ORF-Sendung ''Im Zentrum''Impfpflicht sorgt auch bei Expertinnen noch für Skepsis

Österreich führt als erstes Land Europas eine allgemeine Impfpflicht gegen die Corona-Pandemie ein. Darüber wurde am Sonntagabend in der ORF-Diskussionssendung "Im Zentrum" diskutiert.

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Beraterinnen der Bundesregierung und Expertinnen sehen die angekündigte Impfpflicht zum Teil noch mit Skepsis. In der ORF-Diskussionssendung "Im Zentrum" wurde etwa davor gewarnt, dass man zögernde Menschen damit endgültig von einer Impfung abhalte. Auch die Frage, was passiere, wenn die "Ultima Ratio" Impfpflicht nicht greife, sei offen. Die Generaldirektorin für die Öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium, Katharina Reich, verwies auf die noch laufenden Gespräche.

Die Politikwissenschaftlerin Barbara Prainsack, die laut eigenen Angaben bei Beratungen eingebunden war, berichtete, dass sie gegen eine Verpflichtung argumentiert hat. Die Impfung sei ein wichtiger Beitrag, aber: "Wenn man hohe Durchimpfungsraten möchte, dann ist eine Pflicht nicht das erste Instrument der Wahl." Denn es bestehe die Gefahr, Menschen zu verlieren, die sich sonst vielleicht doch zu dem Schritt entschlossen hätten.

Lockdownfrust und Impfpflichtzwist - Schafft die Regierung eine Wende?

Man könne sich außerdem ausrechnen, dass viele der Betroffenen Ausnahmen geltend machen würden – oder einfach die Strafen zahlen. Die Einführung der Impfpflicht werde als "Symbolpolitik" verstanden. Prainsack sprach sich für andere Wege, etwa für verpflichtende Beratungsgespräche in Sachen Impfung aus.

Heidemarie Holzmann, die Vizepräsidentin der Gesellschaft für Vakzinologie und Mitglied des nationalen Impfgremiums, konstatierte: "Ich glaube, die Impfpflicht ist ein sehr heikles Thema und wie man es macht, macht man es falsch." Nötig wären "extrem viel Begleitmaßnahmen". Der Dialog müsse hier unbedingt wieder aufgenommen bzw. intensiviert werden. Sie kündigte zudem an, dass die Ausnahmen streng gefasst würden. Dies werde derzeit noch ausgearbeitet.

Aufklärung unbedingt notwendig

Holzmann verwies außerdem darauf, dass es noch "sehr viele Mythen" bei jungen Erwachsenen im gebärfähigen Alter gebe. "Hier müssen wir noch ansetzen." Schwangere seien von der Pflicht zwar ausgenommen, da es sich um Off-Label-Anwendungen handeln würde, Aufklärung sei aber trotzdem unbedingt nötig. Denn es gebe viele Komplikationen bei an Covid erkrankten Schwangeren.

Die Rechtsanwältin und Arbeitsrechtsexpertin Katharina Körber-Risak erinnerte daran, dass die Impfpflicht wiederholt als "Ultima Ratio" bezeichnet worden sei: "Das heißt, wir haben dann nichts mehr." Offen sei, wie man dann vorgehen wolle, wenn die Verpflichtung nicht funktioniere. Den Arbeitsplatz hier auszunehmen, suggeriere zudem, dass man ohnehin davon ausgehe, dass es einen hohen Anteil Ungeimpfter geben werde. Das sei auch kommunikativ schwierig.

Konsequent wäre etwa auch am Arbeitsplatz eine Verpflichtung zu 2G – auch um die Verantwortung nicht an die Arbeitgeber abzuwälzen. "Ich sehe aber keinen Dialog zu dem Thema", beklagte Körber-Risak.

Nicht alle "mit einer Pflicht erreichbar"

"Mir gefällt die Impfpflicht auch nicht, ich sag's ganz offen", gestand Gesundheits-Generaldirektorin Reich: "Ich glaube nicht, dass wir alleine mit der Impfpflicht durchkommen." Noch gebe es Menschen, die zögern. Diese seien mit einer Pflicht alleine nicht zu erreichen.

Sie betonte ebenfalls, dass die Gespräche noch nicht abgeschlossen seien – etwa zum Bereich Arbeit: "Wir haben das in vielen Runden diskutiert, wir sind da noch nicht fertig." Die Impfpflicht sei aber jedenfalls eine Form zu zeigen, dass die Weigerung keine "lässliche Sünde" darstelle und dass es nun "wirklich ernst" sei.

Diskutiert wurden in der Runde auch Anreizsysteme wie etwa finanzielle Zuwendungen bei einer Corona-Impfbereitschaft oder Lotterien. Der Politologe Peter Filzmaier befand, dass man nicht konsequent genug versucht habe, solche Instrumente einzusetzen.

