Das Start-up „Muse Electronics“ hat in Kooperation mit dem heimischen Bundesheer „ultra-robuste“ und einsatzspezifische Tablets entwickelt. Durch eine patentierte neue Sicherheitsarchitektur sollen sie eine gesicherte Kommunikation am Gefechtsfeld sicherstellen und Manipulationen von außen verunmöglichen, erklärte Gründer und CEO Philipp Lechner am Montag bei einem Pressetermin.
Armeen weltweit stünden unter Druck, sich fortlaufend zu digitalisieren, erklärte Lechner im Beisein von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (beide ÖVP). Schließlich habe sich die Kommunikationsgeschwindigkeit und die Komplexität auf dem Gefechtsfeld enorm erhöht, so Lechner: „Defence und Cyber haben eine Visibilität bekommen.“ Was aber den Markt an End User Devices (EUDs) anbelangt, sei man zu sehr von Asien abhängig.
Entwicklung in Kooperation mit dem Heer
Daher habe sein Start-up die Idee geboren, EUDs komplett in Österreich zu entwickeln. Die erste Serie von Zehn-Zoll-Tablets trägt den Namen „BACKBONE“. Neben der „großen physikalischen Robustheit“ und Praktikabilität für die Soldaten war der Anspruch, eine gänzlich neue Sicherheitsarchitektur zu entwerfen, erläuterte der CEO.
Das Herzstück dieser ist die „physikalische Trennung“, die es erlaube, gleichzeitig Daten verschiedener Sicherheitsdomänen physikalisch getrennt auf einem Tablet zu bearbeiten und zu speichern. So könne der Verlust missionskritischer Daten ausgeschlossen werden. Diese Technologie und die dazugehörigen Produktgruppen habe man sich weltweit patentieren lassen, so Lechner.
Die Entwicklung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Verteidigungsministerium. Das Gerät soll den Anforderungen der Truppe entsprechen und eine moderne Kommunikation sicherstellen. Dafür habe man immer wieder „Feedbackschleifen“ eingeführt. Der technische Fachexperte des Heeres, Wolfgang Hacker, sieht ein „hohes Potenzial“ in der Entwicklung. Die erste „BACKBONE“-Version ist mittlerweile serienreif. Nun soll Mitte 2026 eine kleine Stückzahl erworben werden, um diese auf Herz und Nieren zu testen. Wenn alle Tests, auch jene in der Truppe, positiv verlaufen, könnten diese in größerer Stückzahl zulaufen.
Produziert wird an zwei Standorten
Entwickelt und produziert wird an zwei Standorten in Österreich und in Ungarn. Man verfügt aktuell über 23 Mitarbeiter an drei Standorten, so Lechner. Entwickelt wurden die Geräte auch für den „Dual-Use“ im zivilen Bereich. Freilich liege die „höchste Notwendigkeit“ im militärischen Bereich, man wolle diese Technologie aber auch für Einsatzkräfte im zivilen Bereich auskoppeln. Dafür führe man Gespräche mit dem Feuerwehrausrüster Rosenbauer. Dies sei freilich auch im Sinn eines gesamtstaatlichen Krisenplanes.
Ein nächster Meilenstein sei das europäische Entwicklungsprojekt „Battlepad“, das ein European Defence Fund-Projekt ist und erstmals durch Österreich geleitet wird, und das auf „BACKBONE“ basiert. Beteiligt sind neben Österreich Kroatien und Slowenien. Das Fördervolumen sind fünf Millionen Euro aus dem European Defence Fund. 2028 soll das Projekt ein Ende finden, wie Projektleiter Mario Kamper betonte.
Tanner bedankte sich für die Zusammenarbeit und betonte, dass viele Investitionen im Bereich der militärischen Sicherheit in die österreichische Wirtschaft fließen. In diesem Fall könne man „Start-ups die Möglichkeit geben, zu reüssieren“. Auch Zehetner hob die gute Zusammenarbeit hervor. Diese Investition bringe nicht nur zusätzliche Wertschöpfung sondern auch Resilienz. Jedenfalls sei das Verteidigungsministerium als „Pilotkunde“ in diesem Fall von „unschätzbarem Wert“, so Zehetner.