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Alltagsrassismus"Wir haben uns an zu vieles zu sehr gewöhnt"

Von der Politik erwartet die Leiterin der Rassismus-Beratungsstelle, dass sie die Dinge klar benennt, von Mitbürgern, dass sie "hinschauen, statt wegschauen", wenn andere Menschen bedrängt werden.

PK 'HASS IM NETZ - NAeCHSTE SCHRITTE': KERSCHBAUMER
Caroline Kerschbaumer (ZARA): Hinschauen statt wegschauen © APA/GEORG HOCHMUTH
 

Was ist Ihrer Meinung nach vor allem notwendig, um dem Alltagsrassismus entgegenzuwirken?

CAROLINE KERSCHBAUMER: Ein bissl etwas ist schon passiert: Wichtig ist vor allem, dass die Politik hinschaut, dass sie das Phänomen Rassismus benennt und anerkennt,dass wir da ein Thema haben. Die Politiker müssen sich klar gegen Rassismus aussprechen und entsprechende Schritte setzen. Vieles ist schon so "normal" geworden, wir haben uns an vieles zu viel gewöhnt, durch das Internet und die Sozialen Medien. Was da alles unterwegs ist an rassistischen Kommentaren in den diversen Bubbles, das ist unglaublich. Und der Gewöhnungseffekt bewirkt, dass das weitere User übernehmen, dass die die Dinge ganz einfach glauben.

Was können die Menschen tun, die Alltagsrassismus beobachten, in ihrer umittelbaren Umgebung?

Sie können sich einmischen, aber auch Vorfälle melden: Das geht ganz einfach über unsere Seite im Netz, wir sind ja auch Beratungsstelle gegen Hass im Netz. Und uns kann man jedes Posting schicken. Wir überprüfen es, auch in Bezug auf strafrechtliche Relevanz. Vieles liegt ja im illegalen Bereich.

Sichtbar machen

Der gewaltsame Tod eines Afro-Amerikaners durch einen weißen Polizisten in den USA treibt die Menschen auf die Straße, auch bei uns. Und es ist vor allem der „Alltagsrassismus“, auch bei uns, der zum Thema gemacht wird. Also nicht die Tat eines einzelnen, sondern die alltäglichen Lebensumstände von Menschen, die von einer Mehrheit als „anders“ empfunden werden.

Vanessa Spanbauer, Chefredakteurin des Magazins „Fresh – Black Austrian Lifestyle“ forderte via ORF Sonntag abend, nicht-weiße Menschen sichtbarer zu machen: in Schulbüchern, dadurch, dass sie in allen Jobs vertreten sind, als Berichterstatter in den Medien.

Wie tief der Rassismus in Österreich verwurzelt ist, zeige sich daran, „dass man Wählerstimmen dadurch bekommt, dass man Menschen herabwürdigt“.

Wo genau soll die Meldung erfolgen?

Am besten direkt über unsere Plattform, oder über die sozialen Medien. Das dauert nur eine Minute, jeder kann das schnell erledigen. In der Offline-Welt geht es vor allem um Zivilcourage. Oft geht es nur darum, einfach hinzuschauen, merken, dass da was passiert, was nicht in Ordnung ist, das auch klar auszusprechen. Dabei muss ich mich nicht selbst in Gefahr bringen, mich nicht selbst "in die Mitte stellen", schon gar nicht bei Gewalt-Situationen. Es reicht, jemanden anzusprechen, andere aufmerksam zu machen, andere um Hilfe zu bitten oder die Polizei zu informieren. Nicht auf den Boden schauen, oder ins Handy - damit ist schon viel gewonnen, das kann den entscheidenden Unterschied machen! Zivilcourage kann man auch gut lernen, wir bieten Offline- und Online-Trainings an, da lernt man Strategien, wie man umgehen kann damit. Oft passiert etwas, und erst später, wenn man schon zu Hause ist, fällt einem ein, wie man reagieren hätte können. Wenn man einschreitet, fühlt man sich übrigens meist auch selber gut!

