Pressestimmen zur Krise"Gigantomanisches Selbstbild": Auslandspresse teilt aus

Auch am Samstag kommentieren internationale Zeitungen und Webseiten die Ermittlungen gegen BundeskanzlerSebastian Kurz und die ÖVP.

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© APA/Hans Klaus Techt
 

"Spiegel" (Hamburg):

Schöner als Sebastian Kurz es getan haben soll, kann man unsere Umfragen-geile Mediendemokratie eigentlich nicht vorführen. Wenn die Vorwürfe stimmen, sollen Kurz oder seine Unterstützer bei Demoskopen vorteilhafte Umfragen bestellt, oder besser: gekauft haben. Und zwar mit Steuergeldern. Auf dem Hype der vermeintlich künstlich verhübschten Umfragen entstand dann jenes Momentum, das Kurz erst zum Chef einer neuen, entkernten Österreichischen Volkspartei machte. Und schließlich zum Chef des ganzen Landes. Stimmen die Vorwürfe, würde diese Diskussion zeigen, wie manipulierbar Demokratien sind, die immer mehr Umfrage-Klitschen immer größere Bedeutung bei der Beurteilung politischer Prozesse zubilligen.

"Neue Zürcher Zeitung":

 "Wären Österreichs Politik und Presse ein Paar, so müssten sie dringend zum Therapeuten. Denn sie verbindet eine ungesunde Beziehung, geprägt von gegenseitiger Abhängigkeit und Abneigung. Bereits der ehemalige Vizekanzler Heinz-Christian Strache stolperte über seine medialen Machtphantasien für den Boulevard, Journalisten bezeichnete er als 'die grössten Huren auf dem Planeten'. Nun hängt die Karriere des Bundeskanzlers Sebastian Kurz wegen der dubiosen Abkommen seines Umfelds mit dem Revolverblatt 'Österreich' an einem seidenen Faden."

"Süddeutsche Zeitung" (München):

"Wie der Großputz aber aussehen soll - eine Minderheitsregierung, eine Koalition aus SPÖ, Grünen und Neos mit Duldung der FPÖ, eine Expertenregierung oder aber ein ÖVP-Ersatzmann für Kurz -, ist so unklar wie riskant und wohl nur eine Lösung auf Zeit. Andererseits: Wie wollte Kurz ein ganzes Konvolut entkräften, ethisch und politisch zumindest, über das sich derzeit die Republik beugt?"

"taz" (Berlin):

"Gigantomanisches Selbstbild, Selbstverliebtheit des Anführers, Führerkult der Günstlinge und die kriminelle Energie der gesamten Bande haben ein Ausmaß angenommen, das nicht einmal die härtesten Kritiker von Kurz angenommen hätten. Die Chatprotokolle, die bis gestern Nachmittag durchsickerten, lassen einen mit offenem Mund zurück.

Der nun hoch wahrscheinliche völlige Zusammenbruch des Systems Kurz ist einer skurrilen Form der "Digitalisierungsoffensive" geschuldet: Die Beteiligten haben sich in aufreizender Vertrotteltheit und euphorischer Aufgeblasenheit so detailliert via Whatsapp und SMS abgesprochen, dass sie sich selbst ans Messer geliefert haben. Die Gigantomanie mag dazu sicher noch beigetragen haben, denn die geht gerne mit der Illusion der Unverwundbarkeit und damit auch mit mangelnder Vorsicht einher."

"Abendzeitung" (München):

"In Österreich scheint der Riss zwischen den beiden Regierungsparteien unüberbrückbar. Die Grünen stellten am Freitag klar, dass eine Fortsetzung ihrer Koalition mit der konservativen ÖVP angesichts der schweren Korruptionsvorwürfe gegen Kanzler Sebastian Kurz nur ohne ihn möglich sei. (...) Kurz wurde schon einmal per Misstrauensvotum aus dem Amt gedrängt: Im Mai 2019 stimmte eine Mehrheit im Parlament gegen den ÖVP-Chef und seine gesamte Regierung. Damals folgten Neuwahlen, die Kurz und seine Partei deutlich gewannen. Für einen Rücktritt des Kanzlers noch vor einem weiteren Misstrauensvotum gab es zuletzt keine Anzeichen."

"Thüringer Allgemeine" (Erfurt):

"Die Vorwürfe haben alle Zutaten für eine Staatskrise. Denn es geht um die Frage, ob der wundersame Aufstieg von Sebastian Kurz nicht mit rechten Dingen zuging. Ob seine steile Karriere an die Spitze der ÖVP und in die Führung des Landes auf einem korrupten System beruht, das seine persönlichen Berater, die ÖVP und am Ende auch die mächtigsten Medienmacher des Landes umfasst."

"br.de" (München):

"Mit Steuergeld finanzierte Anzeigen der Regierung, egal ob vom Bund, den Ländern oder den Kommunen, sind eine wesentliche Einnahmequelle der österreichischen Printmedien. In Deutschland wäre dies 'unzulässige Wahlwerbung' - da hat das Bundesverfassungsgericht einen Riegel vorgeschoben. In Österreich macht das jede Partei, die an den Schalthebeln der Macht sitzt und damit Zugriff auf die Etats hat."

"watson.de" (Berlin).

"Kurz steht wegen der Affäre so stark unter Druck wie nie, seit er 2017 zum ersten Mal Bundeskanzler wurde. Das Ganze ist aber nur der jüngste und krasseste Beleg dafür, dass die Union Sebastian Kurz nicht zum Vorbild nehmen sollte. Wer CDU und CSU nach dem Modell Kurz ausrichten will, führt die Parteien nach dem historisch schlechten Bundestagswahlergebnis weiter nach unten."

