OberösterreichIntensivbetten für Covid-Patienten werden knapp

In oberösterreichischen Spitälern wird es eng: Intensivbetten für Covid-Patienten werden knapp, planbare Operationen müssen verschoben werden, Triagen drohen. Das Personal erkrankt selbst und ist zunehmend überlastet.

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In Oberösterreichs Spitälern spitzt sich die Lage zu.
In Oberösterreichs Spitälern spitzt sich die Lage zu. © APA/HELMUT FOHRINGER
 

In manchen oberösterreichischen Krankenhäusern spitzt sich die Lage zu. Planbare Operationen müssen bereits verschoben werden, Triage und Abstriche in der Akut-Medizin drohen. Sollten die derzeit politisch getroffenen Maßnahmen nicht helfen, bliebe für Erwin Windischbauer, Geschäftsführer des stark betroffenen Krankenhaus Braunau "nur mehr ein harter Lockdown".

333 Intensivbetten können in den oö. Spitälern maximal betrieben werden. Derzeit sind 103 Plätze für Covid-19-Erkrankte reserviert, 86 waren mit Stand Mittwochfrüh belegt. 147 Intensivbetten sind für Patienten mit anderen Krankheiten da.

Keine zusätzlichen Betten

Im Krankenhaus St. Josef Braunau werden seit Wochen sechs Covid-Patienten auf der Intensivstation betreut. "Wir haben keine zusätzlichen Intensivbetten für Covid-Patienten mehr zur Verfügung", erklärte Windischbauer. Diese Woche seien auf der Intensivstation keine Impfdurchbrüche behandelt worden.

Planbare Operationen müssen verschoben werden. "Wir haben derzeit bereits die OP-Kapazität um ein Drittel reduziert und müssen nächste Woche auf die Hälfte reduzieren", so der Geschäftsführer. Personal sei nicht mehr ausreichend vorhanden.

Personal überlastet

Windischbauer spricht von Krankenständen und quarantäne-bedingten Ausfällen, die in manchen Bereichen viermal so hoch seien wie im langjährigen Durchschnitt. Aktuell seien 41 Beschäftigte an Covid-19 erkrankt. "Darüber hinaus müssen wir viele offene Planstellen verzeichnen."

Das Personal gebe das Beste für die Versorgung der Patientinnen und Patienten, "doch die Überbelastung ist auf Dauer nicht mehr stemmbar", schlug Windischbauer Alarm. Noch könnten Akutfälle wie gewohnt behandelt werden, für Intensivpatienten könnte Triage allerdings ein Thema werden. Helfen alle Maßnahmen nichts, fällt Windischbauer "nur mehr ein harter Lockdown" ein.

Intensivbetten voll, Plan-OPs abgesagt

Ein ähnlich düsteres Bild zeichnete der ärztliche Direktor des Salzkammergutklinikums und Teil des oö. Krisenstabs, Tilman Königswieser, für die Standorte Bad Ischl, Gmunden und Vöcklabruck am Mittwoch im "Standard". Bezieht man die Betten ein, die für Akutfälle wie Herzoperationen oder Unfälle freigehalten werden müssen, war am Mittwoch mit 15 Betten gut die Hälfte der 28-Intensivplätze mit Corona-Infizierten belegt.

Königswieser sprach gegenüber der APA von abnormen Zusänden in den Salzkammergutkliniken. So musste bereits Personal umgeschichtet werden, weshalb "von 18 OP-Sälen in unseren drei Standorten aktuell nur sieben in Betrieb sind", sagte der leitende Mediziner.

Allein an diesen drei Standorten mussten vergangene Woche "170 Plan-OPs abgesagt" werden. Das bedeute massive Einschnitte für Menschen, die mit anderen Erkrankungen als Corona zu kämpfen haben. Geplante nicht lebensnotwendige Operationen finden laut Königswieser kaum bis gar nicht mehr statt.

Niedrige Impfquote sorgt für "harte Welle"

Für die "harte Welle" macht er die niedrige Impfquote im Bundesland in Kombination mit dem hochinfektiösem Virus und der kalten Jahreszeit verantwortlich. Und dabei hatten wird "das Mittel, die vierte Welle wirklich nicht ausbrechen zu lassen", meinte er fast schon resignativ.

"Es tut uns weh, dass die Naturwissenschafter die Bevölkerung nicht von der Impfung überzeugen konnten." Wenn die Kurve noch ein, zwei Wochen steige, "wird es knapp", meinte Königswieser weiter. Das bedeute, Spitäler könnten in die Situation kommen, auch Akutes und Dringliches nicht mehr in gewohnter Qualität abarbeiten zu können.

Intensivpatienten großteils nicht voll geimpft

In Oberösterreich waren von den 79 Corona-Intensivpatienten mit Stand Dienstag mehr als zwei Drittel nicht voll geimpft. Die 24 Intensivpatienten mit Impfdurchbrüchen seien laut dem ärztlichen Direktor "allesamt medizinisch erklärbar". Es seien entweder Personen mit schwerwiegenden Vorerkrankungen oder ältere, bei denen der Zweitstich mehr als ein halbes Jahr her sei.

Als der Mediziner am Mittwoch selber Impfungen vornahm, kam er mit einer älteren Frau ins Gespräch. Sie sei keine Impfgegnerin, aber "ich hätte schon gedacht, dass sich auch die anderen schützen lassen", entschuldigte sie quasi ihr "späte" Auffrischung.

Kommentare (2)
itsok
1
5
Lesenswert?

Schuld sind

Kickl und MFG und alle, die denen fetzendeppert gefolgt sind......

schteirischprovessa
1
12
Lesenswert?

Ist doch ganz einfach:

Wer nicht geimpft ist, bekommt kein Spittalsbett.
Dann sind ganz rasch genügend Betten vorhanden, damit notwendige Operationen durchgeführt werden können.
Nach irgendwelchen Kriterien muss man bei einer notwendigen Triage schließlich vorgehen.