Stimmen zum Thema

Vor 29 Jahren kam Pauline Riesel-Soumare aus dem Senegal und arbeitet heute bei der Antidiskriminierungsstelle Steiermark. „Ich bin damals auf der Straße angepöbelt worden und das passiert heute noch.“ Von ihrer Arbeit weiß sie, dass Afrikaner nach wie vor schwer Wohnungen und Jobs bekommen, auch Polizei und Behörden gehen mit Afrikanern ruppig um: „Es ist normal uns zu duzen, um zu zeigen, wer oben ist!“

 

Faika El-Nagashi: „Mir ist klar, dass es im Nationalrat niemanden gibt, der so offensiv auftritt als lesbische Frau mit einer sichtbaren Migrationsbiografie und ich sage: Genau so kann österreichische Politik aussehen. Das wurde mir im Wahlkampf manchmal abgesprochen. Ich wurde teilweise beleidigt und mir wurde gesagt, dass ich mit meinem Äußeren hier keine Politikerin sein könne und niemandem etwas zu sagen hätte.“

 

Fünf Jahre alt ist Jennifer Uzodike, als sie bewusst ihren ersten rassistischen Übergriff erlebt. In der Wiener U-Bahn schreit ein aufgebrachter Mann sie grundlos an und überschüttet sie mit rassistischen Beleidigungen. Ihre Mutter packt Jennifer und ergreift die Flucht. Noch heute macht sie schlechte Erfahrungen in den Öffis und im Netz. Bei Hasskommentaren online ist die Bundesschülersprecherin konsequent: Sie macht sie öffentlich, um auf das Problem aufmerksam zu machen.

 

Der Wiener Ali Wukovits spielt für die Vienna Capitals in der Eishockey-Liga. „Es ist ein guter Zeitpunkt, um auf Alltags-Rassismus hinzuweisen. Viele glauben, bei uns in Österreich sei alles schön und nett.“ Nicht im Sport - aber es gebe immer wieder Situationen, „die mir suggerieren, dass ich anders bin.“ Er wünsche sich, dass jeder seine Stimme nützen soll und sich dagegen erhebt bzw. für die Mitmenschen einsetzt: „Schweigen schützt Rassisten.“

 

Als Parsa Djawadiraad 2017 zum Mister Kärnten gekürt wurde, musste er Rassismus aus erster Hand erfahren. So wurde in Frage gestellt, wie er mit iranischen Wurzeln das Bundesland repräsentieren könne. „Man steckt es zwar weg, setzt ein Lächeln auf, aber es fühlt sich furchtbar an“, sagt der 23-Jährige. „So etwas wünscht man niemandem.“ Anti-Rassismus-Demonstrationen, begrüßst er. Es sei aber auch Aufgabe der Politiker, die Menschen zu einen.

 

Stephanie Abidi, Fotografin: „Massive Anfeindungen sind mir in letzter Zeit in Wien erspart geblieben, Graz war da viel schlimmer. Aber im Bekanntenkreis kriege ich schon einiges mit. Ich glaube, dass für viele Nicht-Muslime das Kopftuch viel größere Bedeutung hat als für Muslime: Es ist das sprichwörtliche rote Tuch, man hat eine fixe Vorstellung von ,der’ unterdrückten muslimischen Frau ohne eigene Persönlichkeit, die man anfeinden kann.“

Fred Ohenhen, vor 30 Jahren aus Nigeria nach Graz gekommen, ist beim Verein Isop in der
Integrationsarbeit aktiv. Auf Alltagsrassismus trifft er „auch Menschen, die sich tolerant geben, aber immer noch Witze machen, die verletzen, über die ich nicht lachen kann.“ Die Menschen müssten begreifen, die Gesellschaft habe sich geändert: „Hautfarbe sagt nichts mehr über Herkunft aus. Viele sind hier geboren, Staatsbürger. Ich brauche ja auch ein Visum für Nigeria.“

Wäre es hilfreich, gäbe es mehr nicht-weißes Personal auch bei der Polizei zum Beispiel?

