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Novelle zum Uni-GesetzMindeststudienleistung, Strafe für Ghostwriter, weibliche Titel im Reisepass

Die Regierung präsentierte heute die Eckpunkte der Universitätsgesetz-Novelle. Nicht nur die Studierenden sondern auch ihre Ghost-Writer können künftig bestraft werden, wenn die Arbeiten von Dritten verfasst werden. Weitere neue Punkte: Schul- und Praxisjahre bringen ECTS-Punkte. Kettenverträge von Lehrenden werden befristet.

NATIONALRAT: FASSMANN
© APA/GEORG HOCHMUTH
 

Zu den Eckpunkten der Universitätsgesetz-Novelle gaben heute  Wissenschaftsminister Heinz Faßmann und Eva Blimlinger (Grüne-Wissenschaftssprecherin) eine Pressekonferenz.

In den vergangenen Tagen haben zahlreiche Vertreter von Hochschulen eine Verschiebung der geplanten Novelle zum Universitätsgesetz (UG) gefordert. Vor allem Studentenvertreter und Senate machen gegen das Gesetz mobil. Das Bildungsministerium konnte den Wunsch nach einer Verschiebung dagegen nicht nachvollziehen. 

24 ECTS-Punkte in 4 Semestern

Studierende müssen künftig mindestens 24 ECTS-Punkte innerhalb der ersten vier Semester absolvieren. Ansonsten erlischt die Zulassung an dieser Hochschule für zehn Jahre - an anderen Einrichtungen kann das Fach dann aber weiter belegt werden. Das gilt für Studierende, die im Winter-Semester 2021/2022 ihr Studium beginnen.

Faßmann und Blimlinger betonten, das bedeute nicht, dass Studierende ihr Wissensspektrum nicht mehr durch zusätzliche Studien erweitern könnten, sondern sie sollten dies künftig durch "Erweiterungs-Curricula" innerhalb ihres Erst- oder Zweitstudiums tun.

Stichwort ECTS

Mit dem European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS) sollen europaweit Studienleistungen transparent und vergleichbar gemacht werden.

  • Für Österreich ist im Universitätsgesetz (UG) festgelegt, dass Bachelorstudien 180 ECTS-Punkte (in Ausnahmefällen bis 240) und Masterstudien mindestens 120 ECTS umfassen. Diplomstudien wie Jus kommen im Regelfall auf 240 ECTS, die Humanmedizin auf 360 ECTS.
  • Das Arbeitspensum eines Studienjahres ist im UG mit 1.500 Stunden bzw. 60 ECTS-Punkten definiert. Das bedeutet also, dass ein ECTS-Punkt einen Aufwand von 25 Stunden umfassen sollte - soweit in der Theorie.
  • Studentenvertreter monierten immer wieder die vollkommen unterschiedliche Bewertung bestimmter Lehrveranstaltungen bzw. Prüfungen. Diese würden den tatsächlichen Aufwand nicht widerspiegeln, manche Lehrveranstaltungen/Prüfungen seien über-, andere unterbewertet. Dementsprechend sind in der nun geplanten Novelle auch Überprüfungen dieses Workloads geplant.

Wenn man in zwei Jahren (also 24 Monaten) mindestens 24 ECTS sammeln will, braucht man im Schnitt pro Monat einen ECTS-Punkt, das bedeutet einen durchschnittlichen Arbeitsaufwand von 25 Stunden pro Monat - mit den obigen Einschränkungen bezüglich der derzeitigen Vergleichbarkeit.

Umgekehrt gebe es auch Erleichterungen für Studierende, so die Grüne Wissenschaftssprecherin Eva Blimlinger. So kommt etwa eine Beweislastumkehr bei der Anrechnung von ECTS-Punkten. Die Hochschulen müssen nun nachweisen, dass an anderen Einrichtungen erbrachte Leistungen nicht anerkannt werden können.

Neue Anrechnungsmöglichkeiten

Neu ist, dass sich Studierende künftig ECTS-Punkte für fachspezifische Schuljahre, zum Beispiel an einer HTL, oder Praxiszeiten im Beruf oder wissenschaftliche oder künstlrische Tätigkeiten anrechnen lassen können. "Immer mehr Leute beginnen erst später zu studieren", so Blimlinger.  Diesen werde der Studieneinstieg damit erleichtert. Auch Lehramtsstudierende etwa könnten sich Punkte mit Bezug etwa auf die Lehrtätigkeit in einem Sommercamp anrechnen lassen.

