Vor vielen Jahren, zu meiner Wiener Zeit, kam mir auf dem Hohen Markt ein Mann entgegen, der mich freundlich grüßte. Erst erkannte ich ihn gar nicht, so verändert wirkte er. Doch dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Es war ein ehemaliger Landeshauptmann, der ein paar Monate zuvor nach einem ziemlich schmutzigen Wahlkampf abgewählt worden war. Wir schüttelten einander die Hand, tauschten ein paar höfliche Floskeln aus und verabschiedeten uns dann rasch. Das Treffen, das wir vereinbarten, ist nie zustande gekommen. Aber ich hab‘ später oft an diese flüchtige Begegnung denken müssen. Die Macht besitzt eine ganz eigene, einzigartige Aura, manche sagen sogar, sie habe etwas Erotisches. Sie zieht an und sie strahlt aus. Doch fällt sie von einer Person ab, dann nehmen wir diesen Menschen mit einem Mal mit ganz anderen Augen wahr. Und manchmal, da erkennen wir ihn sogar kaum wieder.