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"Hacklerregelung"Pensionsgeschenke: Schnell gemacht, lange bis zur Korrektur

Während tausende neuer Frühpensionisten von der in der koalitionsfreien Zeit beschlossenen abschlagsfreien "Hacklerpension" profitieren, will die Koalition erst eine Evaluierung abwarten, bevor sie über eine Reparatur oder Rücknahme verhandelt.

THEMENBILD-PAKET: PENSIONEN / PENSIONISTEN
© APA/GEORG HOCHMUTH
 

Während die Abschaffung der Abschläge für "Hacklerpensionen" bereits reiche Früchte für jene trägt, die die benötigten 540 Beitragsmonate seit 1. Jänner dieses Jahres erreicht haben, wird eine Korrektur der im September im koalitionsfreien Raum beschlossenen Reform noch länger dauern.

Derzeit gebe es dazu keine Verhandlungen, heißt es aus der türkis-grünen Koalition - "Wir evaluieren das Thema, warten aber diesbezüglich den Bericht über die langfristige Entwicklung und Finanzierbarkeit der gesetzlichen Pensionsversicherung ab", schreibt eine Sprecherin von Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne) der Kleinen Zeitung.

Und das kann dauern: Wegen der schwer vorherzusagenden Wirtschaftsentwicklung hat die Koalition der Pensionsexperten-Kommission, die diesen Bericht liefern muss, im Zuge der Covid-Reformen mehr Zeit gegeben, diesen abzuliefern. Bis März kommenden Jahres läuft jetzt die Frist, die Grundlagen für die Reform zu liefern - allerdings will die Kommission noch heuer einen Zwischenbericht vorlegen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Walter Pöltner, Kurzzeitminister und Chef der Kommission, die Beschlüsse als "unverantwortlich und arbeitnehmerfeindlich" gegeißelt.

Solange der Bericht der Kommission nicht vorliegt, wird also wohl nichts passieren - obwohl sich sowohl ÖVP als auch Grüne im Jänner zu einer Reparatur der Regelung bekannt haben.

Gnade der späten Geburt

Am Wochenende war bekanntgeworden, dasss sämtliche Pensionstypen im ersten Halbjahr 2020 starke Zuwächse gegenüber dem Vorjahr verzeichneten, den mit Abstand größten die "Hacklerregelung" genannte Langzeitversichertenpension. Hier schnellten die Zuerkennungen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 um mehr als 54 Prozent auf 7.320 Neuantritte in die Höhe. Das heißt zugleich, dass es sich bei fast zwölf Prozent aller neu zuerkannten Pensionen um Hacklerpensionen handelte (Anteil im ersten Halbjahr 2019: 8,5 Prozent).

Nach Angaben der PVA sind die abschlagsfrei zuerkannten Hacklerpensionen im Schnitt um 305 Euro brutto monatlich höher als jene, die im vergangenen Jahr zuerkannt wurden. Die Bezeichnung "Hacklerpension" ist übrigens irreführend: in den seltensten Fällen erreicht sie jene, die landläufig mit dem Begriff Hackler gemeint sind: Arbeiter kommen kaum auf die vorgeschriebenen 45 Beitragsjahre, da Ersatzzeiten wie Arbeitslosigkeit oder Krankheit nicht anerkannt werden.

Für die ÖVP, die der von SPÖ und FPÖ betriebenen Reform nur zugestimmt hatte, weil sie in dasselbe Gesetz wie die Pensionserhöhung und Teile der Steuerreform geschrieben worden war, ist das (ebenso wie für die Neos, die komplett gegen die Neuregelung waren) ein Konterpunkt gegen das Ziel, das effektive Pensionsalter an das gesetzliche heranzuführen. Die Grünen stoßen sich dagegen an dem Punkt, dass gerade die "Hacklerpension" de facto nur für Männer erreichbar ist. Frauen sind ausgeschlossen, weil das Mindestalter 62 gilt. Das Frauenpensionsalter liegt derzeit noch bei 60 Jahren.

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Danke für Ihr Verständnis.

MMG7
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Jahrgang 55

Nach 46 echten Arbeitsjahren bin ich bei der neuen "Korridorpension" als Jahrgang 55 durchgefallen. Als Kompromiss könnte man die Abschläge ab dem regulären Pensionsalter streichen

rasenkosmetiker
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Renner ( schwach k.....)