Für höhere Semester soll diese Beschränkung nicht mehr gelten, im Gegenteil: Hier soll die Universität Studierenden, die bereits 100 ECTS-Punkte haben, von sich aus Angebote machen, etwa eine Bevorzugung bei Prüfungsterminen oder bei der Aufnahme in Lehrveranstaltungen, um einen möglichst raschen Studienabschluss beim Bachelor zu ermöglichen. Für die allerletzte, die Abschlussprüfung, soll es eine weitere Möglichkeit geben, zu dieser anzutreten, um zu vermeiden, dass Studierende jahrelang studieren und dann an dieser Hürde scheitern.

Eine Beurlaubung bzw. Unterbrechung des Studiums soll künftig auch unterjährig möglich sein. Blimlinger: "Oft ergeben sich Bedürfnisse, etwa wenn spontan Eltern zu pflegen sind, ja auch mitten im Semester."

Strafe für Ghostwriter

Wenn Arbeiten zur Erlangung eines akademischen Grades nicht selbst geschrieben wurden, konnten bisher nur die Studierenden bzw. AbsolventInnen bestraft werden, etwa in Form der Aberkennung des akademischen Grades. Künftig können auch professionelle und gewerbliche Ghostwriter bestraft werden, und zwar mit bis zu 25.000 Euro. Faßmann: "Das sollte abschreckend wirken.

Künftig gibt es die Möglichkeit, dass mehrere Universitäten gemeinsam ein gemeinsames Forschungsinstitut gründen. Damit können auch Forschungsgelder konzentriert werden, wie etwa beim deutschen Robert-Koch-Institut.

Kettenverträge beschränkt

Die Kettenverträge für Lehrende werden mit acht Jahren beschränkt. Ursprünglich waren diese dazu gedacht, ein gewisses Maß an Flexibilität und Mobilität zu erhalten, sie führten jedoch zu prekären Verhältnissen für den Mittelbau.

Die Bestellung des Rektors bleibt autonom, "ohne Eingriffe der Politik". Auch bei der zweiten oder dritten Wiederbestellung haben die Senate eine zentrale Funktion. Die Hürde bei der ersten Wiederbestellung wurde geringer, damit auch "Reform-Rektoren", die sich in ihrer Amtszeit mit dem Senat "anlegen"oder Professoren aus dem Ausland etwa die Chance auf acht Jahre im Amt haben.

Die bisherige Findungskommission aus Senats- und Unirats-Vorsitzendem wird auf fünf Personen erweitert (je zwei von Senat und Unirat plus ein gemeinsam bestelltes Mitglied).

Weibliche Titel werden amtlich

Die weiblichen Titel werden jetzt amtlich: Die Abkürzungen werden vereinheitlicht und sollen auch Eingang in Dokumente wie Reisepässe finden. Auch auf Urkunden kann damit eine" Dr.a", "Mag.a" oder ein "Dipl.Ing.x" (hochgestellt) für das dritte Geschlecht geführt werden.

Künftig soll es kombinierte Master-/Doktoratsstudien geben, um dem wissenschaftlichen Nachwuchs innerhalb von fünf Jahren den Abschluss des Doktoratsstudiums zu ermöglichen.

Für Plagiate gab es bisher keine Verjährungsfrist, künftig gelten 30 Jahre. Keine Verjährungsfrist gebe es in unserem Rechtssystem nur für Mord, so Blimlinger. "Das sollten wir denn doch einen Unterschied machen."

 

Kommentare (15)
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Irgendeiner
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Oh, ein offenes Forum wo noch alle Postings stehen, ich dachte die wären schon ausgestorben,

und das mit den Erweiterungscurricula find ich schwer blödsinnig,denn wer ein neues Fach angeht sollte das von der Picke auf lernen und was er wissenstechnisch schon mitbringt bringt er sowieso mit,man versuche mal aus einem BWL Absolventen durch Zusatzinformation einen Biologen zu machen oder aus einem Mediziner einen Methodologen,das geht schief, wer durchwill muß sich durchbeißen können und das verhindert jetzt die blöde Regelungen mit Punkten die ohnehin auch so ein Schmarrn ist.Und was die weiblichen Titel angeht,naja, es hat zumindest mir noch nie Schwierigkeiten gemacht wenn ich wußte, daß eine einen Magister oder Doktor hat, das Frau vor den Titel zu stellen,denn das Geschlecht erkenn ich in der Regel, nicht soviel Auswahl, sonst wär ich schon in der Klapse.Und die Verschulung der Universitäten und das Aufgeben des Humboldtschen Bildungsideals unter der Federführung einen Habilitierten, Herr Faßmann, empfinde ich als Zumutung.

Hako2020
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Was solls.

Frau Dr.,Herr Dr.,Frau/Herr Dr.X.Lächerlich!

Zwiepack
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Das mit den Titel find' ich lustig

Seit praktisch nur noch Master/Bachelor vergeben werden und teilweise läppische PhD statt Dr. sind die Titeln eh so gut wie obsolet. Oder ist schon einmal wer mit "Herr Master" abgeredet worden?

