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Nach nur zwei Monaten"Kaufhaus Österreich" wird neu ausgerichtet und erntet wieder Kritik

Wirtschaftskammer zieht sich bei "Kaufhaus Österreich" zurück. Staatliche Förderbank aws soll "virtuelles Kaufhaus" betreiben - Keine Suchfunktion mehr - Kosten über 1 Millione Euro. SPÖ überlegt Ministeranklage, NEOS fordern Schramböck-Rücktritt.

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Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck, Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer
Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck, Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer © WKÖ/Nadine Studeny
 

Die Posse um das umstrittene Onlinehändler-Verzeichnis "Kaufhaus Österreich" ist um eine Facette reicher.  Die vor etwas mehr als zwei Monaten um über 620.000 Euro ins Leben gerufene digitale Plattform "Kaufhaus Österreich" wird in seiner aktuellen Form schon bald wieder Geschichte sein.

Nicht wie angedacht die Wirtschaftskammer, sondern die staatliche Förderbank aws soll das "virtuelle Kaufhaus" betreiben. Ab Mittwoch soll die aws dann neben dem Wirtschaftsministerium auch Medieninhaberin der Internetpräsenz sein und nicht mehr die Kammer. Die Website wird zudem umgebaut zur Infoseite für Firmen und nicht für Konsumenten.

Das Projekt war von Anfang an von Spott und Häme seitens der Opposition und in den sozialen Medien begleitet. Kritisiert wurde neben den hohen Kosten auch die schlechte Nutzbarkeit der Website. Wer etwa auf der Seite nach "Schuhen" suchte, dem wurden ein Tischtennis-Shop, eine Bergbauern-Seite und ein Angebot für Kinderbekleidung als erste Präferenzen angezeigt.

Die Suchfunktion kommt nun weg. Nicht Konsumenten, sondern Firmen, die ihre Onlinepräsenz ausbauen wollen, sollen sich hier künftig orientieren. "Primäre Intention des 'Kaufhaus Österreich' war und ist es dabei, österreichische Unternehmen und vor allem die vielen KMU bei ihren E-Commerce-Aktivitäten bzw. beim Einstieg in E-Commerce zu unterstützen", sagte Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) am Dienstag.

"Wenn man nichts tut, kann auch nichts kritisiert werden"

Auf die Frage, ob sie die Installation der - für private User nun gescheiterten - Plattform bereue, sagte Schramböck: "Nein, das bereue ich nicht. Wenn man nichts tut, kann auch nichts kritisiert werden. Wichtig ist gewesen, die Diskussion über die Notwendigkeit von E-Commerce für unsere Händler in Gang zu setzen." Zudem sei jener Teil der Plattform, der nur Unternehmen offen steht, vom "Twitter-Tribunal" nicht wahrgenommen worden, dieser sei aber besonders bedeutend.

Betreiben soll das ganze nun die staatliche Förderstelle Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws). Die aws verfüge mit Instrumenten wie Garantien, Krediten und Zuschüssen über viel Erfahrung in der Unterstützung von Digitalisierungsvorhaben von Unternehmen aus dem Handel, heißt es in einer Aussendung des Wirtschaftsministeriums. "Im Zuge der Adaptierung der Online-Plattform Kaufhaus Österreich wurde die aws deshalb von ihren Eigentümern beauftragt, diese Plattform zu betreiben." Angekündigt wurde von Schramböck auch eine 15 Mio. Euro schwere direkte Förderung für E-Commerce-Projekte. Zudem seien über die Investitionsprämie bisher 60 Mio. Euro für Digitalprojekte von Handelsunternehmen abgerufen worden.

Projekt kostete mehr als eine Million Euro

Erstmals hat das Wirtschaftsministerium nun auch die Kosten für das "Kaufhaus Österreich" genau aufgedröselt. In Summe kostete das Projekt über 1 Million Euro. Bis zum Launch seien Technikkosten im Umfang von 603.670,32 Euro angefallen. Für E-Commerce-Aktivitäten wie eine KMU-Umfrage, Webinare, Videoclips, Entwicklung der Markenrechte etc. seien Kosten in Höhe von 243.141,80 Euro entstanden. Die Technikkosten seit dem Launch betragen den Angaben zufolge 192.286,44 Euro, für den laufenden technischen Betrieb fallen monatlich 2.642,50 und für die Wartung der Plattform 2.566,00 Euro an.

