ArbeiterkammerCorona-Folgen: "Unternehmen überfördert, Arbeitnehmer sind Verlierer"

Die Arbeiterkammer hat sich im Detail angeschaut, wie sich die finanziellen Belastungen durch die Corona-Krise verteilen. Davon solle auch abhängen, wer in welchem Ausmaß von der Steuerreform profitiert und wie die Kollektivvertragsverhandlungen laufen.

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In den Verhandlungen über die Details der geplanten Steuerreform geht es nun ans Eingemachte. Die knappe Erkenntnis von AK-Direktor Christoph Klein aus den Berechnungen der Arbeiterkammer: "Jetzt ist nicht die Zeit für Steuergeschenke an die Wirtschaft, jetzt sind die Arbeitnehmer dran."

Die Arbeiterkammer wollte wissen, wer die wirtschaftliche Hauptlast der Coronakrise trägt, und hat sich deshalb die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Statistik Austria angesehen. "Die Zahlen haben uns selber verblüfft", sagt AK-Direktor Christoph Klein. Der Schluss, den die AK aus den Zahlen zieht, ist dennoch nicht überraschend: Verlierer der Coronakrise seien vor allem die Arbeitnehmer, während die Unternehmen insgesamt von einer Überförderung profitiert hätten.

Für ihre Analyse haben sich die AK-Ökonomen die Primärseite der Verteilungsrechnung angesehen und dabei den Arbeitnehmern die Arbeitnehmerentgelte zugerechnet, nämlich brutto mit Beiträgen zur Sozialversicherung inklusive Dienstgeber-Beiträgen, Unfallversicherung und Krankenversicherung.

Auf der Unternehmensseite wurden die Bruttobetriebsüberschüsse - im wesentlichen Gewinne und Abschreibungen - verbucht. Auch die Selbstständigen-Einkommen wurden hier dazugezählt. "Was der Arbeitgeber an Steuern zahlt, wie Körperschaftsteuer, Einkommenssteuer ist sozusagen im Unternehmenseinkommen enthalten."

Alles zusammen sei die Bruttowertschöpfung, "das ist das, was im Land produziert wird", erklärte Klein. "Da schneidet natürlich der Staat auch noch mit, mit Gütersteuern, insbesondere der USt und sonstigen Produktionsabgaben, zum Beispiel dem FLAF-Beitrag."

Die AK hat den Zeitraum vom 1. April 2019 bis 31. März 2020 - "die Zeit, als die Welt noch in Ordnung war" - mit dem Zeitraum vom 2. Quartal 2020 bis zum 1. Quartal 2021 verglichen. In dieser Zeit ist das Bruttoinlandsprodukt um 20,8 Mrd. Euro gesunken, von 396,3 Mrd. auf 375,5 Mrd. Euro. "Dass der Staat um 20,4 Mrd. Euro weniger hat, ist einleuchtend", so Klein. Davon seien 16,7 Mrd. Euro zusätzliche Subventionen, "die ganzen Coronahilfen, deren Sinnhaftigkeit niemand bezweifelt, haben einfach einen Haufen Geld gekostet".

Unternehmereinkommen gestiegen

Während jedoch wegen Corona auf der Arbeitnehmerseite durch Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit, aber auch weniger Überstunden in Summe um 5,5 Mrd. Euro weniger verbucht wurden, seien die Unternehmereinkommen in dieser Zeit um 5,1 Mrd. Euro gewachsen. "Das ist sicherlich ein zarter Hinweis auf eine Überförderung", meinte Klein im Gespräch mit der APA. Viele Unternehmen seien mit den Förderungen "sehr gut über die Runden gekommen".

Dabei könne man nicht genau sagen, welche Branchen profitiert hätten, sagte Klein zur APA. Gewisse Branchen seien auch in der Coronazeit ausgesprochen gut gelaufen, etwa der Bau, die Industrie und der Lebensmittelhandel.

Die Schlussfolgerung, die Klein daraus zieht: "Jetzt ist in der laufenden Steuerreform-Diskussion nicht die Zeit für Steuergeschenke an die Wirtschaft, sondern jetzt sind die Arbeitnehmer dran. Das gilt auch für die anstehenden Kollektivvertragsverhandlungen."

"Konjunktur nicht abwürgen"

Eine rasche Rückführung der gestiegenen Staatsschulden ist nach Ansicht der Arbeiterkammer nicht vordringlich. Jetzt sofort Einschnitte beim Sozialstaat und bei Investitionsförderungen oder Steuererhöhungen vorzunehmen, "halten wir nicht für sinnvoll". Im Moment gehe es darum, "das zarte Konjunkturpflänzchen nicht wieder abzuwürgen".

