Die Spaltung ziehe sich sowohl durch die Bevölkerung als auch durch die Staats- und Regierungschefs, so Londoño. Präsidenten wie Kolumbiens Staatschef Gustavo Petro hätten eine mögliche US-Intervention verurteilt, während andere, etwa Argentiniens Präsident Javier Milei, den Machtverlust Maduros begrüßten und erklärten, "endlich gibt es Freiheit in Lateinamerika".

Auch ehemalige Präsidenten aus dem rechten politischen Spektrum des Nachbarlandes Kolumbiens, darunter Álvaro Uribe und Iván Duque, würden den Zusammenbruch der Regierung Maduro feiern oder zumindest positiv bewerten. Londoños Ansicht nach sei Maduro offiziell weiterhin im Amt sei und die rechtliche Lage entsprechend ungeklärt. Laut Medienberichten hatten die USA jedoch Venezuelas Präsidenten und seine Frau in der Nacht auf Samstag festgenommen.

Besonders groß sei in Lateinamerika die Angst vor einer erneuten militärischen Intervention der USA. Diese Sorge sei historisch begründet, erklärt Londoño, und stehe in engem Zusammenhang mit wirtschaftlichen Interessen. "Die USA haben in der Vergangenheit mehrfach militärisch interveniert, wenn es um Erdöl ging - etwa in Kuwait oder im Irak", sagt der Experte. Auch im Fall Venezuela spiele Erdöl eine zentrale Rolle. "Die USA und Donald Trump machen sehr deutlich, dass sie ein starkes Interesse am Erdöl haben und ihre Investitionen in diesem Sektor ausbauen wollen", sagt Londoño.

Noch am Vortag habe Maduro erklärt, er wolle "Möglichkeiten schaffen, um US-Investitionen im venezolanischen Erdölsektor auszuweiten". Offiziell werde das Vorgehen der USA häufig mit dem Kampf gegen Drogenhandel und autoritäre Regime begründet. Der Politologe hält diese Argumentation jedoch für vorgeschoben. "Hinter dieser Rechtfertigung steht ein deutliches Interesse am venezolanischen Erdöl", sagt er.

Auf die Frage, was nun in Venezuela passieren könne, verweist Londoño vor allem auf die Rolle des Militärs. "Maduro hat es geschafft, das Militär auf seiner Seite zu haben - und das hat ihm geholfen, an der Macht zu bleiben", sagt der Politologe. Diese Unterstützung sei der entscheidende Faktor gewesen, der sein Überleben als Präsident trotz massiven Drucks von innen und außen ermöglicht habe.

Eine andere politische Figur werde diese Loyalität kaum in gleicher Weise erhalten. "Wer nicht Maduro ist, wird diese militärische Unterstützung sehr wahrscheinlich nicht bekommen", so Londoño. Gleichzeitig sei das Regime über Jahre hinweg stark abgenutzt gewesen - politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich.

Die Zukunft des Landes sei dennoch kaum vorherzusagen. Die Wahlen seien hoch umstritten gewesen, und die Opposition sei seit Jahren gespalten. Zwar habe sich mit María Corina Machado ein bekanntes Gesicht etabliert, doch fehle es weiterhin an einer geschlossenen Führung. Innerhalb Venezuelas gebe es zudem sowohl treue Verbündete Maduros, die eine US-Intervention strikt ablehnten, als auch Akteure, "die seit langem auf genau so eine Intervention gewartet haben".

Rechtlich betrachtet liege die Macht nun bei Vizepräsidentin Delcy Rodríguez. Das politische Vakuum, das Maduro hinterlasse, sei extrem umstritten", so laut Londoño. "Maduro hatte einen großen Teil der Bevölkerung und vor allem das Militär auf seiner Seite", betont er. Gerade diese militärische Rückendeckung sei "der Schlüssel zur Macht in Venezuela" gewesen. Derzeit dominiere daher vor allem eines: Unsicherheit - über den politischen Übergang, über mögliche ausländische Einflussnahme und über die Stabilität Venezuelas und der gesamten Region.

(Das Gespräch führte Sara Meyer/APA in Bogotá)