Kommentare (15)
wjs13
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Was sit den schon so interessant

an linken, ja sogar offen marxistischen (taz), Kampfblättern.
Was die schreiben wei´ß man schon vorher. Schade um die Zeit.

salziere
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Bitte, man kläre mich auf

Ich verstehe folgendes:
Sicher, wenn 1,irgendwas Million Euro vom Steuerzahler für Klumpat ausgegeben wird, soll es ausreichende Genugtuung geben und alle sind zurecht empört. Andererseits ist ein Milliönchen zu nationalen Ausgaben in Relation gesetzt, kaum ein halber Tropfen auf den heißen Stein. Man verzeihe die schlechte Differizierung, Danke.
Meine Frage:
wie wichtig nimmt irgendjemand sogenannte veröffentlichte Umfragen überhaupt, die sowieso inflationär wie kaum was eingesetzt werden. In meinen Augen ist so eine Einflussnahme zwar ein ganz schlechter Stil und der Vergleich zu Haiders Buberln ist gerechtfertigt. Da gehören auch die Protagonisten je nach Einsatz und deren Bemühen 'auf der dunklen Seite der Macht' gleich weg. Aber das Wort Korruption hatte sich bislang für mich halt anders definiert. Z.B. Gesetze direkt erkaufen zu wollen, Straffreiheit erkaufen etc.
Aber zurück zu Umfragen. Wer gibt auf sowas eine Pfiff?!? Noch dazu, wenns in so einem Blattl wie dem vom Fellner erscheint. Nichts für ungut, aber ich empfand 'Österreich' immer als Boulevard, unterster Schublade. Von daher ist auch komplett irrelevant, was die in dieser 'Fachzeitschrift' ins Layout setzen. Also wie stark ist eurer Meinung nach die direkte Auswirkung auf eine Wahl, also wo der WählerIn sein Kreuz hinsetzt. Bei mir nämlich 0,0.
Wenn dann noch Politikerkollegen mit dem Götz Zitat belegt werden, ist das der Position und dem Stand der Elitepolitik ganz sicher unwürdig. Aber diese Welle?

checker43
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Und

die Industriellenvereinigung machte sich Sorgen um schlechte Presse wegen 28 % für Kahr.

Gelernter Ösi
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Lack

Scheinheiligkeit, Pharisäertum

Vielgut1000
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Es gibt in Österreich wohl keinen Politiker der stärker gegen den Antisemitismus kämpft als Kurz.

Daher ist der Mißtrauensantrag gegen Kurz abzulehnen, Weil die Gefahr, dass Herr Kickl dann bald in der Regierung sitzt sehr groß ist. Die türkis-grüne Koalition soll weiterarbeiten - und eine Reform der Presseförderung beschliessen. Es gibt in Österreich keinen Politiker der stärker gegen den Antisemitismus kämpft als Bundeskanzler Kurz.

FRED4712
1
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und überhaupt ist er der beste....

kurz und haider....ein traumpaar.....österreich war und ist ohne beide nichts....ironie off

Gelernter Ösi
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Prost!

.

himmel17
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House of Kurz und die Wahrheitsverdreher

Das Kartenhaus Kurz bricht gerade in sich zusammen. Alle Ausreden und Ablenkungen ziehen nicht mehr. Die Wahrheitsverdreher wurden aufgeklatscht! Mit "Jetzt erst recht!" geht diesmal gar nichts mehr. Österreich zuerst!

Patriot
3
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Kurz hat Österreich und seine BürgerInnen zum Gespött gemacht!

Dafür gehört er zusätzlich bestraft. Wenn die ÖVP - Landeshäuptlinge ihn weiter stützen, machen sie sich zu Mittätern und werden dafür auch zur Rechenschaft gezogen werden!

pinsel1954
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Die Bürger unseres Landes werden jetzt wohl auch nachdenken...

....können wir unseren Politikern, unseren Parteien noch was glauben.
Zieht es nur jene Menschen in die Politik deren Chrakter mehr als fragwürdig ist?
...und welche Rolle spielen dabei unsere Medien, können wir denen noch etwas galuben, oder gilt bei Informatioen "wer zahlt schafft an!" ???

Allgemein dürfte in den letzten Tagen das Vertrauen an die Politik im Allgemeinen, aber auch das Vertrauen an den Medien sehr zum Wanken gekommen sein....

Beides ist nicht gut!

schadstoffarm
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Grün wählen

Standard lesen, Problem gelöst.

FartMaster3000
3
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Und

was machst dann hier?

future4you
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Auch die Leserinnen und Leser

solcher Schmierenblätter müssen sich die Frage stellen, was ihr Anteil daran ist. Denn Qualitätsjournalismus kostet Geld und von irgendwoher muss die Kohle ja kommen, wenn nicht von den LeserInnen und einer transparenten Medienförderung. Und wenn die Blätter gratis verteilt werden, dann muss es jemand zahlen und freiwillig zahlen tut nur jemand, der einen Nutzen darin sieht. Eigentlich simpel!

nicha20
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mme zwar zu...

...aber viele auch sogenannte Qualitätsmedien haben sehr hohe Förderungen, auch zusätzliche Coronagelder, erhalten. Sehr fragwürdig das ganze, insofern die einheitliche Panikberichterstattung.

FRED4712
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panik??? bei 10000 Toten??

dir gehts hoffentlich NOCH gut.....bald nicht mehr