Ja, das wäre sehr wichtig, dass es da mehr Diversität gibt. Wir haben ein Problem mit "racial profiling" in Österreich: Einen 25-jährigen Mann mit nicht-weißer Hautfarbe fragt man nicht, ob er schon einmal auf offener Straße angehalten und kontrolliert wurde, sondern wie oft. Ich als weiße Frau hingegen bin noch nie kontrolliert worden.  Mehr Diversität bei der Polizei würde auch das Vertrauen in die Polizei stärken.

Die österreichische Bundesregierung hat sich vorgenommen, einen Nationalen Aktionsplan gegen Rassismus zu entwerfen. Was erhoffen Sie sich davon?

Das Wichtigste daran wäre eben, dass die Politik damit zeigen würde, dass sie Verantwortung übernimmt, dass sie sich den Kampf gegen Rassismus zum Thema macht.In unserem Rassismus-Report haben wir unsere Punkte dazu auch genannt.

 

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Danke für Ihr Verständnis.

schandopr
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Rassismus in Ö

Rassismus in Ö: wer eine andere (?) Hautfarbe hat wird angepöbelt; wer eine Frau ist, erlebt Diskriminierungen und plumpe Beschimpfungen, wenn sie etwas schlagfertiger ist; Eltern werden angestänkert, wenn ihre Kinder etwas mit Geräuschen fröhlich sind; wer eine spezielle Kopfbedeckung trägt wird angeglotzt, weil er seine durch Hautkrebs haarlose Kopfhaut schützen muss; wer zeigen will, welche Religion er/sie angehört, wird beschimpft, belästigt, gemobbt( und vieles mehr); wer einen Raser zur Rede stellt, der einen beinahe erwischt hat, wird ausgelacht und als überempfindlich beschimpft. - Aber, wehe man/ frau regt sich über rassistisches Verhalten auf; angepöbelt werden ist noch das Harmloseste, ...
Schönes (?) Zusammenleben in diesem schönen Land.

ordner5
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Problemsuche.

Was unser Land betrifft, so scheint das Problem, ein bisschen stark an den Haaren herbeigezogen zu sein. Mit tatkräftiger Steuerung div. Medien,

Mein Graz
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@ordner5

Ich empfehle eine einwöchige Mitarbeit in der Rassismus-Beratungsstelle.

Sam125
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Was bitte ist Alltagsrasissmus?? Sind wir Österreicher Rassisten,weil wir

Menschen,die unsere Heimat zu ihrer Heimat machen wollen,aber sich NICHT in unsere Gesellschaft integrieren wollen,ablehnen? Sind wir Rassisten weil wir gegen Beschneiungen,Zwangasehe und Unterdrückung der Frauen in unserer freien und gleichberechtigten Heimat sind? Sind wir Rassisten,weil wir uns wünschen,dass die Menschen,die sich unser Land zum Leben ausgesucht haben,auch nach unseren gesellschaftlichen Regeln und Werte leben
und nicht umgekehrt wir bestraft und als Rassisten beschimpft werden, wenn wir aufzeigen! Noch vor ca 10 Jahren sollte
sogar das Heer abgeschafft werden und Polizeidienststellen wurden aufgelassen, alles reduziert und die Kasernen verscherbelt,doch was für eine Kriminalität haben wir jetzt auf einmal im Land?Wir müssen uns alles stillschweigend Gefallen lassen und werden noch als Rassisten beschimpft!Hört endlich auf uns Österreicher als RASSISTEN zu beschimpfen,denn wir haben nur diese eine Heimat und können nirgends wo anders hin zurückkehren!