Für Informationsmaßnahmen im TV seien 36.870,29 Euro, in Online- und Printmedien 183.853,56 Euro und in sozialen Medien 216,33 Euro aufgewendet worden. Laut Ministerium sind keine weiteren Informationsmaßnahmen geplant. Bei der WKÖ sind dazu in Summe 36.000 Euro an Kosten angelaufen. Schramböck sagte, nach dem heute angekündigten Fokus auf Händler würden von den 600.000 Euro an technischen Kosten 70 Prozent weitergenutzt.

Harsche Kritik der Opposition

Für den Betrieb des Online-Händlerverzeichnisses sollte ursprünglich die Wirtschaftskammer verantwortlich sein. Ende November präsentierten Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) und WKÖ-Präsident Harald Mahrer das "Kaufhaus Österreich" als Unterstützung österreichischer Onlinehändler im Kampf gegen Amazon, Zalando & Co. Bis Mitte 2021 sollten "einige Tausend Händler" mit an Bord sein, hieß es damals.

Die nun kommunizierte Entscheidung, das "Kaufhaus Österreich" zu einer reinen Unternehmens-Plattform im Betrieb der aws umzubauen, obliegt dem Wirtschaftsministerium als Betreiber und Auftraggeber von "Kaufhaus Österreich", so die Kammer am Dienstag.

Bereits seit Montagabend kursierten Medienberichte, wonach das "Kaufhaus Österreich" in der jetzigen Form eingestellt werden soll. Der "Börsianer" hatte zuerst darüber berichtet.

Die Häme ging aber auch am Dienstag weiter. SPÖ-Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter schrieb in einer Aussendung, es sei "unfassbar, wie fahrlässig die Ministerin mit dem Geld der österreichischen Steuerzahler umgeht. Es muss geklärt werden, ob hier nicht ein Rechtsbruch vorliegt. Die SPÖ wird deshalb eine Ministeranklage prüfen." NEOS-Wirtschaftssprecher Sepp Schellhorn sieht das Kaufhaus Österreich "nun de facto endgültig gescheitert". Schramböck und WKÖ-Präsident Harald Mahrer sollten erklären, "wer für diesen Flop aufkommt, wohin das Geld geflossen ist und wer davon profitiert hat". Die Unternehmer seien es nicht gewesen. "Frau Minister, übernehmen Sie Verantwortung und treten Sie zurück. Digital liegt Ihnen einfach nicht", so Schellhorn an Schramböck.

FPÖ plant parlamentarische Anfrage

Die FPÖ will zudem eine parlamentarische Anfrage zum "Kaufhaus Österreich" stellen und erwartet von der Wirtschaftsministerin "rasch eine Erklärung darüber, warum das Kaufhaus Österreich wirklich seine Pforten wieder schließen musste", so der FPÖ-Wirtschaftssprecher Erwin Angerer in einer Aussendung. Sollte sich herausstellen, dass es rechtliche Unschärfen gegeben hat, wäre Schramböck "rücktrittsreif".

Angerer nimmt in diesem Zusammenhang auch Bezug auf den "Börsianer"-Bericht, in dem es heißt, dass das Wirtschaftsministerium keinen kommerziellen Marktplatz betreiben dürfe. "Kann denn ein Ministerium mit seiner Hundertschaft an Beamten diesen Umstand nicht bevor so ein Portal online geht, prüfen, ob sowas rechtlich überhaupt möglich ist", so der FPÖ-Wirtschaftssprecher.

Kommentare (89)
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voit60
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So sind sie

die Kapazunder aus der Wirtschaftspartei.

Peterkarl Moscher
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Rücktritt aber rasch !

Herr Mahrer, es gibt zwei saubere Lösungen, entweder sie gehen freiwillig
oder sie werden gegangen ! Für den angerichteten Schaden sollten sie noch
aufkommen, wenn nötig mittels Gerichtsurteil. Sie haben nachweislich
einen Schaden für die Republik verursacht!

himmel17
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Frotzelei von Frau Schramböck

Die Bundesministerin für (De-)Digitalisierung und Wirtschaftsstandort(vernichtung?) meint ganz frech: "Wenn man nichts tut, kann auch nichts kritisiert werden". 1,2 Millionen beim Fenster hinauswerfen und dann noch stolz darauf sein ist ein Rücktrittsansuchen. Wir nehmen es gerne an und hoffen auf eine ehrlich gemeinte Entschuldigung.

