Oper wird ja oftmals als Kostümschinken apostrophiert. Und im Falle dieses "Don Carlo" stimmt's. Der aus Russland emigrierte Serebrennikov, der zuletzt schon mit seinem "Parsifal" in der Staatsoper ambivalente Reaktionen provoziert hatte, positioniert das Geschehen nicht im Spanien des 16. Jahrhunderts, sondern einem Institut für Kostümforschung, worauf ihn ein Besuch im Kyoto Costume Institute in Japan brachte. Statt Blumenpracht in Spaniens Gärten also 50 Shades of Grey in einem aseptischen Forschungslabor.
Wien
Vehemente Buhs für den neuen Staatsopern-"Don Carlo"
Das war ein Einstieg in die Saison! Verdis "Don Carlo" holte als erste Premiere der neuen Spielzeit in der Wiener Staatsoper das Publikum von den Sitzen - wenn auch mehrheitlich, um zu buhen. Kirill Serebrennikovs Auslegung des Spiels um Macht, Freiheit und verlorene Liebe brachte manchen Premierengast schon während der Aufführung dazu, die Contenance zu verlieren. Das konnten nicht mal eine herausragende Sängerriege und ein brillierender Philippe Jordan im Graben verhindern.
© APA/Wiener Staatsoper