Corona-HotspotWie in Ischgl trotz Verbots weiter Aprés Ski-gefeiert wurde

Die Aufarbeitung der Viren-Verteilstelle Ischgl schreitet voran: Neue Enthüllungen zeigen, dass noch nicht einmal die späte Schließung von Lokalen konsequent umgesetzt worden war.

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CORONAVIRUS: TIROLER QUARANTAeNEGEBIETE WIEDER FREI
© APA/EXPA/JOHANN GRODER
 

Das politische und rechtliche Nachspiel um die späte Reaktion des Tiroler Skiorts Ischgl auf das Coronavirus hat gerade erst begonnen –und trotzdem tauchen im Wochentakt neue Enthüllungen auf, die erahnen lassen, wie Ischgl zu einer der zentralen Drehscheiben des Coronavirus in Europa werden konnte.

So berichtet das aktuelle „profil“, das Einsicht in den tausendseitigen Zwischenbericht nehmen konnte, den das Landeskriminalamt Tirol der Staatsanwaltschaft Innsbruck vorgelegt hat, von bemerkenswerten Polizeiprotokollen: So vermerkten Beamte am Abend des 11. März eine Menge Gäste bei der „Schatzi-Bar“, einer der Aprés-Ski-Lokale gleich vis-a-vis dem Ende der Abfahrt ins Ortszentrum. Das Problem: Zu dieser Zeit waren sämtliche Aprés-Ski-Lokale eigentlich schon behördlich geschlossen.

Die Polizisten protokollierten den Menschenauflauf – und unternahmen nichts: „Eine zwangsweise Durchsetzung der Verordnung schien aufgrund des wetterbedingt starken Personenverkehrs und dem Umstand, dass damit lediglich eine Verlagerung der Menschenansammlungen erzielt würde, nicht verhältnismäßig“, zitiert „profil“ den Bericht der Polizei an die Bezirkshauptmannschaft Landeck, die Aprés-Ski-Aktivitäten ab 10. März nach dem Epidemiegesetz untersagt hatte. Im Zwischenbericht dokumentiert das Landeskriminalamt noch weitere Fälle, in denen solche Schließungen – erfolgt erst Tage nachdem Warnungen erkrankter Gäste eingegangen waren – nicht befolgt wurden.

Das Büro von Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) wollte am Samstag auf Anfrage der Kleinen Zeitung keinen Kommentar zu den neuen Enthüllungen abgeben. Intensiv beschäftigen sie dagegen die Opposition. SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher kündigt eine parlamentarische Anfrage an: „Egal ob aus Überforderung oder weil wirtschaftliche Interessen über die Gesundheit und das Leben der Bevölkerung gestellt worden seien, was in Tirol geschehen ist, darf sich so nie mehr wiederholen“, sagt Kucher – er will nach Interessenkonflikten zwischen Seilbahnwirtschaft und der Polizei fragen.

Auch für FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz habe Nehammer „gewaltigen Aufklärungsbedarf“: „In Ischgl hat man es anscheinend billigend und sehr locker in Kauf genommen, dass ganz Europa mit Infizierten aus diesem Skiort überschwemmt wird. Aus wirtschaftlichen Gründen und Profitgier die Gesundheit vieler Menschen aufs Spiel zu setzen, ist unentschuldbar“, sagt Schnedlitz, der abermals auf einen Corona-Untersuchungsausschuss pocht.

Ein solcher war vergangene Woche von der türkis-grünen Mehrheit im Nationalrat (eine solche regiert auch in Tirol) abgelehnt worden. Auch die Neos stimmten dagegen: Der Zeitpunkt dafür sei noch nicht gekommen. U-Ausschüsse sind zwar Minderheitenrecht – auf diese Art kann jedoch nur ein einzelner solcher Ausschuss einberufen werden. SPÖ, FPÖ und Neos haben als Minderheit aber bereits den Ibiza-U-Ausschuss eingesetzt – deshalb heißt es nun warten auf eine Mehrheit.

Einstweilen läuft das rechtliche Nachspiel auf mehreren Ebenen neben den Ermittlungen: Das Land Tirol hat vor kurzem eine Untersuchungskommission eingesetzt – die aber, weil das Epidemierecht Bundessache ist, kein Durchgriffsrecht hat.

Verbraucherschützer Peter Kolba (ehemals Liste Pilz-Klubobmann), der mehr als 5000 Corona-Infektionen im Zusammenhang mit Ischgl gefunden hat, strebt auch eine Sammelklage auf Schadenersatz an.