Kommentare (19)
ilselampl
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.....die werden

den Kreislauf nie verstehen ......................

schteirischprovessa
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Was soll schon von der AK anderes kommen?

Ist ja eine Vorfeldorganisation der SPÖ und eine sachliche Expertise hat noch nie zu deren yRepertoire gehört.

So wie so
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Überfördert

Bin mir nicht ganz sicher wie es da abgelaufen ist...aber wenn ichs richtig anschaue habe ich den Eindruck das grossteils der Hilfen sehr woll in die Wirtschaft geflossen ist.Alleine bei der Kurzarbeit mit fast 90% Ersatzleistung....wäre eine Freistellung des Arbeitnehmers mit ca 55%Arbeitslosengeld aufgestockt auf 70% noch billiger gewesen und so manch anderes.Weil meiner Meinung nach keine Steuersenkung in diesem Ausmass und in derer kurzen Zeit machbar gewesen wäre.jede Steuerreform mit 5 mrd. war immer eine Jammerei von allen Seiten und dann sind x mrd auf schiefer Ebene einseitig dort hingerutscht.Muss jetzt mein Kapitel beenden.

Patriot
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Das war von Anfang an klar!

Wenn man, so wie Kurz und Blümel, den Unternehmern 80% des UMSATZES vom letzten Jahr als Coronaentschädigung überweist, hat man sie selbstverständlich wissentlich überfördert. Noch dazu, weil sie in dieser Zeit vielfach ihre Mitarbeiter auf Kurzarbeit schickten.
Wobei die Kurzarbeit ein eigenes Kapital ist. Vielfach wurde trotz Kurzarbeit illegal voll weitergearbeitet und wieder haben die Unternehmer davon profitiert.
Alle Arbeitnehmer, die Kurz wegen seiner Flüchtlingspolitk gewählt haben, werden dafür von ihm so richtig verarxxxt, denn sie werden die Geldgeschenke an die Unternehmer zurückzahlen!

hortig
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@patriot

Die 8o % bekam die Gastronomie und Hotellerie. Und die waren diejenigen, die am längsten geschlossen hatten. Und zeig uns einmal wieviele Betriebe dieser Sparte Überfoerdert waren.... Und wenn wegen Kurzarbeit illegal weitergearbeitet wurde ist das wohl nicht Schuld der Regierung.
Aber ja, typisch rot, im Nachhinein ist immer locker schimpfen.

Gotti1958
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hortig

Du als türkiser Freund kannst sicher sagen, warum der Finanzminister die Wirtschaftshilfen an Unternehmer nicht offenlegt.

Balrog206
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Gotti

Was wird den in Ösistan schon mit ehrlichen Zahlen veröffentlicht ! Nicht einmal dir Arbeitslosen Zahlen , welche genauen Zahlen gibts den bei der Migration ( kosten f Gesundheit uswusw ) ! War das unter roter Führung anders ?

hortig
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@Gotti1858

Du würdest es eh nicht verstehen

Patriot
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@hortig: Dass die Unternehmer überfördert wurden, ist Fakt!

Das wird erst in den nächsten Monaten und Jahren so richtig ans Tageslicht kommen. Ob's dem Bundeskanzler Pinocchio passt, oder nicht. Und das wird ihm auch mit großer Wahrscheinlichkeit die nächste NR-Wahl versauen.
Dass Ihnen als Türkiser das nicht schmeckt, ist klar.
Übrigens bin ich nicht rot. Ich mag nur den Pinocchio und den Herpferd nicht, weil sie Österreich schaden! Vor allem den Arbeitnehmern und Pensionisten.

hortig
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@Patriot

Dann halt ein Kickl Jünger. Das würde zum Sprachschatz passen

Patriot
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@hortig. Hab' ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt?

Ich mag den Herpferd nicht!

diss
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Kurz schaut eben auf seine Förderer.

Arbeitnehmerinnen gehören wahrscheinlich nicht dazu.

hortig
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@diss

Sicher, die Gastronomie zählte ja zu den Grossspendern.....

SoundofThunder
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Und vor allem welche Unternehmen

Amazon und Co

UHBP
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Unternehmen sogar überfördert, Arbeitnehmer die Verlierer

Aber erklär das einmal einen einfachen Türkiswähler :-))

hortig
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@UHBP

Und erklär dem SPÖ Waehler, dass die AK rot ist.....

kritik53
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Arbeiterkammer

Was hat von der Arbeiterkammer anderes erwarten können?
Hetze, statt objektive Betrachtung ist in diesem Verein leider aus politischen Überlegungen vor gereiht.
Bei exakter Betrachtung werden sich auf beiden Seiten Überförderungen nicht ausschließen lassen.

UHBP
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@kr...

Beispiel hast du natürlich keines, oder?

hermannsteinacher
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Ita

est.