Zu den Events rund um den Gastlandauftritt unter dem Slogan "meaoiswiamia" ("mehr als wir") zählt auch eine Ausstellung zur österreichischen Literatur der letzten 50 Jahre und ein Kooperationsprojekt zwischen dem Institut für Sprachkunst in Wien und dem Leipziger Literaturinstitut. "Wer Literatur präsentieren möchte, muss immer auch den Blick weiten und das 'mehr als' sehen", wird Katja Gasser, künstlerische Leiterin des Projektes, in einer Aussendung zitiert. Das gesamte Begleitprogramm wird das Gastland Österreich Anfang März 2023 vorstellen.

Zu den künstlerischen Interventionen zählt etwa die Gestaltung des Gastlandstandes durch den Künstler Marko LipuÅ¡: Unter dem Titel "Anthem Reloaded" interpretiert er in großformatigen Fotos die österreichische Nationalhymne und setzt sich "kritisch mit dem Nationenbegriff auseinander", wie es heißt. Untermalt werden die Arbeiten mit futuristischen Klängen von SaÅ¡o Kalan, ein Video-Loop mit "Anthem Reloaded" wird auf den Messescreens und zu Beginn aller Abendveranstaltungen in der Schaubühne Lindenfels, die als "Stadtzentrale" des Gastlandauftritts fungiert, zu sehen sein.

Vom 17. März bis 13. Mai zeigt die Galerie der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig das zeichnerische Werk der österreichischen Künstlerin Maria Lassnig (1919-2014), der in dieser Woche bereits eine Tagung in der Schaubühne Lindenfels unter dem Titel "Lifting Stones" gewidmet war. Eine weitere Ausstellung im Leipziger Literaturhaus widmet sich von 10. März bis zum 27. April dem Comic-Künstler Nicolas Mahler: Unter dem Titel "Ah! Thomas Bernhard. Den kenn ich. - Schreibt der jetzt für Sie?" stehen die Arbeiten des Zeichners, der bereits literarische Arbeiten von u.a. Artmann, Bernhard, Musil und Joyce adaptiert hat, im Zentrum. Die österreichische Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek schrieb wiederum Texte zu zwei Fotoserien von Marko Zink, die in der galerie KUB in jeweils eigenen Räumen installiert und inszeniert werden (16. März bis 30. April), während die Jelinek-Texte von ihr selbst eingesprochen auf eckiger Vinyl begleitend zur Präsentation abgespielt werden.

Weiters im Programm findet sich die österreichische Künstlerin, Filmemacherin und Autorin Sabine Groschup, die im Grassi Museum für Angewandte Kunst die Ausstellung "3 Blutstropfen drei" (29. April bis 7. Mai) präsentiert. Gezeigt werde eine repräsentative Auswahl von Arbeiten aus Groschups vier "Taschentuch-Zyklen" mit jeweils von Hand gestickter eigener Lyrik auf Stofftaschentüchern unterschiedlicher Provenienz. Hörbar gemacht werden die gestickten Texte durch die Stimmen von den Burgtheater-Ensemblemitgliedern Dorothee Hartinger und Markus Meyer.

In der Schaubühne Lindenfels rückt eine dreiteilige Filmschau die enge Beziehung zwischen der österreichischen Literatur und dem Medium Film mit der Langfilmschau "Furioso" (18./19. sowie 21. bis 25. April) in den Fokus. Mit dabei sind der Dokumentarfilm "Elfriede Jelinek - Die Sprache von der Leine lassen", "Sargnagel - Der Film" sowie Klassiker wie "Die Klavierspielerin" oder "Die Wand". Die Kurzfilmschau "Presto" (27. bis 29. April) rückt das Lyrische ins Zentrum. Bereits im Februar lädt das Literarische Colloquium Berlin (LCB) Autorinnen und Autoren aus Österreich wie Mieze Medusa, Robert Prosser und Elias Hirschl zu einem Residency-Programm nach Berlin. Am 24. Februar stehen sie unter dem Titel "Neues in der österreichischen Literatur - Spoken Word und Performance als Formen gegenwärtigen Erzählens" auf der Bühne des LCB.

Im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek präsentiert das Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek ab 26. April unter dem Titel "Jetzt & alles" eine Ausstellung zur österreichischen Literatur von den 1970er-Jahren bis in die Gegenwart. Auf der musikalischen Ebene setzt man am 20. April in der Schaubühne Lindenfels auf eine Neuinterpretation von Franz Schuberts "Winterreise", wenn der österreichische Sänger Oliver Welter (Naked Lunch) und die Konzertpianistin Clara Frühstück die 24 Lieder auf ihre ganz besondere Art auf die Bühne bringen.

Eine Kooperation gibt es unterdessen zwischen dem Deutschen Literaturinstitut in Leipzig und dem Institut für Sprachkunst der Universität für angewandte Kunst in Wien: Unter dem Titel "Den Wald vor lauter Heimat" können Besucher in der Galerie KUB am 23. und 25. März auf einer begehbaren Bühne einen installativen sprachlichen "Heimat"-Raum erleben. Ein weiteres Projekt der beiden Schulen stellt die Frage: "Wer gehört dazu und wer nicht?". Darin widmet man sich der Frage, wie eine repräsentative Anthologie heute aussehen und wen bzw. was sie enthalten müsste. Hintergrund ist der österreichische Gastlandauftritt 1995 auf der Frankfurter Buchmesse, in dessen Rahmen die österreichische Anthologie "Literatur über Literatur" erschienen war.

Wer sich hierzulande auf den Gastlandauftritt in Leipzig einstimmen will, hat am 25. Jänner im Literaturhaus Wien die Möglichkeit, wo sich Katja Gasser mit der Kuratorin Miha Kovač und der Autorin Ana Marwan über das Gastland Österreich auf der Leipziger Buchmesse und das Gastland Slowenien auf der Frankfurter Buchmesse unterhalten wird.

(S E R V I C E - )