Lob gab es jedoch für den neuen Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP). Reich berichtete davon, dass dieser an seinem ersten Arbeitstag zu einer Expertenrunde geladen habe. Nehammer habe genau zugehört, Fragen gestellt und sich für Details interessiert. Seine Vorgänger Sebastian Kurz und Alexander Schallenberg hätten dies "nicht in dieser Art und Weise" getan.

Kommentare (22)
ichbindermeinung
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muss in dann in allen 27 EU-Ländern gelten u. nicht ungleich für Ö

diese Pflicht müßte dann flächendeckend wegen der EU-Gleichbehandlung in allen 27 EU-Ländern gelten und nicht ungleich nur für die Bürger in Österreich

tomtitan
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Das stimmt nicht -

in vielen Bereichen sind die Gesetze in den einzelnen Mitgliedsländern eben NICHT gleich.

schteirischprovessa
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Ich bin auch skeptisch.

Doch so wie es aussieht, ist es die einzige Lösung, von der man sich eine ausreichende Impfquote erwarten kann.
Uns so lange die Damen keine bessere Lösung vorschlagen können, wird man wohl auf die nicht ideale Lösung der Impfpflicht zurückgreifen müssen.
Da von irgendeiner Aufklärung oder Selbstverantwortung zu schwafeln, wird nur bei ganz wenigen helfen.
Denn jene, die hardcore gegen die Impfung sind, glauben niemanden außer den Lügen auf telegram und Kickl. Diese seriös zu machen, überschreitet die Möglichkeiten der Regierung, selbst mit Unterstützung von SPÖ und NEOS bei weitem.

gastro-chri
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gastro-chri

Hallo,
also die Sendung gestern fand ich sehr spannend. Zum einen, weil endlich aufgekommen ist, dass sich auch die Experten und Verantwortlichen (!) noch uneinig sind, und zum anderen, weil endlich vernünftige Diskussions-Vorschläge wie die Verknüpfung mit dem Arbeitsrecht - auch wenn wenig konkret - an den Tag gelegt wurden. Hierzu möchte ich auch anknüpfen:
Seit über einem Jahr beweisen wir (Gastro und Hotels), dass die 3G- und neuerdings auch 2G-Zutrittsregeln funktionieren, wenn sie von den Behörden streng kontrolliert werden! Infektionsrisiko sehr gering (bei uns gleich 0).
Lasst uns doch als "ultima ratio" den Arbeitsbereich auch komplett übernehmen, und zwar mit 2G und folgender Ausnahme:
Pro Betrieb (mit bis zu 20 Mitarbeiter:innen) sollte es zumindest eine Person geben, die von der 2G-Regel freigestellt wird, wenn ich von dieser Person annehmen kann, dass sie brav und regelmäßig testet. Bei der in der Branche üblichen 6-Tage-Woche wären das 4 Tests pro Woche - was ja nach anerkannten Studien das Übertragungsrisiko mehr minimiert als die Impfung!
Wir können es uns auch nicht leisten (noch mehr) Mitarbeiter zu verlieren!
Die, die das Testen nicht regelmäßig machen und somit den laufenden Betrieb, Gesundheit und v.a. Strafen für Arbeitnehmer und -geber riskieren, sollten de facto auch zum Impfen gezwungen werden dürfen!
Dann brauchen wir auch keine allgemeine Impf-Pflicht als "ultima ratio"!

hortig
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@gastro-chri

Die Experten haben auch nicht die Endvetantwortung

samro
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wenn es darum geht dass sich manche vor der impfung aengstigen

dann warum bieten die initiatoren ihnen nicht psychische hilfestellung bei aerzten an mit dem geld das da gerade teils gesammelt wird ducrch so manchen demoinitiator?

samro
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jetzt klaert mich auf

warum will das keiner?
ist doch eine edle idee.
traegtzu beruhigung der lage bei und hilft den betroffnen.

Pelikan22
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Bla bla bla und wischi waschi!

Macht endlich Nägel mit Köpfen und tut das, was getan werden muss! Wenns so weitergeht, stehen wir in 100 Jahren noch mit dem selben Problem an. Wenns dann überhaupt noch Menschen gibt!

wischi_waschi
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ORF

Wird gekündigt!

JL55
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ORF wird gekündigt?...und auf ServusTV umgeleitet?

Doch nicht? Dann hätte ich eine Anregung: Höhere Sozialversicherungsprämie bezahlen! Für den Fall des Falles...!

