Neues Holocaust-Denkmal Shoah-Namensmauer für 64.000 ermordete Juden in Wien eröffnet

Viele Denkmäler setzen sich mit der Monstrosität des Holocausts auseinander, keines erinnert an die Opfer: In Wien wurde am Dienstag die Gedenkmauer mit den Namen der 64.440 ermordeten österreichischen Juden eröffnet.

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Bundeskanzler Schallenberg vor der Shoah-Namensmauer
Bundeskanzler Schallenberg vor der Shoah-Namensmauer © (c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
 

Es ist ein besonders beklemmendes Mahnmal, das an die dunkelste Stunden unserer Geschichte, an die Vernichtung der österreichischen Juden in den Gaskammern, erinnert. Eingerahmt von der Nationalbank, dem Landesgericht, dem Alten AKH ist dieser Tage am Rande der Wiener Innenstadt die beeindruckende Namensmauer fertiggestellt worden. Am Dienstag, dem Jahrestag der Reichsprogromnacht, ist der  Gedenkort seiner Bestimmung übergeben worden. Bundespräsident Alexander Van der Bellen wollte kommen, saß aber wegen eines Corona-Falls in der Präsidentschaftskanzlei zu Hause in Quarantäne.  

Kommentare (6)
mobile49
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endlich

in jeder ortschaft , aus der juden ermordet wurden , müsste so ein mahnmal mit den namen zu finden sein .
und schande über die , die diese grauenhafte zeit noch immer nicht als das was sie war benennen wollen .
über die größte schande , die österreicher mitverschuldet haben , wenn nicht gar hauptverschuldet .
schande , schande , schande

lieschenmueller
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@mobile49

Laut Erzählungen bei uns in der Familie gab es im Ort einen Einzigen. Doktor B. - der plötzlich "weg war". Was mit ihm passierte, wusste man nicht.

Man stelle sich vor, diesen einen Menschen findet man, in einer kleinen Gemeinde. Ich wollte zuerst schreiben "spürt ihn auf". Aber das impliziert fast, er hätte etwas angestellt. Hat er nicht. Aus einer Wahnidee von einer plötzlich aufgescheuchten Meute, die kurz vorher noch ganz normale Nachbarn waren. Oder Patienten. Weiß aber nicht, ob der Doktortitel was mit dem Arztberuf zu tun hatte. Aus diesem Irrsinn raus war er nicht mehr zugehörend.

Von dieser großen Zahl auf dem Denkmal weiß man das Schicksal. Hat in Erinnerung das, was man aus dem Fernsehen* kennt. Und bei meinem Jahrgang wurde das erst in den 80er-Jahren Thema. Nach der amerikanischen Serie Holocaust. Griechische Mythologie wurde gründlicher behandelt in der Schule als der 2. WK und die unmittelbare Zeit davor.

*Berge von Koffern, Schuhen, Brillen. Da blitzt bei mir der Gedanke immer auf, man stellt fest, das Kind braucht neue Stiefel oder Sandalen. Man kauft sie ihm. Man stellt fest, es sieht schlecht, es bekommt eine Brille. Und all das was von ihm übrig blieb sind diese Sachen. Geraubte Leben!

mobile49
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@lieschenmueller

ja lieschen - ich bin ja über 10 jahre älter als du und wir haben die punischen kriege rauf und runter gelernt - aber die österreichische geschichte hörte ca. vor der revolution 1848 auf - keine zeit mehr für aufarbeitung ?!? egal auf welcher schule -es waren zu viele "entnazifizierte" überall !!!
und auf nachfrage bekam man "nix genaues" bzw vages zu hören .
und von vater bekam ich immer zu hören -"zum glück wurde er von den amis 1942 in libyen gefangen genommen und in oklahoma ging es ihm so gut wie niemals zuvor , erst als auschwitz befreit wude , wurden sie sehr schlecht behandelt , jedoch immer noch besser , als von den nazis , denn essen bekamen sie von den amis immer ausreichend !" ausserdem sagte er immer - jeder soldat sei ein mörder und es gebe keinen lebenden helden - diese seien alle gestorben , weil sie einem anderen das leben dadurch retteten > genau so kann ich meinen vater in erinnerung behalten - ich liebe ihn

lieschenmueller
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Meine Eltern erzählten mir, sie waren Jahrgang 1930/32,

nach Kriegsende mussten sie ins Kino gehen und es wurden ihnen die Filme gezeigt über diese armen Menschen nach der Befreiung. Die meisten nur mehr Haut und Knochen.

SO haben sie erfahren, was passiert ist.

Die Großväter waren so Zwischenjahrgänge, für den 1. WK zu jung, für den 2. zu alt. Außerdem arbeiteten sie in der Stahlindustrie bei uns im Mürztal, die anscheinend "kriegsnotwendig" war.

Irritierend ist, dass Leute sagen, man solle "endlich damit aufhören, das sei so lange her". Bittschön, nicht mal ein durchschnittliches Menschenleben von ca. 80 Jahren ist die Zeit dazwischen.

Ich bin in diesem "nie wieder" aufgewachsen und irgendwie hatte man die Meinung, damals sei eine andere "Art Mensch" gewesen.

Das denke ich jetzt nicht mehr. "Die Krone der Schöpfung" bleibt die gleiche. Leider.

mobile49
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@lieschenmueller

du bringst es genau auf den punkt !
danke

wie man sieht , dieses thema interessiert ganz wenige - und dabei anscheinend auch einige , die sich angesprochen fühlen - vielleicht hilft das beim nachdenken >> ironie off

lieschenmueller
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@mobile

Ich kann nur hoffen, der Name dieses Doktor B. steht nicht auf der Gedenkstätte, sondern er hat es irgendwohin geschafft.

Und hat Kinder und Kindeskinder.