Laut Konaschenkow lag der ukrainische Führungsgefechtsstand im Gebiet Dnipropetrowsk nahe der Siedlung Schyroka Datscha, südlich der Großstadt Krywyj Rih und wurde von seebasierten Marschflugkörpern des Typs "Kalibr" getroffen. Die Lenkwaffen sollen eine Reichweite von bis zu 2.500 Kilometer haben.

Daneben seien durch die Kalibr-Raketen auch mehrere westliche Artilleriesysteme vom Typ M777 und bis zu 20 gepanzerte Fahrzeuge auf einem Werksgelände in Mykolajiw vernichtet worden. Andere Raketen hätten eine Eisenbahnstation im Gebiet Dnipropetrowsk getroffen, wo gerade ukrainisches Militär verladen wurde. Zudem sei auch im Gebiet Donezk eine größere ukrainische Einheit mit Raketen beschossen worden. Konaschenkow bezifferte die ukrainischen Verluste in den beiden letztgenannten Fällen auf mehr als 300 Soldaten. Unabhängig können diese Angaben nicht überprüft werden. Am Sonntagabend wurde aber von ukrainischer Seite die Tötung eines hochrangigen Kommandanten bestätigt. Der Bürgermeister von Iwanofrankiwsk, Ruslan Martsinkiw, teilte auf Facebook mit, dass mit Oleh Kutsyn der Kommandant des Karpathen-Battailons getötet wurde.

Der Armeesprecher verkündete zudem die vollständige Einnahme der Ortschaft Metjolkine durch russische Truppen. Der ukrainische Generalstab hatte zuvor einen russischen Teilerfolg bei den Kämpfen um den Vorort des Verwaltungszentrums Sjewjerodonezk eingeräumt. Dieses wurde laut einer Mitteilung des ukrainischen Generalstabs vom Sonntagabend weiterhin beschossen. "Die Kämpfe dauern an, aber der Feind ist nicht erfolgreich", hieß es nach Angaben der Agentur Ukrinform.

Die Hauptstadt Kiew wurde Sonntagfrüh erneut aus der Luft angegriffen - es waren Sirenen des Luftalarms und Explosionen zu hören. Nach offiziellen Angaben schoss die ukrainische Luftabwehr russische Raketen über der Stadt jedoch ab. Laut dem Militärgouverneur des Gebiets Kiew, Olexij Kuleba, gab es keine Schäden und Verletzte in der Stadt. Er bat die Kiewer allerdings darum, weiterhin nach dem Luftalarm die Schutzkeller aufzusuchen.

Zudem versuchen russische Truppen nach Angaben des ukrainischen Innenministeriums, auf Charkiw vorzurücken und die Stadt erneut zu bombardieren. Die Lage nördlich von Charkiw sei ziemlich schwierig, sagte Wadym Denysenko, ein Berater des Ministeriums, im ukrainischen Fernsehen. "Russland versucht, Charkiw zu einer Stadt an vorderster Front zu machen." Der Bürgermeister von Charkiw, Ihor Terechow, rief die Stadtbewohner auf, nach Möglichkeit in ihren Häusern zu bleiben und russischer "Desinformation" keinen Glauben zu schenken, meldete die Agentur Ukrinform. Charkiw liegt im Nordosten und ist nach Kiew die zweitgrößte Stadt des Landes.

In Nowomoskowsk im Osten explodierte nach russischem Raketenbeschuss ein Treibstofflager. Ein Mensch sei getötet und zwei Menschen verletzt worden, teilte der Leiter der Regionalverwaltung, Valentyn Resnitschenko, mit. Bereits am Samstag hätten drei russische Raketen das Lager getroffen. Beim Angriff selbst wurden Resnitschenko zufolge elf Menschen verletzt.

In der Nähe der Stadt Krasnopillja haben ukrainische Streitkräfte laut einer Mitteilung des ukrainischen Generalstabs die russischen Truppen zurückgeschlagen. Die russischen Soldaten hätten sich auf einer Aufklärungsmission befunden und schwere Verluste erlitten. Auch im Süden des Landes berichteten die Verteidiger von Erfolgen. Der Bürgermeister von Melitopol, Iwan Fedorow, schrieb am Sonntag auf Facebook, dass die ukrainischen Truppen mehr als zehn Kilometer in Richtung der besetzten Stadt vorgerückt seien. Die Armee werde "in naher Zukunft" sowohl Melitopol als auch das Regionalzentrum Cherson befreien, so Fedorow. Der ukrainische Generalstab meldete am Abend, dass der Feind die Luftabwehr in der Region Cherson verstärke.

Der ukrainische Präsident Woldodymyr Selenskyj berichtete Sonntagfrüh über seinen Besuch bei ukrainischen Streitkräften im Süden des Landes vom Vortag. In dem Video, das anscheinend in einem fahrenden Zug aufgenommen wurde, sagte Selenskyj, er habe mit Soldaten, der Polizei und der Nationalgarde in der Region Mykolajiw, rund 550 Kilometer südlich von Kiew gesprochen. "Sie alle zweifeln nicht an unserem Sieg", sagte Selenskyj. "Wir werden den Süden niemandem überlassen, und alles, was uns gehört, werden wir uns zurückholen."