Dirigent Karsten Januschke feuerte Orchester, Sänger und den Bregenzer Festspiel-Chor zu recht forscher und phasenweise kantiger Interpretation an. Die Regie des Hans-Neuenfels-Schülers Henry Arnold verzichtete auf historisches Zeitkolorit, durch Lautsprecher-Einspielung der Dialoge verlor das Werk v.a. im ersten Teil etwas den Opern-Faden und wirkte im herben Bühnenbild und den zeitlosen Kostümen von Kathrin Hauer, die an Samurai-Rock und Schotten-Kilt erinnerten, wie eine anregend illustrierte konzertante Aufführung.

Die Gesangssolisten haben durchwegs gute oder zumindest respektable Leistungen geboten. In der Titelpartie der um ihren gefangenen Mann kämpfenden Leonore bewies Susanne Bernhard als verkleideter Fidelio gesangliches und schauspielerisches Format. Tenorale Sicherheit im "Gott, welch Dunkel hier" zeigte Wolfram Igor Derntl als eingekerkerter Florestan.

Mit Spielfreude und sicherem Bariton-Fundament überzeugte Raphael Sigling als Kerkermeister Rocco. Adam Kim verkörperte elegant den tyrannischen Don Pizarro. Das Buffo-Paar Marzelline und Jaquino waren bei Reka Kristof und Thomas Elwin gut aufgehoben. Ebenso konnte der von Benjamin Lack einstudierte Bregenzer Festspielchor im Gefangenen-Kostüm reüssieren.