X22
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Atypischer Rassismus, 33 Fragen dazu (Zeit Online)

1. Wie oft wirst du auf einer Party gefragt: Wo kommst du wirklich her?

2. Und wie oft fragst du selbst?

3. Fragst du Weiße beim Smalltalk nach ihren Großeltern?

4. Fühlst du dich jetzt schon von diesem Fragebogen angegriffen?

5. Kannst du fluchen, Secondhand-Kleidung tragen, nicht auf Mails antworten – ohne, dass Menschen diese Entscheidung mit Sittenlosigkeit, Armut oder Faulheit verknüpfen?

6. Denkst du, du bist nicht rassistisch, weil du einen Freund mit Migrationshintergrund hast?

7. Weißt du, wie viele Muslime in Österreich leben?

8. Wie viele enge Freunde hast du, die einen asiatischen, persischen oder nigerianischen Migrationshintergrund haben?

9. Wusstest du, dass fast jeder Dritte in Österreich einen Migrationshintergrund hat?

10. Fühlst du dich fremd, wenn Leute um dich herum Arabisch oder Russisch sprechen?

11. Fühlst du dich fremd, wenn Leute um dich herum Englisch sprechen?

12. Wenn du ein Kind hättest, würdest du es in eine Kindergarten mit mehrheitlich Kindern mit Migrationshintergrund schicken – wenn es in der Nähe einen mit mehrheitlich weißen Kindern gäbe?

13. Wischst du bei Dating-Apps tendenziell weiter, wenn die angezeigte Person nicht weiß ist?

14. Kennst du fünf Bücher von Autorinnen, die nicht weiß sind?

15. Wie viele hast du davon gelesen?

16. Wie ehrlich warst du bei Frage 13?

17. Stell dir vor, du siehst eine rassistische Diskussion im Netz. Würdest du dich einmischen?

X22
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18. Hast du dich schon mal eingemischt – im Netz, auf der Straße, in ein Gespräch mit Freunden?

19. Wie oft wurdest du schon von der Polizei angehalten und kontrolliert?

20. Also in diesem Monat?

21. Wirst du auch ohne blonde Begleitung in die meisten Clubs gelassen?

22. Wurdest du schon mal dafür verprügelt, dass du aussiehst, wie du aussiehst?

23. Stört es dich, wenn deine Eltern ganz anders über Migrantinnen denken als du?

24. Haben Fremde schon mal ungefragt deine Haare angefasst?

25. Gibst du dir viel Mühe, die Namen spanischer, italienischer oder französischer Fußballspieler richtig auszusprechen, die von türkischen und vielen anderen aber nicht?

26. Wie würdest du dich fühlen, wenn deine neuen Nachbarn eine afghanische Familie wären?

27. Wie würdest du dich fühlen, wenn deine neuen Nachbarn eine schwedische Familie wären?

28. Bezieht es irgendjemand auf dein Aussehen, wenn du etwas nicht so gut kannst?

29. Welches Bild kommt dir in den Kopf, wenn du an schwarze Männer denkst?

30. Welches Bild kommt dir in den Kopf, wenn du an muslimische Frauen denkst?

31. Hast du schonmal gedacht: Wenn ich könnte, würde ich nur mit Menschen zusammenarbeiten, die so sind wie ich?

32. Siehst du Menschen, die dich repräsentieren, wenn du den Fernseher anschaltest oder eine Zeitung aufschlägst?

33. Wie oft geben dir Menschen in deinem Umfeld das Gefühl, dass du nicht zu dieser Gesellschaft gehörst?

Mein Graz
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@X22

Das sind echt tolle Fragen!
Leider werden diejenigen, die es am stärksten betrifft, häufig bei den Antworten lügen.

Sogar ich war über ein paar meiner Gedanken erschrocken - und gelobe, an mir zu arbeiten!

Mein Graz
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@Sam125

Wenn du in den Spiegel schaust, gefällt dir das, was du siehst?