Frechheit..Menschen die 47 Jahre gearbeitet haben ..Frühpensionisten zu nennen...

X22
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Ob sich das jemals ausgehen wird?

45 Jahre arbeiten für ca. 20 Jahre Pension, bei einem Verhältnis 1,7 zu 1 von Pensionseinzahlern zu Pensionsnehmern.

Dieses Verhältnis wird sich in den nächsten Jahren noch ändern, 2030 rechnet man mit 1,5 zu 1 , 2050 mit 1,3 zu 1

Ob die Auswirkungen des Virus, der Klimaveränderung, .. , da mit eingerechnet sind, bezweifle ich.

Nur wer würde für seine Kindeskinder länger arbeiten wollen, ist arbeit echt so schrecklich, könnte man da vielleicht mit Teilzeitbeschäftigung im Alter etwas erreichen.

dieRealität2019
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darf ich einiges erläutern?

hunderttausende Arbeitnehmer aus der Dienstleistungsbranche Friseure Gastronomie usw. haben bis dato gestzliche Auflagen, ihre Trinkgelder zu versteuern, dergestaltet erhöht sich natürlich dadurch auch die bemessungsrundlage für später Pensionen. Wurde das vollzogen. Nein.
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Jeder hat durch die Jahrzehnte versucht nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Arbeitgeber verschiedene Stuern zu umgehen und die Angaben unterdrückt.
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Fazit. Jetzt höre ich von beiden Seiten "ich habe 40/50 Jahre gearbeiteet und eine Mindespension. Meine Antwort darauf. Liebe Freunde hättet ihr alles rechmäßig zur Verstueerung gebracht, dann wäre eure Pesnion erheblich größe.
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Das betrifft "hunderttausende" Arbeitnehmer und "hunderttausende Arbeitgeber" von der Kriegszeit bis dato (2019).
Die Zahlen und diese gesetzlichen Bestimmungen dazu sind noch heute nachzuschlagen.
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Ein kleines Mosaik an meinen Hinweisen? siehe Finanzkontrollen. Diese AG reichen später ein und dann fehlen ihnen diese Zeiten. Das ist bedauerlicherweise die Österreichische Lebenspragmatik.

Habidere
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Uebgangsregierung

Hallo,!
Ich freue mich über die Hacklerregelung!
Somit kann ich Heuer 31.12.2020 ohne
Abschläge in Pension gehen. 46 Dienst-
Jahre müssen genug sein!
Man sollte rechtzeitig den Juengeren
Platz machen!
Zweitens will einigermaßen gesund
in die Pension gehen.
Schade das noch keine vernünftige
Lösung für die Frauen gefunden wurde!
Kinder Erziehung, anrechnen!

Schade..

dieRealität2019
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für mich als annährend 50 Jahre Selbstständiger

in 2 paralellen verschiedenen Unternehmen und tätig im In- und Ausland auch in Übersee, ist diese Dienstnehmerregelung (die genaugenommen von ca. 80% Beamten benutzt wurde) seit der politischen Beschlussfassung nicht nachvollziehbar, noch verständlich (möchte nicht ins Detail gehen tun bereits einige Poster) was diese "Hackerregelung" genaugenommen bewirken sollte. Ein Nonsens & Kokolores.
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Aus meiner Sicht, allein an derartigen schwachsinnigen politischen Regelungen kann man sehen wie saft- und kraftlos aber auch ohne Wirkung und ohne zur tatsächlichen Sache Entscheidungen zu treffen zeitweise regiert wird.
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Die SPÖ noch die Gewerkschaften haben hier nur ihre eigenen Interessen im Auge und verkaufen schlicht und einfach den GRoßteil der arbeitenden Bevölkerung für ihre persönlichen und politischen Ansichten Meinungen und Zwecke.