Dafür gibt es die de facto abgeschafften Titel jetzt wenigstens m/w

martinx.x
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doch, in jeder Werkstatt wird ja oft

nach dem Master gefragt... (Witz)

Blutwurst
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Obsolet?

Die übliche Titelbezeichnung bei einem technischen Masterstudium in Österreich ist Diplomingenieur. Genauso gibt es Master-Studien, die nach wie vor mit einem Magister abschließen, im Pharmaziestudium ist das z.B. so üblich. Auch die meisten PhD-Studien schließen nach wie vor mit einem dem Namen vorzustellendem Doktor-Titel ab. Desweiteren würde mich interessieren, wieso sie PhD-Studien als läppisch beurteilen? Die einzige wahrnehmbare Veränderung ist die nach oben korrigiererte Veränderung der Mindeststudiendauer - wer schafft es schon in läppischen zwei Jahrne, neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu generieren und in einer umfassenden Dissertation niederzuschreiben?

Gedankenspiele
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Sehr gut!

Da haben die Grünen ja gute Vorarbeit geleistet.
Darauf können zukünftige schwarz-blaue Regierungen aufbauen und weitere Hürden schaffen.

Danke Grüne für NICHTS!

Zwiepack
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Ghostwriter?

weil sie sich gar so aufregen.

Irgendeiner
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Nein,der oder die erregt sich zur Recht über die Verschulung des Systems.

den weiteren Abbau des offenen Universitätszugangs und die Verhinderung von Multikompetenzen unter der Leitung eines Studienabbrechers der nix weiß aber überall brabbelt,faktenwidrig.Und weil Du Ghostwriter erwähnst, ja die gibts aber da hätte ich gerne mal eine Studie und zwar von kompetenten Sozialwissenschaftlern,also nicht von Politschwaflern,wo das in welchem Ausmaß in Anspruch genommen wird,denn das dürfte sich sehr unterschiedlich auf die Fächer verteilen,einer der eine Sache macht weils ihn interessiert wird das wohl nicht in Anspruch nehmen, schon weil ers nicht braucht,wer ein Studium rein als Sprungbrett zur Karriere verwendet wird sich so eher eine Hürde auf dem Weg aus demselben schaffen.Und dahinter steht genau genommen Eure Obsession mit Titeln,nicht mit Wissen,ihr habt so einen Hang zur optisch plakativen Hierarchisierung durch Fahnderln wo es sich inhaltlich zeigen müßte, denn auch ein Doktor kann ein nachweislicher Volltrottel sein aber dazu muß man hinsehen können.Das wieder setzt voraus, daß man selbst weiß.

Gedankenspiele
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@Zwiepack

Nein!

Gedankenspiele
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Für Plagiate gab es bisher keine Verjährungsfrist, künftig gelten 30 Jahre

Auf der einen Seite wird vieles immer strenger, aber wer schon in der Vergangenheit kriminell agiert hat, dem wird Nachsicht entgegen gebracht.

Daraus schließe ich: Wer von der Regierung hat die Universität in seinem Studium betrogen? Selbstanzeige kann auch strafmildernd wirken.

Church-Hill
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Der Minister soll sich besser

um die fragwürdigen Zustände im Medizinstudium kümmern. Da werden die Studenten seit 18 Jahren einmal jährlich einer summativen, integrativen Prüfung im Multiple-Choice-System unterzogen. Dieses MC-.Testverfahren führt zwangsläufig zu einer Verflachung des ärztlichen Denkens, dafür sind die Leut' um drei Jahre früher fertig als ehedem. Den Rest erledigen akademische Intrigen. - Die Auswirkungen sehen wir inzwischen schon an den Krankenbetten...

lucie24
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Doktorat

Dauer jetzt: 8 Jahre - Dauer künftig: 5 Jahre???

lucie24
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Info

Bachelor 3 Jahre + Master 2 Jahre + Doktor 3 Jahre = mindestens 8 Jahre Studienzeit für den Dr. ;-)

Blutwurst
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Ihre Missverständnisse

Man kann in 3-4 Jahren ein vernünftiges forschungsbasiertes Doktorat (im Sinne eines PhD) fabrizieren, wenn man praktisch jeden wachen Moment darauf verwendet, aber genau deshalb werden Doktorate auch in der Regel bezahlt.

Ihre Abschätzung von 8 Jahren beruht vermutlich auf dem Berufsdoktorat in Medizin, das gar kein richtiger Doktor ist, sondern durch ein Diplom- bzw. ein Master-Studium erworben wird.

Aleksandar
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Ein bissl warten ...

... dann nur mehr 3 Jahre *fg*