Peterkarl Moscher
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6
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Rücktritt aber rasch !

Die Frau Schramböck kann man nicht zum Rücktritt auffordern da sie zum
Basti Club gehört und daher immun ist !

rouge
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Schramböck gerade in der ZIB1

"Und wenn Sie mich fragen, bereuen Sie es? Dann sage ich NEIN!"
Noch Fragen?

himmel17
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Rücktritt

Verantwortungslosigkeit der Superlative

Ogolius
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Unfähigkeit pur

Herr Mahrer als Multijobakrobat verkörpert, seit BK aD Schüssel die schwarze Garde, die den Grenzwert zwischen Intelligenz und Moral ins tiefe Malus geschoben hat, den Typus, der in seiner Hybris den Status Geiz ist geil perfekt verkörpert. Weit weg vom Realismus hinterfrägt er als gescheiterte Person nicht seine eigene Wertigkeit. Diese kapitalistischen Wertschöpfungsfragen sind Zeichen des Jetzt und zunehmend schlimmer werdend. Realitätsverlust ist signifikant erkennbar, die sogenannten „systemrelevanten“ Berufe sind in der Zeit von Corona die am schlechtesten bezahlten Werktätigen. Dafür schießt Herr Mahrer mit leichter Hand riesige Beträge an Steuergeldern in den Ofen. Was diese Angelegenheit Kaufhaus Österreich betrifft - wieviel Müll muss ein Verantwortlicher noch produzieren, um endlich von sich aus das Handtuch zu werfen! Ein Herr Mahrer besitzt nicht den Anstand, sich wenigstens sang- und klanglos zurückzuziehen. BEWEISEN SIE CHARAKTER UND TRETEN SIE ENDLICH ZURÜCK!

Stony8762
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Es wäre wünschenswert gewesen, wenn bei der Eingabe des Suchbegriffs 'Computer' bzw. 'Elektronik' nicht eine Rasenmäher-Reparaturwerkstatt dabei rausgekommen wäre!

Patriot
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In Zeit im Bild um 13 Uhr wurde berichtet,

dass der Schaden, den Mahrer und Schramböck angerichtet haben, sich nicht auf 620.000 Euro, sondern 1,290.000 Euro beläuft!
Unglaublich, wie die Administration Kurz mit unserem Steuergeld herumschmeißt!
Kurz und Blümel werden uns, wenn sie 2024 abgewählt werden, einen riesigen Schuldenhaufen hinterlassen.

Stony8762
11
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Patriot

Ach, sie werden abgewählt? Von wem denn?

HASENADI
1
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Stony...,

Ihre ungebrochene Begeisterung für eine unsoziale, dilettierende und korruptionszerfressene Bewegung wird diese Egomanentruppe nicht retten können. Aber beten Sie ruhig weiter!

Patriot
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@Stony: Egal von wem, hauptsächlich abgewählt!

.

sebsi55
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Dilettantisch!

AKW Zwentendorf wurde errichtet... und ging nie in Betrieb. Für ‚Kaufhaus Österreich‘ wäre dies auch vorteilhafter gewesen...

X22
1
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Zumindest wird mit dem

AKW Zwentendorf noch immer Geld verdient

adabei11
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AKW

AKW Zwentendorf wurde errichtet... und ging nie in Betrieb und hat 11 Milliarden Schilling gekostet. Wer war dafür verantwortlich`.?

HASENADI
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11 Milliarden öS, viel Geld für damals,

aber die ÖVP könnte das heute besser!

rouge
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Wer war für

den Hypo-Skandal verantwortlich? Dieses Spiel könnte man endlos betreiben. Sinnlos.

Balrog206
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Und Das

Hat den Mundl schon aufgeregt !!

heri13
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Die övp!

Die hatten angefangen,der Kreisky hatte weitergebaut.
Die övp Wirtschaft war mit dem nicht aufsperren unzufrieden.
Alles war ein Wahlgegg.
Danke övp für die 11 Milliarden schaden.