Gerhard1209
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Sagen uns jene

Sagen uns jene die im Schnitt 7-8Jahre eine Ausbildung auf einer Uni oder sonstigen Hochschule konsumiert haben das der Staat diesen Leuten zu Verfügung stellt und auch Steuergelder kostet. Soll die mal 45 bzw. 47 Beitragsjahre liefern. Das würde unser Pensionssystem auch entlasten
Lg

9956ebjo
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@Gerhard1209

Wie kommst du drauf, dass die Ausbildung nichts kostet? Nur weil die Schule/uni selber nichts kostet, so ist die Ausbildung trotzdem nicht gratis.
Auch bedeutet das nicht, dass man den ganzen Tag nichts tut. Auch eine höhere Ausbildung oder Uni bedeutet viel Arbeit.

lieschenmueller
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@Gerhard1209

Früher einmal hätten diese sagen können, aufgrund ihrer Ausbildung zahlen sie eben später mehr ins System ein.

Beim Verdienst der meisten Akademiker in der Jetztzeit geht die Rechnung leider nicht mehr auf.

Hardy1
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Alles kein Problem....

....es sind ja jährlich nur einige Milliarden Euro Zuschüsse seitens des Bundes notwendig (Tendenz steigend), um das jetzige Pensionssystem aufrecht zu erhalten....interessiert keinen, geht ja alles auf Kosten unserer jetzigen Jugend bzw. künftiger Generationen....

dieRealität2019
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sie kennen nicht die Zahlen?

In den letzten Jahrzehnten musste der "Staat" insgesamt an alle Pensionen (nicht nach einen eigenen Berechnungsmodus) sondern tatsächlich jährlich 16-19 Milliarden EURO zuschießen.
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Die durchschnittlichen ASVG Pensionen bertugen ca. 1.000 Euro und die der PVA Beamten ca. 2.000 Euro. Letzt haben einige Eingliederung von der PVA zur ASVG stattgefunden, Spiegelgefechte.
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Ein gemeinsames Entgeltsystem nach dem Leistungsbereich im Wirtschaftsgefüge und ein gemeinsames Pensionssystem für das Wirtschaftsgefüge und die gesamte Bürokratie wäre für die Zukunft der nächsten Generationen lebens- wenn nicht überlebenswichtig.

dieRealität2019
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jeder Arbeitnehmer und Arbeitgeber

mit einen kleinen Teil von Informationen und Wissen, konnte das voraussehen, anscheinend nur nicht die Politik und die Fachexperten.
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Einfach am Beispiel auss dem Asylwesen. Haltet wer dieTürken für deppert, die aus dem asiatischen Teil kommen, das diese für 1.000 Euro bei diesen Sozialsystem arbeiten gehen? dort mussten sie mit 150 Euro auskommen und lebten auch damit, jetzt erhalten sie hier durchschnittlich ab 1.000 Euro aufwärts.
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Tatsache ist, dass seit 30 Jahren die arbeitende Bevölkerung Europas immer mehr abnimmt und der Anteil der nicht arbeitenden Bevölkerung ansteigt. Die Zahlen sprechen hier ein klare Sprache.

wabra149a
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Sehr geehrter Herr Renner!

Hier von "Geschenken" zu schreiben, ist - gelinde gesagt - sehr gewagt. Bin selbst ein betroffener Facharbeiter, arbeite inkl. Lehre und Präsenzdienst seit August 1974 mit einer Unterbrechung von drei Wochen und habe kein schlechtes Gewissen, wenn ich im Juli 2021 die wohlerworbene Pension ohne Abschläge antreten werde und einem Jüngeren Platz mache. Zu diesem Zeitpunkt werde ich dann fast 47 Jahre gearbeitet haben - ich denke, das reicht.

makhe
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Stimme dieser Meinung

Vollinhaltlich zu.
KenneGemeindebeamte die gehen noch immer mit 60 ohne jegliche Abstriche in die volle Beamtenpension.

Mein Graz
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Werte Redaktion,

diesmal gibt es von mir harsche Kritik.
Wie kann man von einem Pensions-"Geschenk" schreiben, wenn jemand 45 Jahre gehackelt und Beiträge bezahlt hat?

makhe
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Stellt euch vor,

wenn diese Pensionisten die diese Möglichkeit genutzt haben auch noch im Arbeitsprozess wären, dann wären jetzt noch mehr Junge arbeitslos!

lieschenmueller
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noch mehr Junge arbeitslos

Diese Situation ab März 2020 hatte man sich bei der Fixierung dieser Regelung nicht in den kühnsten Träumen vorstellen können.