Plantago
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Unangenehm sind vor allem diese offen agierenden Diskriminierer,

die, - bis oben hin angefüllt mit Vorurteilen und Fehleinschätzungen - ihre Mitmenschen gern in ihre vorbereiteten Kästchen einordnen und, statt das Gespräch zu suchen bzw. auf Argumente einzugehen, sofort meinen, hier "Rassismus" oder Ähnliches "bekämpfen" zu müssen.

leserderzeiten
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Das Problem meiner Meinung, die "Geheim Rassisten".

Diese Mitmenschen, die sich nach außen hin liberal oder zumindest neutral geben, aber insgeheim Rassisten sind. Meiner Erfahrung nach, männlich weiblich, jung alt, gebildet ungebildet, also quer durch die Bank.
Anders kann ich mir die zwischenzeitlichen Erfolge der FPÖ nicht erklären, obwohl sie ja fast niemand wählt. Anders konnte und kann ich mir die große Zustimmung zu TurkisBlau nicht erklären.
Das ich mich irre, ist natürlich auch möglich, ich hoffe es sogar.

ichbindermeinung
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Wehrpflicht / Zivildienstpflicht für alle Frauen

ganz wichtig wäre es auch, dass endlich auch die Wehrpflicht/Zivildienstpflicht für alle Frauen in Österreich eingeführt wird, wegen der Ungleichbehandlung

heku49
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Ungleichbehandlung? Frauen leisten ungleich mehr für Ihre Familien....

bringen Kinder zur Welt, pflegen unentgeltlich über Jahre Angehörige,.....und ... und....

Guccighost
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Stimmt auch wieder

aber man könnte jungen Frauen die momentan keine Arbeit finde den Zivildienst
anbieten.

berndhoedl
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Dünnhäutigkeit oder Rassismus?

Also um gleich Wind aus den Segeln zu nehmen - ich bin selbstverständlich gegen jede Form der Diskriminierung oder Rassismus.

Jedoch unterscheide ich zwischen Dünnhäutigkeit und wahren Rassismus. Wenn ich als Steirer anfangs meiner Berufslaufbahn als „Steirerbua“ in Wien bezeichnet wurde habe ich dies genauso wenig als Rassismus empfunden wie wenn ein Elternteil sein Kind nach einem ganz besonderen Streich als „so a Zigeinerin oder Zigeiner“ im Mundsprachlichen Gebrauch titulierte.
Auf einer Baustelle ist der Gebrauch des Wortes „Jugo“ immer in Verwendung und bin mir sicher dass dies nicht böse gemeint ist oder auch als Schimpfwort verstanden wird.
Als jemand der den Grossteil seines berufl. Lebens im Ausland verbracht hat, gibts 100e Beispiele für Dinge welche manche als Rassismus verstehen „möchten“.
In Israel war es unter uns Geschäftsleuten oftmals zu Gesprächen gekommen, wo ein Nichtisraeli gemeint hat - jetzt müssen wir aber aufpassen und der Geschäftspartner aus Israel gemeint hat - „ja, wir sind halt sehr geschäftstüchtig - wir Juden“
Also dieses permanente Suchen und hinein-intepretieren von Rassismus ist echt schon nervig.
Auf einmal ist oder war jeder Promi schon mit Rassismus konfrontiert - weils eben anscheinend modern ist. Ein bisserl mehr Toleranz im Verwenden von Sprache wäre auch nicht schlecht und ehrlich - da tun Manche in diesen Tagen gerade so als ob wir hier in Osterreich entweder mit KuKluxClan Masken oder Nasenbärtchen herumlaufen.

