ORF-Generaldirektor Roland Weißmann musste am Montag den Hut nehmen. Der ÖVP-nahe ORF-Manager galt bis zuletzt als sichere Bank bei der anstehenden Neubestellung des ORF-Direktoriums im August. Mit einer Wiederbewerbung Weißmanns wurde daher gerechnet. Diese ist durch die Ereignisse vom Tisch.

Heinz Lederer, Vorsitzender des Stiftungsrates, erklärte am Montag, dass eine ORF-Mitarbeiterin gegenüber dem Generaldirektor „Vorwürfe der sexuellen Belästigung“ erhoben habe. Diese dürften schwerwiegend sein: Das Aufsichtsgremium über den ORF gab dem Generaldirektor in der Folge eine Frist von wenigen Tagen zum Rückzug. Weißmann bestreitet diese Vorwürfe und spricht über seinen Anwalt von einer „überschießenden Reaktion“. Den Rückzug trat er dennoch an.

„Schrift-, Ton- und Bildmaterial“ stellen Vorwurf dar

Der folgenschwere Vorfall an sich liegt schon einige Jahre zurück: Es ist die Rede, dass der Umgang mit der Mitarbeiterin nicht mit einem professionellen Arbeitsumfeld in Einklang gestanden haben soll. Gegenüber dem Ö1-Mittagsjournal äußerte sich Stiftungsrat Lederer deutlicher: Ihm wurden „Schrift-, Ton- und Bildmaterial gezeigt, die den Vorwurf darstellen lassen“.

Die unmittelbare Konsequenz daraus: Der ORF hat ab Donnerstag eine neue Generaldirektorin. ORF-Radiodirektorin und Ex-ZIB-2-Moderatorin Ingrid Thurnher wird vom ORF-Stiftungsrat interimistisch zur Generaldirektorin bestellt werden. Sie wird das Amt bis zum Antritt eines neuen Generaldirektors, wohl am 1. Jänner 2027, ausüben.

Opfer wollte Rücktritt Weißmanns

Im Gespräch mit Armin Wolf erklärte der ORF-Stiftungsratsvorsitzende Heinz Lederer ausführlich, wie es zum Rücktritt von Roland Weißmann gekommen ist. Laut Lederer hat sich der Anwalt des Opfers in der Vorwoche an den Stiftungsrat gewandt und die Vorfälle mit Weißmann bekannt gegeben. Es wurde Bild-, Text- und Videomaterial vorgelegt. Das Opfer hätte kein Geld verlangt, sondern den Rücktritt des ORF-Generaldirektors. Daraufhin hätte Weißmann das Datenmaterial auf Richtigkeit prüfen sollen, dass es nicht „von der KI erstellt“ worden sei, das hätte Weißmann jedoch nicht getan, dann aber seinen Rücktritt angeboten.

Dass die Vorwürfe der sexuellen Belästigung kurz vor der ORF-Wahl aufgetaucht sind, möchte Lederer nicht bewerten, er sei jederzeit der vollen Transparenz verpflichtet, es gebe keine Toleranz bei solchen schwerwiegenden Vorwürfen.

Und: Er sei sehr froh, dass Ingrid Thurnher, die am Donnerstag dem Stiftungsrat vorgestellt und hoffentlich gewählt werde, gleich zugestimmt hätte, die vakante Position zu übernehmen. Sie soll bis Jahresende den ORF führen.

Es sei ein guter Wunsch, dass eine Frau danach als neue ORF-Spitze fungiere, er werde die beste, den besten aussuchen und eine gute Wahl treffen. Die neue Führungspersönlichkeit solle das positive Miteinander im ORF stärken, die öffentlich-rechtlichen Aufgaben verstehen und sie auch umsetzen.

Auf die Frage von Armin Wolf, ob die strengen Maßstäbe auch für die Mitglieder des Stiftungsrates gelten würden, meinte Lederer, dass sie selbstverständlich für alle gelten würden. Wenn es Verfehlungen gäbe, müssten diese aufgeklärt werden.