Vor bald genau 100 Jahren, am 10. Oktober 1920, entschieden sich die Bewohner des Grenzgebietes Südkärnten mit einer Mehrheit von fast 60 Prozent für die damals noch junge Erste Republik Österreich. Nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie Ende 1918 sollten große Teile Kärntens dem damals ebenso jungen Staat Jugoslawien zugesprochen werden. Das brachte nicht etwa nur Diskussionen mit sich, sondern Besetzung, Abwehrkampf und mehr als 420 Tote.

Im Jahr 1919 wird im Friedensvertrag von St. Germain etwas Außergewöhnliches entschieden: Die Kärntner durften in freier Selbstbestimmung über den Staat entscheiden, dem sie angehören wollten. Fast überall anders in Europa wurden die neuen Grenzen ohne Mitsprache der Betroffenen festgelegt.

Chance für die Zukunft

Dieses historische und für das Land Kärnten bis heute prägende Ereignis bietet den Anlass, sich mit der eigenen Geschichte und Identität auseinanderzusetzen, eine Standortbestimmung im Hier und Jetzt vorzunehmen und – ganz wesentlich – den Blick auch auf zukünftige Entwicklungen zu richten. Vor allem aber ergibt sich anlässlich dieser 100 Jahre Kärntner Geschichte die Chance, neue Perspektiven aufzunehmen und das Jubiläumsjahr aktiv mitzugestalten. Durch COVID-19 wurden einige Veranstaltungen verschoben, sodass sich das Programm bis ins Jahr 2021 ziehen wird.

© Weichselbraun

Die Menschen im Mittelpunkt

Bei „CARINTHIja 2020 – ein Land in Zeitreisen und Perspektiven“ steht nicht ein Ort im Mittelpunkt, sondern ganz Kärnten. Und damit vor allem die Menschen, die unser schönes Bundesland bewohnen. Insbesondere auf die ehemalige Abstimmungszone richtet sich der Fokus im Jubiläumsjahr 2020. Ziel von CARINTHIja 2020 ist, möglichst viele Menschen direkt in die vielfältigen Aktivitäten einzubinden. Abwechslungsreich spannt sich somit ein Band über alle kulturellen Sparten und sprachlichen Hürden hinweg und bringt das Vielfältige, das Verbindende, das Grenzenlose zum Ausdruck – über das Jahr 2020/2021 hinaus.

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Abwechslungsreiche Veranstaltungen

Mehr als 300 Veranstaltungen finden und fanden in Erinnerung an die Volksabstimmung statt. Das qualitativ hochwertige Programm wird von den Kärntnerinnen und Kärntern selbst kreiert. Insgesamt 132 Vereine, Initiativen, Organisationen, Institutionen, Kunstschaffende und Studierende haben ihre Projektideen zu den Themenbereichen „Kultur: Kunst und Brauchtum“, „Wissenschaft“ und „Schulen“ eingereicht. Daraus traf eine Expert*innen-Jury eine Auswahl von 89 Projekten.
Das Gesamtprogramm ist dadurch denkbar abwechslungsreich geworden. Es deckt alle Sparten des gesellschaftlich-kulturellen Lebens ab – von wissenschaftlichen Konferenzen bis hin zu künstlerischen Performances. Akteurinnen und Akteure vor Ort bespielen lokale Veranstaltungsorte und bringen mit ihren Aktivitäten die Bandbreite des Kulturlandes Kärnten zum Ausdruck.

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Eine Ausstellung unterwegs

Darüber hinaus zieht auch die „Mobile Ausstellung“ durch Kärnten. Das Motto lautet: Nicht das Land besucht die Ausstellung, die Ausstellung kommt ins Land. Die Mobile Jubiläumsausstellung war erstmals im Juni in Völkermarkt zu sehen und ist danach in ungeahnte Höhen gewandert, auf den Großglockner, wo sie bis 2. August Station machte. Danach ging es weiter nach Feldkirchen, aktuell kann man der Ausstellung in Villach einen Besuch abstatten, wo sie noch bis 27. September zu sehen ist. Zum Abschluss geht es in die Hauptstadt: von 3. Oktober bis 1. November ist die Mobile Ausstellung in Klagenfurt. So haben möglichst viele Menschen und alle Generationen die Möglichkeit, die Ausstellung zu besuchen.

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Innovativ, interaktiv, integrativ

Auf einer 40 Meter langen Ausstellungsplattform werden 100 Jahre Kärntner Geschichte erlebbar gemacht. Die Besucher können einen Blick zurückwerfen auf die historischen Hintergründe der Volksabstimmung 1920, dazu Einblicke in die Gegenwart gewinnen und Ausblicke auf die zukünftige Entwicklung Kärntens wagen. Weitere Themen sind Erinnerungsorte, politische Beteiligung und demokratische Prozesse, Sprachspiele und Lebenschancen sowie ein grenzenloses Kärnten als traditionsreiche Zukunftsregion Europas.