vonnixkummtnix
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Jugo war/ist ein gebräuchliches Wort und

wurde/wird abwertend für billige, einfache ausländische Arbeitskräfte verwendet. - von vielen vielleicht nicht grundsätzlich böse, man bezeichnet "sie" halt so. Aber keiner der Arbeiter freut sich als Jugo angesprochen zu werden.
Warum wird für einen besonderen Streich der Audruck "Zigeiner" verwendet und nicht Arier oder "blonder Jüngling", weil so positiv besetzt? Wenn jemand über einen anderen als "so a Jugo" redet, ist das vermutlich genauso lieb gemeint wie ein widerwärtiges Luder. Also ich wäre noch nie - auch nur ansatzweise - auf die Idee gekommen, meine oder irgendeine Frau überhaupt und schon gar nicht als positive Anrede so zu benennen.
Ein bisserl mehr sprachliche Toleranz? Man sollte sich die Entwicklungkurve der Verwendung diverser abwertender Ausdrücke in den letzten Jahren anschauen. Angefangen mit - zumindest bei so manchen Zeltfest Besuchern - Schenkelklopfern wie: "Wenn einer Ariel...." über "Lump" (so nennen viele ja ihr Hunderl) über ... bis "Asylantenvirus" (warum auch immer z.B. Ischgl eine Asylantenhochburg sein soll?) bis "widerwärtiges Luder" eines bürgerlichen, christlich-sozialen Politikers. Wann ist Schluss? Ich finde es fürchterlich und bedenklich, in welche Welt (meine) Kinder unter dem Titel sprachliche Toleranz hineinwachsen sollen.

Ein bisserl mehr Mitdenken, bevor man gewisse Ausdrücke verwendet, statt mehr sprachliche Toleranz würde mehr Toleranz und Respekt anderen gegenüber zeigen.

berndhoedl
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Schon interessant dein Ansichten vonnixkommtnix...

weil ich sicherlich keine und war es auch nie, eine billige Arbeitskraft bin.

Bezeichne mich aber auch - weil Abstammung - als 1/4 Jugo.

Wenn man es genau nimmt 1/4 bis tendenziell 1/8 Slowene....
Ich oder wer auch immer in der Familie würden jetzt nicht beleidigt sein und das Lustige ist, dass ich, wann immer in ExJugoslawien geschäftl. zutun hab, das zu meinen Geschäftsfreunden sage.
Und keiner dieser „Jugoslawen“ tät beleidigt sein.

Übrigens Jug heisst Süd....
Aber immer gleich drauflos hauen auf offentsichtlich fix verwurzelten Sprachgebrauch und gleich Rassismus sehen ist Dünnhäutig und überhaupt nicht im Sinne der Betroffenen.

Übrigens esse ich noch immer gerne Mohrenköpfe...ohne schlechtes Gewissen.

vonnixkummtnix
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@berndhoedl

Ich habe ja auch geschrieben, dass viele den Ausdruck gar nicht bösartig meinen sondern als Gewohnheitsausdruck verwenden. Und ja wahrscheinlich ist es für Slawen untereinander auch okay und wird nicht als abwertend gesehen. Meinen slowenischen und kroatischen Jugendfreunden war es damals allerdings nicht egal, wenn sie so genannt wurden. Wäre interessant gewesen auf den gesamten Text einzugehen, statt nur darauf was Jug(o) im direkten Sinn und für dich selbst als - wie du selber meinst - Semijugo bedeutet.

berndhoedl
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@vonnixkummtnix

Schau - in Wahrheit sagt man ja als normaler Mensch zu Leuten die man nicht kennt eher nicht “Jugo”.
Wenn man aber bei diversen Meetings ist und bei der Sitzordnung fürs Abendessen fragt wo man sitzt und du kriegst vom Kollegen die Antwort „bei die Jugos“, dann wars echt immer für die Geschäftsführerkollegen aus dem EX-Jugosl. Raum OK und für mich auch.
Die Vorstände aus Italien waren aber auch nicht beleidigt wenn man gesagt hat - bei den Spagettis is aber immer mehr Gaudi....