Kommentare (20)
janoschfreak
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Jetzt kann...

...unser Bundeskanzler Rückgrat beweisen und dieses profitgesteuerte, dem Tourismus und der Seilbahnwirtschaft vollkommen ausgelieferte ÖVP-Pack in der Tiroler Landesregierung absetzen. Von Platter abwärts müssten alle gehen - wenn sie es schon selber nicht wahrhaben wollen.
Tilg sollte schon lang Geschichte und Neuwahlen in Tirol avisiert sein.

diss
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Diese verfilzte Seilbahnmafia

gehört verurteilt und dann eingesperrt!

Patriot
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Was haben wir von der heutigen Pressestunde im ORF gelernt?

Der Herr Platter hat nichts, aber auch gar nichts dazugelernt!
Ein Tiroler Stur- und Dickschädl wie er im Buch steht!

salem2708
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...Lockkdown

Ischgl im März: "Die phösen Behörden und die Regierung hat versagt, weil sie den Leuten zu spät befohlen hat, zu hause zu bleiben um sich nicht anzustecken".
Italien heute: "Ich lasse mir von der phösen Regierung nicht vorschreiben, wann ich wohin auf Urlaub fahre!"...
Es wird in so einer Situation IMMER zu einen angeordneten Shutdown kommen, da die meisten "selbstbestimmten" Mitbürger zu schlicht gestaltet sind, um ihnen Eigenverantwortung zuzutrauen...man braucht nur die berichte von der planai ansehen wo am letzten tag vor dem shutdown die pisten übervoll waren. Man kann sich im zweifel eh immer drauf ausreden, dass " man nix gwusst hat, weil die Behörden haben ja nix gsagt..." bei anderen Themen (Rauchverbot, Impfung) sans dann wieder alle gscheit, weil im google stehr eh alles...

Hardy1
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Wien ist das neue Ischgl.....

….wenn man die 50.000 Menschen ohne Abstand auf einem Platz sieht erkennt man, dass viele nichts dazugelernt haben. Wien ist schon seit Wochen der Hotspot von Corona in Österreich.... also, der neue Lockdown wird nur Wien betreffen !

ma12
10
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OMG

Da wäre der RÜCKTRITT der gesamten Tiroler Regierung dringend nötig! PLATTLER GO HOME!!!!

gehtso
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hätte sich der liebe Herr

Nehammer um Ischgl genauso Sorgen gemacht wie um Wien, hätte das Ganze womöglich einen anderen Verlauf genommen, aber da waren halt seine tief- türkisen Kollegen am Werken, nicht die bösen Roten!

mobile49
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man hätte es im vorhinein schreiben können

und wäre nicht danebengelegen.
nach nicht einmal 10 minuten mit platter ........
dèjà-vu zum²

isogs
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Was zeigt das

Wenige werden sofort bestraft, sind es Viele , dann kouma holt nix mochn. Dann bleibt man straflos, ja die strafbare Feier darf ungehindert weiterlaufen...

SoundofThunder
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🤔

Würde mich nicht wundern wenn die armen Inhaber am tiefsten in den Härtefallfonds greifen würden. Aber da von dort eh nur (wenn überhaupt ) Peanuts kommen brauch ich mich darüber nicht aufregen.

beobachter2014
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Medien als Richter

Im heutigen Österreich sprechen die Medien Recht! Auf Grund von (wahrscheinlich illegal erhaltener) Untersuchungsunterlagen werden Gastwirte, Polizisten, Behörden verurteilt. "Aus einem mehr als 1000seitigen Zwischenbericht, den das Landeskriminalamt der Staatsanwaltschaft vorlegte".... wird zitiert! Wie kommen die Journalisten zu diesen Unterlagen? Sogar die Namen der Lokale werden genannt. Wo ist da der Datenschutz ? Wenn ich ohne schriftliche Zustimmung das Geburtsjahr eines Teilnehmers der Vereinsmeisterschaften auf die Ergebnisliste schreibe, mache ich mich strafbar ....
Und wenn der Innenminister zu einem Vorbericht, den er wahrscheinlich noch gar nicht kennt, nicht gleich Stellung bezieht, muss er "sich erst mit seinem Angebetenen absprechen". Wer so formuliert, hat für mich jede Ernsthaftigkeit verloren.
Außerdem: Nach den österreichischen Medien und den Oppositionsparteien ist Corona in Ischgl ausgebrochen und von dort verbreitet worden. Ich habe aber seriöse Berichte gelesen, dass es in Wuhan ausgebrochen und über die Lombardei (chinesische Leiharbeiter) nach Europa gebracht wurde. Aber das wird wohl nur die "Message Control" so verbreiten.

