Ein dürres Mail stand am Beginn. Drei Monate nach seinem krankheitsbedingten Rücktritt wolle er sich wieder melden. Im kleinsten Kreis, „ohne großes Aufheben, ohne Kamera, ohne innenpolitische Begleitfragen.“

Gut gelaunt, sichtlich erholt empfängt der ehemalige Gesundheitsminister Rudolf Anschober eine kleine Runde auf der Summerstage am Donaukanal. Mit Faustgruss, ohne Hund, die Maske liegt am Tisch. Es gehe ihm wieder gut – und liefert nebenbei ein Gesundheitsattest ab: Der Tinnitus sei Geschichte, der Bluthochdruck habe sich stabilisiert, nur die Zuckerwerte hätten sich noch nicht normalisiert.  

Monatelang unter Polizeischutz

Vor dem Rücktritt stand er monatelang unter Polizeischutz, sein Haus sei von zwei Polizeiautos bewacht worden. Seit dem Rücktritt gehe er in Mails, Briefen unter, erhalte Bücher mit Entspannungsübungen, sogar einen Gutschein für eine Yoga-Woche auf Mallorca, werde er mit Blumen und Mehlspeisen überhäuft. „Ich könnte eine Konditorei und Blumenhandlung aufmachen.“ Er habe solche Reaktionen nicht erwartet. „Normalerweise wird man am Grab mit Lob überschüttet. Ich habe das Privileg, dass ich das jetzt schon erleben darf.“

Er sei „optimistisch“, dass er im Herbst wieder aktiv werden könne. „Ich lebe von meinen Ersparnissen. Ich muss schauen, dass ich dann wieder auf wirtschaftlichen Beinen stehe“, so Anschober, der seit 1990 als Volksschullehrer karenziert ist und auf die Fortzahlung verzichtet habe. Er wolle eine Beraterfirma gründen, Vorträge halten, Kolumnen und Bücher schreiben. Sieben Verlage hätte sich schon bei ihm gemeldet. „Die Schatztruhe, die sich ich in den letzten 18 Jahren meiner Regierungstätigkeit (in Oberösterreich wie auch im Bund) angefüllt hat, will ich weitergeben." Eine Abrechnung mit der Politik, dem Kanzler, der ÖVP  werde es nicht sein.

„Ich werde nicht der Zwischenkeppler der Innenpolitik“, unterstreicht  Anschober. „Es gibt ohne schon viele, die es gut wissen.“ Um eine Spitze gegen den Kanzler loszuwerden: „Es hat sich gelohnt, um Ostern herum eine härtere Linie zu fahren, sonst wäre die großzügigere Form der Öffnungen, die wir jetzt haben, nicht möglich.“ Er fürchte, wegen der Delta-Variante werden bald wieder die Zahlen in die Höhe schnellen. Österreich müsste eine Durchimpfungsrate von 85 Prozent anstreben.

Ein Dementi klingt anders

Und dann die unvermeidliche Frage: Ob er sich eine Rückkehr in die Politik vorstellen könne? „Es war ein bewusster Abschluss. Es ist nicht mein Ziel.“ Ein Dementi sieht anders aus. Und zu Spekulationen, er könnte sich um das höchste Amt im Staat bewerben, sollte Alexander Van der Bellen wider Erwarten nicht antreten: „Österreich hat mit Van der Bellen den besten Bundespräsidenten, und so soll es auch bleiben. Er ist eine großartige Lösung fürs Land. Man stelle sich vor, jemand anderer hätte das Rennen gemacht.“

Verwerfungen mit den Kanzler

Über die Verwerfungen mit dem Kanzler, die Fallstricke des Föderalismus, die Chats, die aktuelle Entwicklung will Anschober nichts sagen. „Ich habe die Innenpolitik kaum verfolgt“ um kokettierend hinzuzufügen: „Fragt mich zur Fußball-EM!“ Er habe Italien von Anbeginn die Daumen gedrückt, das Match Österreich gegen Italien habe ihn in einen Zwiespalt gestürzt, räumt Anschober ein. Eine Aussprache mit dem Kanzler? „Wir werden uns sicherlich einmal über den Weg laufen.“

Laborunfall nicht auszuschließen

 Was ihn mehr beschäftige, seien die Lehren, die man aus der Pandemie ziehen sollte, dass man ein solches Virus nur global bekämpfen könne, der Multilateralismus Schiffbruch erlitten habe. Ob das Virus aus einem Labor in Wuhan komme? „Keine Ahnung. Man kann es nicht ausschließen.“