Drei SzenarienHart, weich, minimal: Die Lockdown-Optionen

Der Begriff „Lockdown“ hat viele Gesichter: Ausgangsbeschränkungen für alle, für manche, zu bestimmten Uhrzeiten – eine Übersicht.

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© (c) michaelheim - stock.adobe.com (Michael Heim)
 

Lockdown ist nicht gleich Lockdown, das hat Österreich in den drei Phasen, in denen das Land bisher großflächig „heruntergefahren“ worden ist, gelernt: Im Frühjahr und November 2020 sowie über den Jahreswechsel war das Land in einem Zustand, der seither als „harter Lockdown“ bezeichnet worden ist. Davor und dazwischen experimentierte die türkis-grüne Bundesregierung mit diversen „light“- und Mischvarianten, dazu kamen noch regional beschränkte Lockdowns wie der „Ost-Lockdown“ in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland rund um Ostern 2021.

Das Ziel all dieser Maßnahmenpakete war dasselbe wie jenes, das nun von Experten dringen empfohlen wird: Die Reduktion von Kontakten in der Bevölkerung, die die Weitergabe des Virus eindämmen sollte.
Wirklich bewährt haben sich in der kalten Jahreszeit – in der Menschen naturgemäß eher in Innenräumen zu finden sind, wo eine Infektion leichter vonstatten geht – nur die „harten“ Lockdowns, wenn man das Ziel an der Reduktion der Infektionszahlen festmacht.


Rechtlich hat die Regierung – in Abstimmung mit dem Hauptausschuss (es braucht also eine einfache Parlamentsmehrheit – einen weiten Spielraum, was Maßnahmen nach dem Epidemie- und dem Covid-Maßnahmengesetz angeht: Der Verfassungsgerichtshof hat zwar etliche Verordnungen von Ex-Minister Rudolf Anschober mangels Begründung aufgehoben – aber gleichzeitig einen weiten Spielraum betont, wenn Maßnahmen gut begründet sind.

  1. "ALLES ZU"
    Selbst der „harte Lockdown“ hieß in Österreich nie, dass alle in ihren Wohnungen eingesperrt wären (wie es China teils handhabt) oder nur einen bestimmten Radius um ihren Wohnort betreten durften (wie es in Frankreich war). Aus den sprichwörtlich gewordenen „vier Gründen“ – sich zu versorgen, zu arbeiten, anderen zu helfen oder zur Erholung im Freien“ – durfte man bisher noch jederzeit hinaus.

    Allerdings waren die Möglichkeiten dort stets eingeschränkt: In den „harten Lockdowns“ waren alle nicht-essenziellen Geschäfte zugesperrt – nach dem ersten immerhin mit der Möglichkeit zur Abholung –, auch Dienstleistungen (z. B. Friseure) mussten zu bleiben, sämtliche Freizeitbetriebe (Kinos, Sportstätten, Theater, Museen) sowieso.

    Andere Arbeitsstätten blieben aber unberührt: Selbst die Anregung, wo möglich auf Homeoffice umzustellen, kam nie über den Status einer „Empfehlung“ hinaus, was vor allem viele Eltern vor schwere Probleme stellte: Schulen und Kindergärten blieben nur für „dringende Betreuungsnotwendigkeit“ geöffnet. Die Öffis verkehrten nur ausgedünnt.

  2. "LIGHT"
    Der „Lockdown light“ ist im November 2020 gescheitert – der Versuch, nur einen Teil der Wirtschaft einzuschränken, erwies sich als ungeeignet, die Infektionszahlen einzudämmen. Im Frühjahr, gepaart mit wärmerem Wetter, erwies er sich allerdings als taugliche Variante für Lockerungen.

    Handel und Dienstleister durften in dieser Variante offenhalten, Treffen unter maximal zwei Haushalten blieben erlaubt. Veranstaltungen mit Ausnahme des Profisports waren untersagt, Theater, Museen und Freizeiteinrichtungen wurden geschlossen. Lokale blieben zu, Hotels waren nur noch für Geschäftsreisende offen. Dafür blieben Kindergärten, Volksschulen und Unterstufenklassen für den Regelbetrieb geöffnet, nur Oberstufen mussten ins Distance Learning.