Geom38
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Bin zwar mehrfach geimpft

allerdings war's bislang eben meine Entscheidung. Und die war durchaus nicht so klar, nachdem ich mein persönliches Risiko einer Ansteckung samt schwerer Folgen für ziemlich überschaubar halte. Mein Arbeitszimmer ist daheim, komme außer zum Einkaufen kaum mal unter Menschen, und dafür reicht mMn die Maske vollends aus (was auch Studien mittlerweile bestätigen). Auch das ist für viele die's ähnlich halten, sicher ein Argument sich dann eben gar nicht impfen zu lassen. Bis zur Grundimmunisierung nach dem 3. Stich wird man einen Großteil vielleicht noch halbwegs motivieren können, aber darüber hinaus würde ich das dann stark bezweifeln. Weil regelmäßige weitere 2 (oder gar 3) Stiche pro Jahr (Impfung sollte man das dann besser nicht nennen, an eine solche bestehen andere Ansprüche) werden sich viele dann doch nicht mehr verpassen lassen.

Heinz-55
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Diktatur der ungeimpften!

Wielange noch werden die ungeimpften gehätschelt? So leicht ist mir die impfung auch nicht gefallen!

selbstdenker70
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..

Ich kann es nur immer wieder sagen. Ungeimpfte müssen dringend den geimpften gleichgestellt werden. Im Handel gilt sowieso überall ffp2 und für Friseure oder Lokale kann man ohne Probleme ein PCR Test Pflicht einführen, sprich 3G wie es auch bei der Arbeit gilt. Somit nimmt man einmal den ersten Druck aus dem Kessel raus, die Ungleichheit. Und auf diese Beruhigung kann man einen vernünftigen Dialog aufbauen. 100% wird man nie erreichen. Solche Dinge funktionieren vielleicht in einer Diktatur oder haben vor Jahrzehnten funktioniert wo die Menschheit nicht so vernetzt war....

STEG
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Ist den Menschen

die eigene Gesundheit wichtig? Anscheinend nicht. Wenn sie sich wegen der Impfpflcht nicht impfen lassen wollen und die Gesundheit Nebensache wird, sind sie sich der Tatsache nicht bewusst, dass Covid sie persönlich trifft. In der Statistik sind sie dann eine Zahl.
Das Mitleid hält sich in Grenzen!

wischi_waschi
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STEG

Die Impfung nutzt nichts......
Es wird von den Medien und von dieser abscheulichen Politik provoziert bis zum Nimmerleinstag!
Mit der Gesundheit hat das nichts mehr zu tun!

JL55
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Sie können nur hoffen,

dass Sie in Ihrer Echokammer weiter vom SARS-CoV-2 Virus verschont bleiben, was ich aber aus gutem Grund bezweifeln muss...!

gberghofer
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Ich nehme an sie sind Experte

Von wo beziehen sie ihre Weisheiten? Doch nicht aus dem Internet. Es ist schon erstaunlich dass von dort jeder Schmarrn geglaubt wird.

STEG
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Alle Länder weltweit

forcieren die Impfung!!! Haben Sie sich schon über internationale Nachrichten informiert? Anscheinend nicht, sonst wären Sie geimpft. Impfungen haben einen größeren Anteil an der Gesundheit als Medikamente.
Weil sie Krankheiten verhindern, nicht behandeln!

Horstreinhard
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Wischt-waschi

Nomen war Omen…

selbstdenker70
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..

Und genau diese Diskussionen sind kontraproduktiv. Dieses ewige, du wirst in der intensiv liegen, ist in meinen Augen total falsch. Ich kann nicht nonstop suggerieren, impfen oder schwerer Verlauf im Krankenhaus. Die Menschen sind ja nicht blöd. Wenn ich sehe, auf derzeit ca 70.000 positive, kommen 2500 im Krankenhaus, und davon knapp 600 auf die Intensiv, dann merkt auch der dümmste, es gibt zwischen positiv und intensiv noch etwas anderes, nämlich einen normalen Verlauf und das ist die große große Mehrheit. Und erst wenn das einmal richtig kommuniziert wird, kann ich mich wieder normal unterhalten und das ablehnen der Impfung hinterfragen.

JL55
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Ihr Denkfehler: 1.) Die meisten Covid-19 Toten

verzeichnet die Statistik auf der Normalstation! 2.) Der Aufwand für Covid-19- Schwersterkrankte auf der "Intensiv" ist weitaus höher (Personal-und Geräteeinsatz + Medika) als im Durchschnitt... Und 3.) ist es nicht immer so klar, warum der eine Mensch den schweren Verlauf erleiden muss... Es sind beileibe nicht nur Erkrankte mit gravierenden Vorerkrankungen... Bei der Identifizierung der genaueren Ursache(n) ist die Forschung nach wie vor mit großem Einsatz dran... Also: Nur mit Zahlen eine Risikominimierung zu betreiben ist eher die Methode "den Kopf in den Sand stecken", auf die ich mich nicht verlassen würde...

STEG
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55000 Personen

waren wegen einer schweren Coviderkrankung im Spital. Wären erstickt, ohne medizinische Behandlung.
Allen , die im Spital landen, droht der Erstickungstod!
Solange das nur Sie betrifft, ist es belanglos, aber anstecken dürfen Sie niemanden!!!!