Mein Graz
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@beobachter2014

Jeder hat Informanten: Medien, Polizei, Staatsanwaltschaft usw. So kommt man halt zu Infos, die sonst keiner hat.

Namen von Lokalen unterliegen m.W. nicht der Datenschutz-Grundverordnung, da das keine "natürlichen Personen" sind. Du kannst nicht den Namen eines Lokals mit den persönlichen Daten einer Person vergleichen!

Kennt der IM den Vorbericht tatsächlich nicht? Dann wird es aber Zeit, dass er sich darum kümmert!

Ich habe nicht einmal in der Krone gelesen, dass "Corona in Ischgl ausgebrochen" ist - und die schreiben schon viele "alternative Fakten". Diese Deutung reimst du dir schon selbst zusammen...

beobachter2014
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Mein Graz

Namen von Lokalen sind wohl gleichzusetzen mit den Namen der Inhaber oder Geschäftsführer, da ja jeder weiß, wer das jeweils ist! Oder würden Sie einverstanden sein, wenn man Ihre genaue Wohnadresse bekannt geben würde, aber nicht Ihren Namen? Wäre da der Datenschutz erfüllt ...?
Ich habe auch nirgends direkt gelesen, dass Corona in Ischgl ausgebrochen ... sei. Aber viele Berichte in verschiedenen Medien (und die Sammelklagen mancher österr. Anwälte) lassen diesen Schluss zu!

Mein Graz
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@beobachter2014

Nein, Namen von Lokalen sind NICHT gleichzusetzen.
Datenschutzgrundverordnung:
"(1) Diese Verordnung enthält Vorschriften zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten und zum freien Verkehr solcher Daten.
(2) Diese Verordnung schützt die Grundrechte und Grundfreiheiten natürlicher Personen und insbesondere deren Recht auf Schutz personenbezogener Daten.
(3) Der freie Verkehr personenbezogener Daten in der Union darf aus Gründen des Schutzes natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten weder eingeschränkt noch verboten werden."
Ich darf jedes Lokal, jedes Geschäft beim Namen nennen - denn nur NATÜRLICHE Personen werden geschützt!
Dass man sich Schlau machen kann ist eine andere Sache!

Dein Schluss ist - wie oben schon geschrieben - falsch.

beobachter2014
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Ich erkenne @mein Graz:

Nur du bist schlau, hast dich schlau gemacht, nur du hast recht - und Lokalbesitzer sind keine natürlichen Personen! Werden wohl unnatürliche sein ....

Mein Graz
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@beobachter2014

Ach hör doch auf.
Zitat: "Sogar die Namen der Lokale werden genannt."

Und mit ein bissl gutem Willen hättest sogar du dich schlau machen können und die DSGVO gefunden.

Schreibst du jetzt weiter, weil du provozieren willst oder weil es nicht schaffst nicht recht zu haben?
Beides zeugt nicht von Größe.

mobile49
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@beobachter

zwischen ausbruch und ansteckung ist aber ein gravierender unterschied.
dass diese europaweite ansteckung AUCH von ischgl und vom arlberg ausging ist wohl unbestritten.

satiricus
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"Das Büro von Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) wollte am Samstag auf Anfrage der Kleinen Zeitung keinen Kommentar zu den neuen Enthüllungen abgeben."

Das ist ja klar, dass man seitens des IM dazu (noch) nicht Stellung nehmen wird.
Der Nehammer und sein Angebeteter müssen sich erst exakt absprechen, außerdem dürfte die Message-Control erst wieder am Montag werkeln. Daher gibt es vorerst nur ein "Schweigen im Walde", aber in den nächsten Tagen dürfen wir höchstwahrscheinlich mit einer Pressekonferenz rechnen.
Was werden wir dann wohl zu hören bekommen?
Ach ja: "Die Behörden haben keine Fehler gemacht" - jede Wette!

VH7F
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Jetzt lasst doch die armen Tiroler in Ruhe!

Die sind doch ein Opfer der Medien. Corona gibt es woanders auch, jetzt. 😉

Mezgolits
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Ich meine: DÜMMER - kann man Ischgl - NICHT
mehr schreiben. Erfinder Mezgolits Draßburg