu lassen eingemischt in ihre eigenen Angelegenheiten", Krieg geht oft einher mit Täter-Opfer-Umkehr. Lietzow hat Brechts Geschichte der Marketenderin Anna Fierling, genannt Mutter Courage, die im Krieg ihre drei Kinder beschützen will und sie dennoch verliert, weil sie nur das Geschäft im Kopf hat, aus dem Dreißigjährigen Krieg in die Jetztzeit in einen nicht näher definierten bewaffneten Konflikt in Europa versetzt. Es wäre auch nicht nötig gewesen, die Worte "Ukraine" oder "Russland" in den Text einzubauen. Denn Kriegsgewinnler wie die Mutter Courage gehören nicht zu einer Seite, sie beliefern jeden, Hauptsache er zahlt - Courage nennt das "neutral" - und da kann man schon mal unterschiedliche Fahnen in den Wind hängen oder einfach verleugnen, dass man seinen soeben vom Feind exekutierten Sohn kennt.
Kultur
Linzer "Mutter Courage" als kraftvoller Schrei nach Frieden
Nachdem Susanne Lietzow dem Linzer Theaterpublikum im Vorjahr mit ihrer "Pension Schöller" etwas Lustiges und leicht Verdauliches serviert hatte, setzt sie ihm in dieser Saison schwerere Kost vor: Mit "Mutter Courage und ihre Kinder" von Bertolt Brecht bringt sie ein Stück auf die Bühne des Schauspielhauses, das treffender nicht in die Zeit passen könnte. Es ist ein emotionaler, kraftvoller Schrei nach Frieden geworden. Viel Applaus bei der Premiere am Freitag.
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