Der amerikanisch-israelische Krieg gegen den Iran geht bald in die vierte Woche, aber die Mullahs in Teheran machen immer noch keine Anstalten, die Segel zu streichen. Trotzdem träumt Donald Trump bereits von der Übernahme Kubas. Er könne mit dem Land machen, was er wolle. „Sie haben kein Geld, sie haben kein Öl, sie haben gar nichts“, erklärte der US-Präsident nun im Weißen Haus vor Journalisten.

Hätte man noch vor zehn Jahren gedacht, dass der Anführer der freien Welt solche Reden schwingen könnte?

Unweigerlich beginnt man da alles zu schätzen, was sich der zunehmenden Brutalisierung der Welt, in der bald nur mehr das Recht des Stärkeren gelten könnte, als noch so banal wirkende Form der Zivilisiertheit entgegensetzt, und sei es nur eine sprachliche Eigenart, die ich für mich gern den steirischen Imperativ nenne.

Gemeint ist die im österreichischen Süden weit verbreitete Gepflogenheit, unmissverständliche Wünsche, Postulate, Forderungen und Anordnungen mit dem Modalverb mögen als simple Frage zu verbrämen.

„Magst mir den Teller geben?“ Das klingt doch einfach viel höflicher als ein im preußischen Kasernenhofton geschnarrtes: „Gib mir den Teller, aber dalli!“

Diese Form des höflichen, aber doch bestimmten Umgangstons funktioniert freilich nur bedingt, und in manchen Fällen überhaupt nicht. Man stelle sich nur den griechischen Philosophen Diogenes vor, der auf die Frage Alexanders des Großen, welchen Wunsch er ihm erfüllen könne, erwidert: „Magst mir aus der Sonne gehen?“ Oder die eigentümlich singende Kinderstimme im wohl berühmtesten Bekehrungserlebnis der Geschichte des christlichen Abendlandes, die Aurelius Augustinus im Sommer des Jahres 386 in einem Garten in Mailand unter einem Feigenbaum vernahm: „Tolle, lege!“ – „Nimm und lies!“ Hätte der junge römische Intellektuelle zur Bibel gegriffen, wenn die ferne Stimme gefragt hätte: „Magst nehmen und lesen?“

Ja, nicht einmal James Bond in der Bar ist in der sympathischen steirischen Variante der Befehlsform denkbar: „Magst mir den Martini schütteln, nicht rühren?“

Sie sehen also, ohne Imperative kommt man im Großen wie im Kleinen nicht aus. Aber es ist ein entscheidender Unterschied, ob sie in einer Welt formuliert werden, in der die Mächtigen sich ohne lang zu fackeln das nehmen, wovon sie meinen, dass es ihnen zustehe, oder in einer globalen Ordnung, die auf einem klaren und verbindlichen Regelwerk basiert.

Einen heiteren, von jeder irdischen Schwerkraft befreiten Tag wünscht Ihnen mit herzlichen Grüßen
Stefan Winkler