Also was will ich sagen - wie man Sprache verwendet, ist sehr entscheidend, du Zigeuner kann zu einen völlig Fremden selbstverständlich beleidigend sein aber zu einem Nahestehenden überhaupt nicht.
Und genau dorthin sollten wir alle kommen - nicht immer jedes Wort als rassistisch oder diskriminierend ansehen, sondern den Gedanken dahinter....
aber leider in der heutigen Zeit möchte man anscheinend nur mehr Skandale sehen wo keine sind.

X22
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Sie beschreibens eh recht nett

unter Freunden, unter Bekannten bedeutet ja, man kennt sich sehr gut, da weiß man wie der Mensch tickt, wie er ist, für eine dritte Personen kann sich das schon ganz anders anhören, diese müssen nicht mal angesprochen werden, woher soll die wissen wie sie ticken und was bei ihnen und ihren Freunden Usus ist, wenns diejenigen aufklären, kann es sein, dass die es verstehen, verstörend ist es trotzdem, es muss ja einen tieferen Grund haben warum man bestimmte Ausdrücke verwendet und es nicht auf eine andere Art ausdrückt

Mein Graz
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@berndhoedl

Ist es Rassismus, wenn man weil man Schwarz ist eine Wohnung nicht bekommt? Wenn eine Frau mit Kopftuch in den Öffis als Österreich-feindlich beschimpft wird, und sie soll dahin kommen wo sie her ist? Wenn Kinder nicht mit Kindern anderer Hautfarbe spielen dürfen mit der Begründung "die stinken"?

Ja, eindeutig.

Das ist keine "Dünnhäutigkeit", das ist Rassismus, und davon gibt es auch in Österreich mehr als man denkt. Was angezeigt wird ist nur die Spitze eines Eisberges.

Du forderst Toleranz in der Sprache - gut und schön.
Dann solltest du das auch vorleben und nicht so dünnhäutig sein, anderen Beleidigungen vorzuwerfen, wo es gar keine gibt.

X22
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Könnte es sein, dass Abstumpfung genau das bewirken kann, was sie als dünnhäutig bezeichnen

Was ist Gewalt für jemanden, wenn dieser von Kindesbeinen mit dieser aufwächst, Alltag oder, für den wären ein paar Watschen normal und würde andere für dünnhäutig halten, für die es nicht zum Alltag gehört.
Beschäftigen sie sich mal mit der Geschichte von Tätern die Gewalttaten verüben, viele wurden selber gedemüdigt (verbal oder körperlich), dieser Kreis schließt sich in der Gewalt, die sie dann ausüben.
Und für Instabile reicht ein Trump bzw. Typen wie Trump um dies auszuleben. Eine Frage auf Österreich bezogen, warum gibt es ausgerechnet bei den FPö Nahen soviel Einzelfälle, hat es etwas mit den subtilen Botschaften, die sie vermitteln etwas zu tun?

Plantago
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Wenn man "die Reichen mittels Revolution beseitigen" möchte,

dann ist das kein "Rassismus", der bekämpft werden soll. Was ist es dann? Ein "gerechtfertigtes Anliegen"??

Mezgolits
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... dass man Menschen herabwürdigt."

Vielen Dank - JAWOHL - genau darum geht es =
Menschen - ihre zustehenden Menschenrechte
NICHT zu vergönnen = wahlberechtigten, hilfe-
bedürftigen und selbsterlösungsfähigen +
wahlberechtigten + sterbehilfewilligen Men-
schen - ihre eindeutigen Menschenrechte -
ebenfalls NICHT zu vergönnen. Erfinder M.

martinx.x
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Frauen sind stark von Diskriminierung und Gewalt betroffen.

warum wird dagegen nicht demonstriert?

X22
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demo gegen Diskriminierung von und Gewalt an Frauen suchen

ergebnisse werden sie genug finden, nur wie reagiert die Politik wirklich darauf