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Hilfsorganisationen wollen Pflege als "Wahlkampfthema Nr. 1"

Die Hilfsorganisationen fordern von der Politik, das Thema Pflege verstärkt auf die Agenda zu setzen. "Pflege muss das Wahlkampfthema Nummer 1 werden", sagte Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser auf einer Pressekonferenz der Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt am Donnerstag. Von den wahlwerbenden Parteien und der kommenden Bundesregierung erwartet sie sich eine Einbindung der NGOs.

© APA (Archiv)
 

"Involvieren Sie uns als gemeinnützige Organisationen", so die derzeitige Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG) in Richtung der Politik. "Wir wissen, was die Menschen brauchen, wie es den Menschen, den Angehörigen geht." Dieses Wissen sollte "fruchtbar gemacht werden in der politischen Debatte".

Zwar würden die politischen Parteien in ihren Wahlprogrammen und Aussagen im Wahlkampf "ein gewisses Problembewusstsein" erkennen lassen, konstatierte Moser. "In der öffentlichen Diskussion ist dieses Thema aber noch nicht angekommen." Moser wie auch ihre Kollegen verwiesen auf die Dimension des Themas: Derzeit gibt es knapp 500.000 Pflegebedürftige und rund eine Million pflegende Angehörige, so die Diakonie-Direktorin.

An erster Stelle müsse nicht die Frage der Finanzierung stehen, sondern jene nach einem "tragfähigen Konzept", betonte die BAG-Präsidentin. "Wir dürfen nicht Menschen, die viel zur Gesellschaft beigetragen haben, nur als Kostenfaktor betrachten. Das ist unwürdig." Fix sei, dass die Finanzierung "solidarisch" erfolgen müsse, waren sich die BAG-Vertreter einig. Pflege müsse "leistbar sein für alle", es dürfe keine "Zwei-Klassen-Pflege" geben, so Moser. Wie die Finanzierung dann schlussendlich aufgestellt wird, "ist letztlich eine Entscheidung der Politik", betonte Caritas-Generalsekretär Bernd Wachter.

Auch solle man den Pflegesektor als "wirtschaftliches Thema" betrachten, sagte Moser: "Investitionen in die Pflege lohnen sich", verwies sie etwa auf eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), wonach 70 Prozent der Investitionen in die Pflege via Sozialabgaben und Steuern wieder "ins Gesamtsystem" zurückkommen. "Natürlich kostet die Pflege, aber nicht nur." Auch solle man nicht auf die vielen Jobs vergessen, die insbesondere auch in strukturschwachen Gebieten geschaffen werden.

Wachter betonte vor allem die Notwendigkeit der Unterstützung der Pflegenden Angehörigen. 80 Prozent jener, die Pflege und Betreuung brauchen, möchten zuhause betreut werden, sagte er. Es brauche daher für die Angehörigen "österreichweit passgenaue flächendeckende Unterstützungsangebote", vor allem einen Ausbau der mobilen Dienste. Darüber hinaus brauche es eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. Daher müsse endlich die Forderung nach einem Rechtsanspruch auf Pflegekarenz und Pflegeteilzeit umgesetzt werden, so Wachter.

Rot Kreuz-Generalsekretär Michael Opriesnig wies auf die Lücke zwischen den mobilen Diensten, die Betreuung von zwei bis drei Stunden anbieten, und der 24-Stunden-Betreuung hin. Hier brauche es weitere Angebote, auch um die Angehörigen zu entlasten. Hilfswerk-Geschäftsführerin Elisabeth Anselm wiederum betonte, dass die "Einstufungslogik" beim Pflegegeld veraltet sei: So müssten neben den körperlichen Einschränkungen auch vermehrt die neurologischen (etwa Demenz), psychologischen und psychosozialen Faktoren herangezogen werden.

Erich Fenninger von der Volkshilfe sprach das Problem des Personalmangels im Pflegesektor an: "Österreich leidet an einem Pflegemangel. Wenn jetzt nicht die Weichen für die Zukunft gestellt werden, wird das katastrophal enden." Er verwies auf Wifo-Berechnungen, laut denen man im Jahr 24.000 Arbeitskräfte in diesem Sektor brauche, im Jahr 2050 dann schon 79.000. Und es bestehe schon jetzt ein Mangel. "Wir wünschen uns von der nächsten Regierung, dass sie mit uns spricht" - und die Lage "über unsere Expertise" richtig erkennt, so Fenninger.

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