Bei besonders betroffenen Firmen mit hoher Anzahl an zu Kündigenden versucht man ein Übergleiten in die Pension mit verschiedenen möglichen Lösungen.

Jeder der diese nutzt, verhindert einen arbeitslosen jungen Menschen.

Also vorsichtig sein mit sich spalten lassen, auch durch diese Artikel von Journalisten. Aus welcher Motivation diese entstehen mögen. In diesem Beruf sind doch mehr schon prekär beschäftigt als fix angestellt.

Kariernst
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Eine Schande

Sind 45 Jahre Arbeit nicht genug oder sollen wir bis zum Tod arbeiten dann würde sich der Staat die Pensionszahlungen ersparen!! Auch die Kleine Zeitung ist da nicht objektiv und neutral in der Berichterstattung leider. Stellen wir doch die Förderungen die jährlich das dreifache und mehr an Kosten verursachen als die Hacklerpensionen siehe Förderung KTM in Oberösterreichische und stellen wir die Parteifinanzierungen und Wahlkosten Erstattung in Frage dann noch die Gehälter aller Politiker kürzen sowie die Kosten der externen Berater der Regierung und die Kosten der Studien in den einzelnen Ministerien dann können wir uns 10 Mal so viele Hacklerpensionen leisten. Doch diese Regierung hat ja kein Interesse das die arbeitenden Menschen in Österreich nach 45 Jahren abschlagsfrei den wohlverdienten Ruhestand antreten können. Hauptsache die Politiker dürfen alle Privilegien und astronomische hohe Pensionen in Anspruch nehmen

Stubaital
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Regelung

Mühsam dies zu diskutieren. Für jeden anderen Zweck hat die Regierung genug Geld. Hier gehts um zwei bis drei Millionen. Einfach lächerlich.

ismirschlecht
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Pensionsgeschenke ?

....ein Arbeiter (!) der mit 65 bzw. momentan nach 45 Dienstjahren in den Ruhestand geht bekommt keine Pension sondern maximal Schmerzensgeld ..

michimanu
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Gerecht

Wer 45 Jahre praktisch eingezahlt und gearbeitet hat..hat das Recht dazu..wieviele liegen uns auf der Tasche und haben kaum bis nichts eingezahlt..Mütter ausgenommen

heinz31
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Neos - Betriebsblind?

Daß Frauen bei der "Hacklerregelung" durchfallen, weil diese sowieso mit 62 in Pension gehen, ist gelinde gesagt eine Frechheit:
Frauen gehen (Z.Tz.) mit 62 ABSCHLAGFREI in Pension! Männer MÜSSEN 45 Beitragsjahre haben, um mit 62 in die abschlagfreie Pension gehen zu können.
Warum jammern die Neos? Weil sie weiter eine Kluft zwischen Frauen um Männer schaffen wollen und populistisch um Frauenstimmen heucheln. Unwählbar!

langsamdenker
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heinz31 Es ist hier offenbar Mode auf die Neos einzudreschen - aber im Artikel steht:

"Die Grünen stoßen sich dagegen an dem Punkt, dass gerade die "Hacklerpension" de facto nur für Männer erreichbar ist. Frauen sind ausgeschlossen, weil das Mindestalter 62 gilt. Das Frauenpensionsalter liegt derzeit noch bei 60 Jahren."

Sorry heinz und die 21 die Ihnen zustimmen - da steht GRÜNE, net Neos.

Ist wirklich so heiß heute?

melahide
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Wie

kommen sie auf 62? Frauen gehen immer noch mit 60 in Pension. Das ist seit Ende des 1. Weltkrieges so, weil man auf diese Weise die aus dem Krieg heimkommenden Männer in Beschäftigung halten wollte

glashaus
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Stimmungsmache

was ist mit der "Kleinen" los? Die permanente Stimmungsmache gegen die Arbeiter ist wohl das Letzte. Oder darf man sich auch aufregen das die Zeitung als eine der Ersten die Möglichkeit der Kurzarbeit nutzte.

lieschenmueller
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Stimmungsmache

Empfinde das also nicht nur ich so.

Ohne die Arbeit eines Journalisten herabwürdigen zu wollen, aber vom Schreibtisch aus über Schwerarbeiter mit 45 Dienstjahren urteilen zu mögen, ist mutig.

 
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