    Nach nur zwei Wochen musste die Regierung vor einem Jahr eingestehen, dass diese Variante nicht den erhofften Erfolg brachte – und verhängte erst wieder einen „harten“ Lockdown. Ob das heute genauso ausgehen oder ob der Impfschutz inzwischen ausreichen würde, um das Gesundheitssystem auch mit einem Lockdown „light“ abzusichern, ist unklar.

  3. "MINIMAL"
    Als Minimalvariante könnte die Regierung auch noch über eine „softere“ Form der bundesweiten Maßnahmen nachdenken: „Nur“ die Hochrisikobetriebe – Discos und Fitnesscenter zum Beispiel – zusperren und Gastronomie, Freizeitbetriebe und den nicht essenziellen Handel mit einer Reihe zusätzlicher Auflagen offenhalten.

    Als mögliche „gelindere“ Maßnahmen kämen hier etwa – wie in mehreren Öffnungsschritten in der Vergangenheit vorexerziert – Maskenpflichten, Abstand oder Maximalbelegungen infrage. Allerdings sprechen mehrere Gründe gegen eine solche Vorgehensweise: Erstens lassen sich beispielsweise Lokale schon jetzt unter 2G-Pflicht kaum noch kostendeckend betreiben; mit „ausgedünnter“ Gästeschar wären sowieso neue Hilfsprogramme nötig. Entscheidender ist allerdings, dass jede Maßnahme eine Woche und mehr braucht, bis ihr Erfolg (oder Mangel daran) im Infektionsgeschehen sichtbar wird. Und jeder Tag, der mit im Endeffekt zu schwachen Maßnahmen vergeudet wird, läuft Gefahr, erst wieder in einen harten Lockdown zu Weihnachten zu münden.

Kommentare (10)
Oma2013
0
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Impfpflicht

(ausgenommen aus gesundheitlichen nachweisbaren Gründen) und kein Lockdown Weil sich sonst nie was ändern wird. Diesmal kann man nur mit rigorosen Massnahmen zum Ziel kommen. Egoistische, uneinsichtige Impfgegner, -verweigerer etc. sind sehr kreativ und finden stets Ausreden. Wieviele Lockdowns soll es noch geben? Wer zahlt den wirtschaftlichen Schaden? Die junge Generation!
Ungeimpften schlage ich vor, unser Gesundheitssystem (z.B
OPs, Medikamente, Therapien etc.) nicht in Anspruch zu nehmen, ist ja eh alles böse. Andere brauchen z.B. ein Intensivbett dringender (Krebspatienten, wichtige OPs, nach Unfällen etc.) Das nenne ich mal Solitarität.

brody1977
3
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Was wird ein Lockdown bewirken?

Die Leute nehmen diese Regierung und ihre Landeshauptleute nicht mehr ernst. Dann treffen sie sich in den privaten Haushalten und wenn sie nicht zur Arbeit müssen werden sie auch nicht testen gehen.Die Zahlen werden vielleicht runtergehen,aber es könnte auch in die andere Richtung gehen.
Bin gespannt bis wann es eine Entscheidung gibt.Wen an die letzte Zeit anschaut wird es diese in diesem Jahr e nicht mehr geben.
Ich wäre dafür das unsere Politiker so lange mal auf ihr Gehalt verzichten bis sie ihre Arbeit richtig geacht haben.

Übrigens habe ich vorgesternmeine Auffrischung auf Johnson bekommen.
Wollte mich bei dem Beratungsgespräch davor noch informieren und hatte Fragen. Wurde mir von der Ärztin keine einzige Beantwortet.Es kam was ich will,bei der spanischen Grippe hat auch niemand die Impfung hinterfragt und die wären froh gewesen.Sie versteht nicht warum alle diese Impfung hinterfragen.Aber das ist glaube ich das Recht von jedem.
Trägt nicht zur Impfbereitschaft bei.