Simunek
2
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Es wird noch ärger

Weder Mahrer nich Schramböck würd man in der Privatwirtschaft nehmen. Sie hat es ja bei A1 bereits bewiesen, dass sie nichts taugt. Über 630.000 EURO im den Sand gesetzt. Gabe es überhaupt eine Ausscheibung für Die Programmiierung. Sind das die endgültigen Kosten ?. Das ist Steuergeld. Die beiden können sich die Hand geben, nur um sich ein Denkmal zu setzen wurd dies gemacht ohne Hirn. Rechtlich durfte Frau MInister Schrsmböck das gar nicht, hat sich herausgestellt. Das Team um Kurz lauter Versager. Ich schrieb weiter unten noch von EURO 630.000. JETZT WIRD ES MIR ZU BUNT: Laut Schrammböck habe die Plattform seit ihrem Start etwa 12 Millionen Aufrufe verzeichnet. Insgesamt seien 3.000 Firmen vertreten. Aufgrund der mangelhaften Funktionalität wurden aber auch die vergleichsweise hohen Kosten kritisiert. Die ursprünglichen Kosten von ungefähr 600.000 Euro sind laut Angaben des Wirtschaftsministeriums inzwischen auf 1,26 Millionen Euro angestiegen. Diese fielen für Technikkosten wie die Wartung sowie eine umfangreiche Info-Kampagne an. 70 Prozent der Kosten würden auch bei der neuen Plattform aufgehen, die restlichen 30 Prozent würden eine Förderung der teilnehmenden Firmen bedeuten, sagte Schramböck. Frau MInister gehen Sie wieder heim nach TIROL und suchen Sie die Virusmutanten aus Südafrika. SKANDAL HOCH ZWEI

undhetz
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Politik und Kammern können rein gar nichts ...

Vernichten unser Steuergeld, schwimmen in unserem Steuergeld und zeigen uns auch noch via teuren Mediendeals die lange Nase mit unserem Steuergeld.
Erdenken nichts, entwickeln nichts, sitzen blöd herum und lassen Privatunternehmen als Almosenempfänger antreten um ihnen die Ideen abzuluchsen ... Versprechen und Lügen halten das System am Laufen, wir müssen umdenken, wir brauchen Volksvertreter, die via Hearings und Losentscheidung gewählt werden ... und nicht länger als zwei Perioden schalten und walten dürfen.
Parteien gehören der Vergangenheit an - so auch das parasitäre Verhalten der jetzigen politischen Akteure.
Spricht man immer von, ach so schwierigen Entscheidungen und großer Verantwortung ... quatsch, im Grunde entscheiden die Politiker gar nichts, die Entscheidung geben die von ihnen teuer engagierten Privatunternehmen und dem politischen Wind ausgerichteten Berater vor.

Tingletanglebob
3
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Für mich

absolut unfassbar wie leichtfertig man hier mit Steuergeld umgeht und es einfach so beim Fenster rauswirft. Jedes Unternehmen in der Privatwirtschaft das so geführt würde wäre wohl vermutlich in Rekordzeit in der Insolvenz. Es braucht anscheinend echt persönliche Haftungen für die Personen/Minister die hier „fremdes“ Geld einfach so verschleudern.

tupper10
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Wer hat eigentlich das Honorar eingestreift...

.... für diese Stümperleistung an Design und Programmieren, die ein TU-Student wohl nicht einmal als Seminararbeit vorlegen hätte dürfen? Wohl doch nicht etwa jemand aus dem türkisen Umfeld? Warum weiß das niemand?

tupper10
2
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"Firmen, die ihre Onlinepräsenz ausbauen wollen, sollen sich hier künftig orientieren"

Sicher! Ausgerechnet bei "Kaufhaus Österreich" werd ich mir Ratschläge holen, wie ich mir meine Onlinepräsenz am besten aufbaue....

Elli123
6
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Schramböck hat recht!

Wichtig in der türkisen Politik ist, dass etwas getan wird, auch wenn es der größte Schwachsinn ist und enorme Geldsummen kostet.

blackpanther
2
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Mahrer und Schramböck

sollen nicht nur das Geld von den unfähigen Herstellern der Webseite zurückfordern, sondern auch, so wie die medial in Szene gesetzte Präsentation der neuen Homepage, das Schließen dieser Homepage in der ZIB „präsentieren“ müssen.

 
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