Peter Pilz hat es einmal zu viel versucht. Trotz aussichtsloser Umfragewerte hielt sich der vormals Grüne Polit-Veteran für Publikumsmagnet genug, es alleine mit Präsenz in den TV-Konfrontationen wieder in den Nationalrat zu schaffen. Diesmal hat sich der 65-Jährige überhoben, es geht statt in den Nationalrat in die Politikerpension.

Zu viel war seit seinem Coup vor zwei Jahren, als er mit eilig zusammengestellter Namensliste die Grünen aus dem und sich wieder in den Nationalrat schickte, passiert. Gleich nach der Wahl wurden Vorwürfe sexueller Belästigung laut, die den vermeintlichen Saubermann eher widerwillig auf sein Mandat verzichten ließen.

Die ultimative Demütigung

Die Pension genießen wollte Pilz dann aber wenig überraschend doch nicht, bloß wollte über viele Wochen keiner seiner neuen Gefährten dem als Ich-AG bekannten parlamentarischen Urgestein seinen Sessel überlassen. Bis Pilz dann doch zurückdurfte, war der Ruf der später in JETZT umbenannten Liste längst ruiniert. Dass das Gros der weiblichen Abgeordneten bei seiner Wiederkehr aus Protest den Plenarsaal verließ, war wohl die ultimative Demütigung für Pilz, der sich zeit seiner politischen Karriere selbst unter Parteifreunden Feinde gemacht hatte.

Pilz profitierte jedoch stets von einer treuen Gefolgschaft in diversen Medien, die von ihm aufgedeckte Skandalgeschichten bereitwillig aufnahm, auch wenn nicht gerade selten Belege für das Vorgebrachte fehlten. Diese Connections funktionierten nach der Grapsch-Affäre nicht mehr wie über Jahrzehnte geübt. Dazu kam, dass Pilz gerade in der BVT-Causa nicht viel zu bieten hatte und im dazu gehörigen U-Ausschuss sogar im Schatten der parlamentarischen Newcomerin Stephanie Krisper von den NEOS stand.

Dass Pilz am Sonntag trotz äußerst ungünstiger Rahmenbedingungen ein annähernd respektables Ergebnis schaffte, hängt vor allem mit seinem darstellerischen Talent zusammen. Der JETZT-Gründer positionierte sich als Stachel im Fleisch aller anderen, nützte seine exzellente Rhetorik zu überzeugenden TV-Auftritten und ließ manche vergessen, welch traurige Performance seine Parlamentarier-Gruppe über weite Strecken der zweijährigen Gesetzgebungsperiode abgeliefert hatte.

Mit dem zur Selbstdarstellung neigenden Steirer ist es freilich auch nicht leicht zusammenzuarbeiten, was die Grünen speziell mit Eva Glawischnig an der Spitze leidvoll zu spüren bekamen. Doch auch bei JETZT gab es am Schluss gar nur noch eine Abgeordnete, die ihn bei der Wiederkandidatur unterstützte.

Pilz ist One-Man-Show und wenn die Mehrheit in seiner jeweiligen Partei seine Meinung nicht teilt, wird das seine nicht ändern. Den Abschied von den Grünen, zu deren Ur-Parlamentarier-Riege er gehörte und die er zwischenzeitlich sogar als Bundessprecher anführte, wählte er letztlich selbst, weil sich sein Wunsch einer Umorientierung in Richtung Links-Populismus inklusive zünftiger Islam-Kritik nicht realisieren ließ.

Seine lange Karriere

Dabei stammt Pilz selbst aus dem weit linken Feld des politischen Spektrums. In Studententagen wurde er von den Sozialisten rausgeschmissen und heuerte bei den Trotzkisten an. Diese Zeit ist freilich längst vorbei. Der promovierte Wirtschaftswissenschafter, der den heutigen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen für die Politik entdeckte, gehörte beispielsweise zur Gruppe jener, die einem schwarz-grünen Projekt unter Wolfgang Schüssel absolut wohlwollend gegenüber standen.

Als das nichts wurde, widmete sich der passionierte Schwammerl-Sucher Pilz wieder dem, was er am besten kann, nach Skandalen wühlen. Am erfolgreichsten war er da freilich im vorigen Jahrtausend, Stichworte Baukartell oder Lucona. Sein politisches Lebensthema nach der Jahrtausendwende waren die Eurofighter, wo er im Gegensatz zu diversen anderen Causen tatsächlich Ungereimtheiten den Kauf der Flieger betreffend ans Licht brachte.

Aus der Öffentlichkeit verschwinden wird Pilz auch jetzt nicht. Mit zackzack.at hat er sich schon ein Medium aufgebaut, über das er weiter den Aufdecker geben kann. Zudem ist leicht vorauszusehen, dass er bei so mancher Zeitung und so manch einschlägigem Fernsehsender gern gesehener Kommentator des politischen Alltagsgeschehen werden könnte. Freilich droht ihm auch der ein oder andere Gerichtstermin, nun, wo ihn die parlamentarische Immunität nicht mehr vor Klagen jener schützt, die sich von ihm zu Unrecht angegriffen gefühlt haben.

Zur Person: Peter Pilz, geboren am 22.1.1954 in Kapfenberg, verheiratet. Doktor der Wirtschaftswissenschaften. Ab 1986 Abgeordneter zum Nationalrat, zwischen 1991 und 1999 Mitglied des Wiener Gemeinderats, seither wieder Nationalratsabgeordneter. Juli 2017 Austritt von den Grünen und Gründung einer eigenen Liste, mit der er bei der Nationalratswahl den Einzug in den Nationalrat schafft. Im November 2017 Verzicht auf Annahme seines Nationalratsmandats wegen des Vorwurfs sexueller Belästigung, ab Juni 2018 wieder im Nationalrat.