Dr.B.Sonnenfreund
11
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Kein Sport für lange Zeit ist total falsch !

Gerade für unsere Kinder ist es wichtig Bewegung machen zu können. Jetzt womöglich über Weihnachten hinaus unserer Jugend jeden Sport zu verbieten, halte ich für Schwachsinn pur. Es gibt zwar im Lockdown dann weniger Covid Infektionen, jedoch viele Wochen Sportverbot haben weit mehr gesundheitliche Folgen für Kinder und Jugendliche. Sie sitzen dann daheim vor elektronischen Medien, statt etwa Tennis, oder Fußball zu spielen oder Schwimmsport auszuüben.
Man sollte auch im Lockdown möglichst viele Sportmöglichkeiten anbieten, das wäre dann wirklich im Sinne der Gesundheit, nicht den Sport verbieten ! Denn die Übergewichtsproblematik bei unserer Jugend, wurde in den vergangenen Lockdowns oft genug thematisiert. Also bitte diesen Fehler jetzt nicht wiederholen.

wiesengasse10
4
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Ich mache ihnen einen Vorschlag Freund der Sonne !

Jede Minute, die sie hier mit kommentieren verbringen, könnten sie mit Sohn/Tochter sportelnd zu Hause oder im Freien verbringen. Macht auch Spass und fördert das Familiengefüge. Irgendwie ists typisch für die heutige Zeit, Eltern schieben alles auf Schule, andere "Einrichtungen" usw. ab. Übrigens: bitte präzisieren sie ihr "es herrscht Sportverbot"...was meinen Sie damit und wo steht das ???

fans61
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OMG

Ein erbärmliches Schauspiel der österreichischen Politik: Die Landeshauptleute schieben die Entscheidung an den Bund, der Bund verordnet lediglich Rahmenbedingungen und überlässt es den Ländern härtere Maßnahmen zu treffen. Alles auf dem Rücken der Bevölkerung, die ohnehin „gewollt“ gespalten ist.
Wir sind aber in keiner Komfortzone für politische Spielchen – hier geht’s für einige Menschen um Leben und Tod. Und wenn nicht bald ein lockdown für alle folgt wird’s dramatisch.
Die Entscheidung für 2G und der lockdown für Ungeimpfte ist ein Rohrkrepierer, auch wenn es keiner zugeben möchte. Über eine Impfpflicht zu diskutieren ohne einen wirklichen „gamechanger“ zu haben, der das hält was er verspricht, ohnehin obsolet. Wer will sich schon jedes halbe Jahr für unabsehbare Zeit impfen lassen?

Dr.B.Sonnenfreund
4
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Wer will sich jedes Jahr zweimal impfen lassen ?

Ich zum Beispiel, wenn ich dadurch als Risikopatient gut geschützt bin , und quasi Normalität leben kann. So ist es leider in einer Pandemie. Ich freue mich, dass ich heute noch in die Therme fahren kann und einen entspannten Abend + Action auf den Wasserrutschen genießen werde können.
Vielleicht ja das letzte mal für längere Zeit ist das heute noch möglich....ich freue mich jedenfalls darauf !

Captain Einsicht
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...

Ich wäre für einen Wuhan-Style Lockdown inkl. Verschweißen der Haustüren

Dr.B.Sonnenfreund
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Erklären Sie Captain

bitte einem sportlichen Jugendlichen der viel Bewegung braucht, dass er die Wohnung wochenlang nicht verlassen darf.....Schwachsinn Captain, betone ich hiermit nochmal !! Sie können ja in der Wohnung bleiben, aber verlangen Sie das nicht auch von unseren Kindern (die sind unsere Zukunft !)

ebner333
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Auch in der Wohnung...

Und in einer Wohnung kann man keinen Sport betreiben?
Es gibt auch während des Lockdowns jede Menge Möglichkeiten Sport zu betreiben,keine Ahnung was die Jammerei soll...

Dr.B.Sonnenfreund
5
8
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Schwachsinn

Herr Captain, ich hoffe das war Ironie.